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1953 Mercedes 180-Bedienung



Da schlägt man die Bedienungsanleitung von einem wirklichen Oldtimer auf und schon fallen einem zwei rote Aufkleber ins Auge. Der eine weist darauf hin, dass nach einer Standzeit von mehr als drei Wochen der Motor durch Abnehmen der Verteilerkappe am Selbstlauf gehindert und bei getretenem Kupplungspedal solange gestartet werden sollte, bis die Öldruckanzeige etwas anzeigt.

Vielleicht sollte man noch ergänzen, dass dies unbedingt auf mehrere Versuche mit genügend langen Pausen verteilt werden sollte, denn Batterie und Starter werden sonst zu heiß. Leid tun mir übrigens die Motoren, die nach einem langen Aufenthalt auf dem Schrottplatz unbedingt zum Laufen gebracht werden müssen. Da wäre bei wertvollen Motoren ein Blick in die Zylinder ganz sinnvoll oder sogar vorher eine komplette Demontage.

Der zweite rote Zettel weist darauf hin, dass dieser Wagen eine Kühlung mit Thermostat hat. Dieser zusätzliche Hinweis scheint dem Hersteller wichtig gewesen zu sein, weil zu viele Leute den 180er mit irgendwelchen Lätzchen am Kühlergrill versehen haben. Der Text benutzt sogar das Verb 'verunziert'. Man solle sich lieber um genügend Frostschutz im Kühlsystem kümmern. Für eine schnelle Aufheizung sorge das System schon von alleine.

Wie wohltuend sind doch diese alten Schriften! Über Sicherheit und Wirtschaftlichkeit insgesamt eine Seite Text. Ersteres könnte man fast noch knapper fassen, indem man einfach das Verhalten von sich selbst verlangen sollte, das man von anderen erwartet. Die Wirtschaftlichkeit gipfelt in einem Diagramm, bei dem der Verbrauch bis 80 km/h unter 8 l/100km bleibt. Dann geht es relativ steil hoch bis 15 l/100km bei 125 km/h. Und dann wird man noch einmal an die Wagenpflege erinnert. So sind beim 180er noch regelmäßig Schmiernippel zu bedienen.

Das Armaturenbrett ist nicht weiter erwähnenswert. Vielleicht der schon damals abblendbare Innenspiegel, die schon oben erwähnte, mercedestypische Öldruckanzeige und die weiße Kontrollleuchte für den Choke. Da der Wagen auch mit durchgehender Sitzbank geliefert wird, sind Lenkradschaltung und die Stockhandbremse unter dem Armaturenbrett. Um den Blinker zu setzen, muss man den 'Kontaktring' am Lenkrad drehen, nahezu undenkbar bei heutigen Verkehrsverhältnissen.

Auf einen riesigen Vorteil der neuen Pontonkarosserie sei zusätzlich zu mehr Raum und Licht noch hingewiesen, die Türen gehen nach hinten auf. Die alten wurden bekanntlich als 'Selbstmörder-Türen' bezeichnet. Die Griffe sind jetzt fest und haben einen Druckknopf, so viele Jahre bis man merkt, dass durch diesen eine Tür ungewollt auch bei einem Unfall geöffnet werden kann. Der 'Kofferraum' ist übrigens bei abgezogenem Schlüssel grundsätzlich verriegelt.

Der 180er hat zwar keine Wasserkästen mit Schlitzen von oben, dafür aber genug Platz, links und rechts am Motor vorbei größere Luftkanäle in den Innenraum zu führen. Das ist zu der Zeit keineswegs Standard, genau wie eine serienmäßige Heizung. Für deren Umlauf sorgt die Kühlmittelpumpe, die mit abgeschmiert werden muss. Lehrlinge von damals lernen also beizeiten, dass Kühlmittel nicht schmiert, auch mit noch so tollen Zusätzen.

Da wir schon einmal beim Lernen sind: Die (ganze) Seite über Motoröl würde heute schon fast zum Bestehen der Gesellenprüfung reichen. Übrigens, wissen Sie, was 'kolloidales Graphit' ist. Wir auch nicht, aber immerhin haben wir die Möglichkeit, im Internet nachzuschauen. Am Ende dieser Seite erfahren wir noch, dass Einfahröl für die ersten 500 km unlegiert und dünnflüssig zu sein hat.

In 60 Jahre alten Bedienungsanleitungen steht schon, dass man Motoren nicht warmlaufen lassen soll.

Zum Einfahren werden die ersten 500 km maximal 80 km/h und bis 1500 km dann höchstens 90 km/h empfohlen. Danach darf man langsam steigern und nach 2000 km zum zweiten Mal zum Wartungsdienst. Danach wird alle 4000 km das Motoröl gewechselt und das Drahtgeflecht des Ölfilters gesäubert. Hinzu kommen noch etliche Schmierstellen, u.a. eine Heizklappenwelle, die mit Öl oder Caramba 'angespritzt' werden soll. Es gibt grundsätzlich keinen Filtertausch, weder bei der Luft noch beim Kraftstoff.

Auffallend an beinahe allen älteren Bedienungsanleitungen ist die trotz der Kürze insgesamt auffallende Breite, mit der man versucht, Pannenhilfe zu leisten. Das fängt beim nötigen Austausch einer Glühlampe an, geht weiter über schlechte Versorgung mit Kraftstoff und macht auch vor Tipps zu Arbeiten an der Bremsanlage nicht Halt. Zu sehr fürchtet man offenbar, dass einem Mercedes am Straßenrand Pannenhilfe geleistet werden muss.

Natürlich darf der Radwechsel nicht fehlen, einschließlich Tipp zum diagonalen Tausch der Räder einschließlich Ersatzrad alle 4000 km. Man war eben sparsam und hat die Reifen allesamt gleichmäßig verschlissen. Sogar der Austausch eines Schlauchs wird erklärt. Was die Felge dazu sagt, ist wohl nicht so wichtig. Insgesamt ist das Kapitel über Reifen und Räder 4 Seiten lang, einschließlich der alten atü-Einheit für den Druck. 08/13







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