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VW-Geschichte 9



Bei Porsche hat es inzwischen einen gewaltigen Umbruch gegeben. Seit die Familien Porsche und Piëch das Werk nicht mehr unmittelbar dirigieren, arbeiten dort angestellte Manager. Der vorläufig letzte heißt Wiedeking und wird Vorstandsvorsitzender gerade zu der Zeit, als es Porsche ziemlich schlecht geht. Die Ironie des Schicksals will es, dass ausgerechnet Ferdinand Piëch diesen Mann gegen den sonst immer dominierenden Willen der Familie Porsche durchsetzt. Die Maßnahme zeigt Erfolg, deren Stationen Sie bei der Geschichte von Porsche nachlesen können. Porsche wird zum profitabelsten Autohersteller überhaupt. Am Ende sind 3 Milliarden Überschuss in der Kasse. Was tun? An die Aktionäre ausgeben? Irgendwo als Rücklagen verstecken? Eigentlich ist eine Autofirma keine Bank. Wiedeking, ohnehin in der letzten Zeit ein wenig zu großspurig, heckt gemeinsam mit seinem Finanzvorstand Härter einen weitreichenden Plan aus.

Er will mit den 3 Milliarden und weiterem, geliehenen Geld so lange VW-Aktien kaufen, bis er 75 Prozent zusammen hat. Mit dieser erdrückenden Mehrheit kommt er dann an die bei VW gesparten 13 Milliarden heran und kann seine Schulden zumindest teilweise bezahlen. Warum gerade VW? Weil sich die Verbindung in den letzten Jahren wieder gefestigt hat. Dazu gibt es das Beispiel des Porsche Cayenne, bei dem Porsche auf der Plattform des Touareg aufbaut. Allein hätte man die Entwicklung eines Allradfahrzeugs nie stemmen können. Vergleichen Sie nur die Preise des Cayenne mit denen des Panamera, der eigentlich weniger Technik, aber viel mehr Porsche-Teile enthält und deshalb wesentlich teurer ist. Immerhin ist Porsche auf VW angewiesen und sieht sich bei der ganzen Transaktion vielleicht ein wenig unter Zwang.

Sie ahnen es aus heutiger Sicht, es hat letztendlich nicht funktioniert. Die Praxis hat die Theorie überholt. So ist man z.B. bei Porsche davon ausgegangen, die EU werde die Sperrminorität in Höhe von 20 Prozent des Landes Niedersachsen nicht länger dulden. Der Weg zur Alleinmacht wäre frei gewesen. Leider (oder Gott sei Dank?) hat die EU anders entschieden. Auch hat man die Macht und den Druck der VW-Arbeitnehmer unterschätzt, immerhin 360.000 Menschen, wenn man Scania hinzuzählt. Dann kommt es 2008 auch noch völlig unvorhersehbar zur Banken- und Börsenkrise. Porsche sammelt zwar viele VW-Aktien, kommt aber mit den geliehenen Milliarden in Schwierigkeiten, bevor es diese mit VW-Geld tilgen kann.

Zwischenzeitlich haben die beiden Porsche-Manager für viel Wirbel gesorgt. Die VW-Stammaktie erreicht nie dagewesene Höhen, Porsche den absolut höchsten Umsatz aller Zeiten, aber nicht mit dem Verkauf von Sportwagen, der mit der Krise sogar um 30 Prozent zurückgeht. Schließlich strangulieren die Schulden und auch der hinzugerufene Investor Kathar kann Wiedeking nicht retten. Der muss zurücktreten und VW-Chef Winterkorn übernimmt sein Amt mit. Hans-Peter Porsche gibt zunächst seinen Sitz im Aufsichtsrat an einen Vertreter von Kathar mit künftig 17% ab. Die Familien Piëch und Porsche besitzen statt früher Porsche nun 51 % an VW. Porsche wird zur zehnten Tochter werden und eine der schönsten dazu.

