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2020 Aiways U5



Man tappt als gewöhnlicher Zeitungs- und Internetleser lange Zeit im Dunkeln, aber irgendwann wachsen die Statements scheinbar ohne Zusammenhang dann doch zu einer verstehbaren Einheit zusammen. Gemeint ist hier die 'Seidenstraße' von Peking z.B. nach Duisburg, deren Bau von den Chinesen mit solchem Nachdruck betrieben wurde, Subventionen an Zwischenländer gegeben wurden, um nur ja rasch vorwärts zu kommen.

Man hat sich gefragt, was unser östlicher Fast-Nachbar eigentlich wollte, wo man doch inzwischen sogar der Schiffspiraterie Herr geworden zu sein scheint. Das Hauptargument für diesen Streckenbau scheinen die Lieferzeiten zu sein, die in erster Näherung auf mindestens die Hälfte zusammenschrumpfen. Die sind bei Fahrzeugen sehr wichtig, solange sie ausschließlich in China produziert werden.


Denn Autos werden von den Kunden sorgsam ausgesucht, können schon vom Prinzip her nicht entsprechend vorproduziert werden. Nein, Aufpreislisten werden auch die chinesischen Hersteller haben, weil damit das meiste Geld verdient wird. Die Kunden dann warten zu lassen, kann sträflich sein. Wir vermuten heute noch, dass die ziemlich plötzliche Behebung des Lieferengpasses beim Tesla Model 3 nicht nur auf der höheren Produktionskapazität, sondern auch der Rücknahme von Bestellungen beruhte.

Jetzt ist es also da, das erste chinesische E-Auto auf dem europäischen Markt. Nein, nicht als Prototyp, sondern käuflich ab Sommer 2020. Wie hat man es ausgelegt? Groß kann man sagen, für eine möglichst breite Gruppe von Interessenten. Wenn der Skoda Superb bisher als Fahrzeug mit wirklich genug Raum galt, der Aiways U5 übertrifft ihn da noch. Allerdings hat das auch seinen Preis, nicht wegen der Länge von ca. 4,7 m, erst recht nicht wegen dem Radstand von 2,8 m, aber wohl bei einer Höhe von 1,7 m.


Natürlich kostet das Reichweite, da kann der cW-Wert noch so gut sein. Immerhin hat er 63 kWh Batteriekapazität an Bord. Wieder so ein reichlich unrealistischer Wert von über 400 km Reichweite. Dabei gibt der Hersteller selbst im Mittel 17 kW/100km an, was auch bei der optimistischen Annahme, die 63 kWh seien Nettowerte, 'nur' 370 km ergäbe. Sie können davon ausgehen, dass sogar dieser Wert in der Regel nicht erreicht wird.

Aber so machen es alle. Und warum sollte ausgerechnet der Neuling davon abweichen und dann mit seinen ehrlicheren Werten in der alles verschlingenden Presse immer wieder gegen die Etablierten schlecht abschneiden? Und trotzdem hat man noch Pfeile im Köcher. Da ist z.B. der Batteriezulieferer CATL, der in letzter Zeit immer wieder Schlagzeilen macht, sei es, dass er ein Werk in Deutschland baut, oder auch den einen oder anderen E-Hersteller auf seine Seite zieht.


Und dann noch eine Sache, die uns besonders am Herzen liegt, weil wir einen Vorschlag in ähnlicher Form schon 2013 lanciert haben, nämlich den Gedanken der Leihbatterie. Bei Aiways U5 beginnt das mit der Entscheidung für den Frontantrieb. Also nicht, wie auch bei VW, mit einem Hohlraum vorn durch die Gegend fahren, nur weil man keinen Allradantrieb bestellt hat. Es entsteht also unter der ebenen Ladefläche hinten ein Hohlraum, übrigens vorne sogar auch noch ein kleiner Raum.

Aber auch hier, jedenfalls wird uns das bei der Präsentation versprochen, kein höchstens für Kabel nutzbares Fach, sondern der mögliche Aufenthaltsort für eine zusätzliche 20 kWh-Mietbatterie, die man dann an jeder Tankstelle erhalten oder auch abgeben kann. Das ist die eigentliche Antwort auf die Frage, wie viel Batteriekapazität braucht man und wie viel kann man sich beim Neuwagenkauf leisten.


Alles richtig gemacht? Ist bei der Konstruktion eines ersten Fahrzeugs auf einer vollkommen neuen Plattform in nur drei (!) Jahren unmöglich. Bei Aiways ist der NCAP-Test mit nur drei Sternen in die Hose gegangen. Man schutzbehauptet, es habe an der in Großbritannien schwierigen Verkehrszeichenerkennung gelegen. Aber dafür werden niemals komplette zwei Sterne abgezogen. Auch ist der mittlere Touchscreen nicht der flinkste, immerhin als eine Art Triptychon hinter dem Lenkrad und 12,3 Zoll groß in der Mitte.

Wir wollen den Teslas ja nicht zu nahe treten, aber eine Ladeklappe vorn ist einfach praktischer, weil man auch bei einer Garage nicht nur wegen der Abgase vorwärts hinein- und rückwärts herausfährt. Mit der angeblichen Ladeleistung von 100 kW und deren Durchhaltevermögen wird sich bestimmt noch mancher youtuber beschäftigen. Und ob die drei Rekuperationsstufen ausreichen und auch genügend gespreizt sind.


Wir wenden uns lieber einem Versprechen der Hersteller von E-Autos zu, den geringeren Wartungskosten. Erstmals scheint man damit ernst zu machen, denn Aiways verspricht Intervalle von 100.000 km, obwohl man mit ATU einen Partner hat, der die Autos mit Sicherheit gern öfters in seinen Werkstätten haben möchte. Man wird sehen, wie das sich z.B. mit dem Service für die Klimaanlage verträgt.

Und dann ist da noch ein neues Vertriebskonzept. Euronics passt hier und übrigens in Frankreich als 'Einkaufsgemeinschaft für Elektrogeräte' ganz gut zu einem solchen Auto. Sicherlich wird die Erreichbarkeit weit besser als bei Tesla sein. Aber man wird sehen, wie gut sich die Trennung von Verkauf und Werkstatt bewährt. Aber eins ist sicher: Wenn nur 90 Prozent der Träume von Aiways in Erfüllung gehen, muss über das hohe Preisniveau der deutschen Automobilindustrie neu nachgedacht werden.








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