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1965 Fiat 124





Kaum ein anderes Fahrzeug zeigt die Fähigkeiten (und Schwächen) von Fiat besser als der 124. Er verkauft sich in Deutschland aus dem Stand heraus fast so gut wie ein einheimisches Fahrzeug. Dabei ist an ihm eigentlich nichts herausragend Neues. Er ist konventionell mit längs liegendem 1200 cm³-Motor, Viergang-Getriebe und einem Antrieb auf die hintere Starrachse. Er stammt vom weiter gebauten Fiat 1100 ab, ist in der Form allerdings gefälliger mit höherem Anteil an Glasflächen. Er ersetzt zusammen mit dem späteren 124 S den 1300er und 1500er. Die Raumgestaltung ist mit abgetrenntem hinteren Kofferraum konventionell geblieben. Der Windkanal hat hier das Design noch nicht wirklich beeinflusst. Der Luftwiderstand dürfte bei Vorwärts- und Rückwärtsfahrt fast gleich sein. Es ist die Kunst des italienischen Designs, diesem Alltagsauto zu internationalen Auszeichnungen zu verhelfen.

Um ihn beurteilen zu können, muss man ihn gefahren haben. Da ist zunächst die niedrige Gürtellinie mit der relativ hohen Sitzposition. Das schafft z.B. im Stadtverkehr einen sehr guten Überblick. Leider ist die Verstellung der Sitze für große Leute nicht ausreichend. Am liebsten würde man die Pedale weiter nach vorne verlegen. Hinzu kommt der zwar nicht leise, aber trotz seiner nur 1200 cm³ elastische und temperamentvolle Motor. Dies wird durch die relativ kurze Übersetzung erkauft, die sich aber nicht besonders nachteilig auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt. Zugegeben, das Fahrverhalten kann die hintere Starrachse nicht ganz kaschieren, aber auch durch eine relativ straffe Dämpfung ist der Fiat 124 der Konkurrenz nicht wirklich unterlegen, obwohl diese z.T. schon über Frontantrieb verfügt. Trotzdem bleibt noch genügend Fahrkomfort übrig. Die Lenkung ist zwar direkt, aber etwas schwergängig, der Mittelschalthebel etwas knochig. Als besonderer Schwachpunkt sei die Handbremse erwähnt, die angeblich auf die hinteren Scheibenbremsen wirkt.

Wenn man allerdings davon ausgeht, dass er noch 4 Zentimeter kürzer ist als der VW-Käfer, dann ist seine Raumausnutzung doch deutlich besser. Gewiss müssen die vorne Sitzenden auf die Fondpassagiere ein wenig Rücksicht nehmen, aber z.B. ist der Gepäckraum trotz Reserverad links und Tank rechts sehr gut nutzbar. Leider sind die Sitze, da aus Kunstleder, nicht sehr atmungsaktiv. Auch die Lehnen müssten höher hinaufragen. Vermutlich wollte man das Bild der niedrigen Gürtellinie nicht stören. Oder man hat gedacht, zusammen mit den für Deutschland serienmäßigen Liegesitzbeschlägen die Möglichkeit einer ebenen Fläche beizubehalten.

Das zeichnet die Fiats dieser Zeit aus. Sie sind technisch zwar nicht besonders innovativ, aber das Vorhandene ist gekonnt ausgeführt und verhilft zu Fahrspaß. Besonders wichtig ist dabei, dass sie zu einem relativ günstigen Preis angeboten werden. Dies deutet auf rationelle Fertigung hin. Der Fiat 124 wird außer in Italien auch in zahlreichen anderen Ländern gefertigt. Nach Auslauf des Modells werden die Produktionsanlagen in die UdSSR verkauft, wo noch Jahrzehnte Ladas entstehen. Sie haben zwar nicht den gleichen Motor, aber ähnliche Fahrwerkseigenschaften. Offensichtlich haben sie aber auch die lässige Rostvorsorge geerbt.

Fiat wird damals in Deutschland nicht wie ein Importeur empfunden. Man ist von diesem Hersteller solide gebaute und bisweilen etwas pfiffige Kleinwagen gewohnt. Mit dem 124 erreicht die Firma erstmals nach dem 1100 Verkaufserfolge eine halbe Klasse höher. Das wird sich fortsetzen, zumals mit der Kennzahl '124' noch eine Reihe von sportlicheren Wagen kommen werden. Man vermag dann mit dem 128er noch einen draufzusetzen, aber spätestens beim 132er sinkt der Stern Fiats am deutschen Himmel, mit sinkender Qualität und der Uniformität der Produkte. Danach hieß es für lange Zeit hierzulande: 'Fiat kann am besten Kleinwagen'. 04/15








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