Man sagt, es sei vielleicht Ferdinand Piëchs letzte große Tat als Vorsitzender des Aufsichtsrates, VW vor dem Zugriff von Porsche zu retten. Bizarr ist aber, dass ausgerechnet Piëch, der Wiedeking mit ruft, ihn am Ende von seinem Thron stoßen muss. Nachfolger bei VW wird nach Piëchs Fehlgriff auf Pischetsrieder wieder einmal ein Audi-Vorstand, nämlich Martin Winterkorn, der mit Piëch auf einer Linie zu sein scheint. Immerhin ist der Konzerngewinn mit fast 16 Mrd. 2011 so hoch wie nie. Auch die Fusion mit MAN soll bald vollendet sein. Im Moment betragen die Anteile 45 Prozent bei Scania und 56 Prozent bei MAN. Die Zusammenarbeit mit Suzuki darf wohl als belastet angesehen werden, obwohl VW an seinem Anteil von knapp 20 Prozent vorläufig noch festhält.

Auslieferungen 2012
Europa45%
Asien35%
Nordamerika9%
Südamerika11%

Ist VW noch der Konzern, der über seine Funktion als reiner Arbeitgeber hinaus eine Bedeutung für die Mitarbeiter hat. Seit VW die Weltspitze erreichen will, ist die Arbeitssituation härter geworden. Denn VW produziert immer noch teuer, obwohl die Zeit zur Herstellung eines VW Golf seit 2008 um fast 30 Prozent gesunken ist. Das Gefühl, für sein Leben rundum geborgen und versorgt zu sein, ist nicht nur bei VW- Mitarbeitern verloren gegangen. Auch dieser Konzern setzt auf Leiharbeiter und zahlt z.B. über VW 5000 verschiedene Löhne für vergleichbare Arbeit. Geblieben ist ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vielleicht bei den höheren Chargen, oder es ist nur die gemeinsame Leidenschaft für das Thema 'Auto'.

Die Sache mit Porsche kommt 2013 zu einem guten Ende, trotz der Forderungen sich betrogen fühlender Anleger. Sehr gut läuft die Sache mit der zehnten Tochter MAN, wo im vorigen Jahr für 3,4 Mrd. Euro ca. 56 Prozent der Aktien erworben und in diesem Jahr z.B. die Stammaktien (mit Stimmrecht) auf 73 Prozent aufgestockt wurden. Man ist von der wichtigen 75%-Marke also nicht mehr weit entfernt. Auch Seat scheint mit neuen Modellen und markanterem Design endlich Fuß zu fassen.

Um 5 Prozent kann der Absatz 2013 gesteigert werden. Man ist ganz dicht dran an Toyota und GM, aber auch die wehren sich nach Kräften. Nein, nicht Europa oder gar Nordamerika hat den Zuwachs gebracht, sondern China, wo man erstmals GM überholt hat und Nummer 1 ist. Die gut 16 Prozent mehr müssen das ausgleichen, was man woanders durch gegenläufige Konjunktur eingebüßt hat. Folgerichtig investiert VW in China mit 16 Mrd mit Abstand am meisten.

Nein, in USA scheint nicht nur die Konjunktur Schuld am Debakel von 4 Prozent Markanteil zu sein (weltweit 13 Prozent). Man hält zwar mit dem Passat ein sowohl preisgünstiges als auch für die USA einigermaßen geräumiges Fahrzeug vor, hat dem aber nicht die jährliche Modellpflege angedeihen lassen, die man in USA gewohnt ist. Schon viel Geld ist investiert und auch ein neues Werk gebaut, aber man hat auf Attacken der Wettbewerber nicht genügend reagiert.

Der dafür Zuständige muss gehen. Mit der geballten Ladung von 7 Mrd. Euro will man gegen die schlechten Zahlen angehen. Ein großer Geländewagen ist in der Pipeline. Und ab sofort wird der Golf in Puebla (Mexico) gebaut. Ob man dort darauf gewartet hat? Noch so eine vage Hoffnung verbindet die Autowelt mit dem E-Antrieb. VW kommt wieder einmal recht spät, aber gewaltig. Kann der erheblich billigere up! dem BMW i3 Käufer abjagen? Oder zahlt sich sehr viel Werbung am Ende doch aus? 02/19

VW-Töchter 2013
VW-Nutzfahrzeuge, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Porsche, MAN, Scania, Ducati







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