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Abgas-Skandal - zum Vierten



Aachen als Autostadt ist zu Beginn der 70er Jahre nicht unbedingt in aller Munde, obwohl die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule die erste war, die sich mit der Automobiltechnik beschäftigte. Das Institut ist für die Zeit meines Studiums dort gerade ohne Professor, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss.

Trotz der sehr rudimentären Ausstattung verspürt man viel Aktivität. Es wird u.a. sogar an einem neuen (Axialkolben-) Motor gearbeitet, eine Perspektive, die allerdings weit über die Dauer eines Studiums hinausgeht. Ich habe trotz der deutlichen Mängel in der Ausstattung viel gelernt, manches erst viel später einzuordnen gewusst, typisch Studium.

Die Situation in Aachen hat sich im Laufe der Zeit deutlich verändert. Mit Franz Pischinger kommen 1970 ein neuer Professor für Thermodynamik, Jürgen Helling 1971 für das Institut, das da noch 'Institut für Kraftfahrwesen Aachen' heißt, und ab 1993 Henning Wallentowitz. Der 'Masterkurs Automotive Systems Engineering' und das 'Aachener Kolloquium Fahrzeug- und Motorentechnik' schaffen internationales Renommee.

Damit verbunden ist die Auslagerung des bis dato inmitten des universitären Stadtbereichs gelegenen Instituts in die Außenbezirke. Auf dem Foto oben sehen Sie das Gebäude des nun 'ika' genannten Instituts, zu dem auch noch eine Teststrecke gehört. Gleichzeitig entsteht aber auch die intensive Vernetzung mit der Kfz-Industrie. Wenn Sie sich auf dem Bild oben nach rechts orientieren, sehen Sie einen Teil des Gebäudes der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen mbH Aachen (fka), gleiches Grundstück, gleiche Adresse.

Die Gesellschaft wird noch unter Helling gegründet. Sie gehört heute mit dem drittgrößten Zulieferer der Welt, ZF-Friedrichhafen. Gleichzeitig gibt es in Aachen noch die Forschungsgesellschaft für E nergietechnik und Verbrennungsmotoren. Deren Chef ist Stefan Pischinger, Sohn und Nachfolger des ehemaligen Thermodynamik-Professors.

Die FEV ist weltweit mit 4.000 Mitarbeitern tätig und hat auch eine Niederlassung in Wolfsburg. Sie führt im Auftrag nicht nur der Kfz-Industrie Tests und Zertifizierungen durch, ersteres auch bei gezielten Aufträgen an Fahrzeugen konkurrierender Hersteller. Sie verfügt z.B. in Aachen über mehr als 20 Prüfstände, auf denen nicht nur Motoren auf Leistung, Abgas, Dauerhaltbarkeit und Verbrauch geprüft werden können. Man kann schon sagen, dass die FEV einen ziemlichen Teil der von Herstellern notwendigen Entwicklungsarbeit abdeckt.

Das Handelsblatt nimmt dieser Tage die FEV wegen ihrer Nähe zu Wolfsburg und ihrem KnowHow gerade auch des EA189 unter Beschuss und spricht von einer 'Aachen-Connection'. Professor Pischinger entgegnet, dass nicht das Abgasverhalten des EA189 untersucht worden sei, sondern seine Einbettung in den modularen Querbaukasten. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, VW sei die Verwendung möglichst vieler Gleichteile im Rahmen dieses Konzepts gut gelungen, ein Umstand, der jetzt gerade die Zahl notwendiger Rückrufe drastisch erhöht.

Natürlich gibt es in diesem Skandal auch mehr oder weniger Beteiligte, die in Aachen studiert haben, darunter Chefentwickler Ulrich Hackenberg und Bosch-Entwicklungsdirektor Michael Krüger. Der neben Hackenberg beurlaubte Chef der VW-Entwicklung Heinz-Jakob Neußer hat sogar bei Pischinger senior studiert und promoviert und war ihm wohl sehr verbunden. Ob man daraus direkt den Verdacht einer Connection nach Art der Mafia machen kann?

Ist es denn sinnvoll, einzelnen Verbindungslinien nachzuforschen? Da erscheint doch der derzeitige Ansatz von Prüforganisationen sinnvoller, auch die Diesel-Produkte anderer Hersteller unter die Lupe zu nehmen. Wir werden da wohl noch von hören. Vielleicht hat ja auch BMW Glück gehabt, dass ausgerechnet der X5 bei dem entscheidenden Dreiertest in USA zugegen war, aufgrund seines hohen Preises natürlich mit dem bestmöglichen Abgassystem (SCR-Kat + NOX-Speicher) ausgestattet. Man darf gespannt sein, welche Kreise der Skandal noch zieht. 10/15







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