Suche

A     B     C     D     E     F     G     H     I     J     K     L     M     N     O     P     Q     R     S     T     U     V     W     X     Y     Z




Formeln
Alle Tests
Kfz-Jobs
Motorölfinder



  kfz-tech.de - Island 1995



kfz-tech.de/YK11

Nein, die Seefahrt gehört wahrlich nicht zu meinen Hobbies. Meine Frau würde es schaffen, sich auch bei hohem Wellengang noch unter die Buffetbesucher zu mischen, mir würde schon beim Anblick schlecht. Also mit dem Flugzeug.

Wie wir überhaupt auf die Idee gekommen sind? Ganz einfach: Wir waren die Urlaube, bei denen man mit dem Auto immer nur schöne Landschaften einsammelt und ab und zu eine Sehenswürdigkeit etwas leid. Da fiel uns Rotel in die Hände. Sie wissen schon, das ist diese Busgesellschaft, wo man bei Nacht gerade mal 60 x 60 cm Platz um sich hat, wenn man Glück hat, für Ehepaare eine Zusammenlegung.

Nein, bei unserer allerersten Reise mit Rotel wollten wir uns das nicht antun. Und so entdeckten wir, dass die in gewissen Ländern auch Zelturlaube anboten. Gesehen, gebucht, besser im Zelt mit genügend Platz als in so einer engen Kabine. Wir sollten es noch bereuen. Um noch einen draufzusetzen, buchten wir statt einmal um die Insel nur halb rum und mitten durch zurück.

Bei der Ankunft in Reykjavik wurden wir in einen schon etwas älteren Bus verfrachtet, wie sich später herausstellte sogar ohne Allradantrieb. Da gibt es ja diese bekannt immer gut vorbereiteten, bis an die Zähne mit ausgesuchtem Material bewaffneten Spezialisten, die nicht nur sich selbst, sondern auch noch entsprechende Fahrzeuge von Norwegen übersetzen lassen und sei es nur für zwei Wochen.

Nein, wir wollten unsere zwei Wochen diesmal ohne Kfz-Technik verbringen. Dass dies am Ende nicht durchzuhalten war, dazu später mehr. Ein bestimmter Teil der oben geschilderten Spezies zeigte sich übrigens trotzdem nicht gut vorbereitet. Warum? Weil er nur auf Allradtechnik, aber nicht auf genügend Wattiefe setzte. Dann bleibt das Auto mitten im Wasser stehen und der örtliche Dienst befestigt das Abschleppseil, wo er gerade drankommt. Dadurch holt man erst den Stoßfänger, dann Teile der vorderen Front und schließlich das Restauto aus dem Wasser.

Sie bemerken die Häme, wenn man schön gefahren wird und sich über Liegenbleiben keine Gedanken machen muss. Aber das Wohlgefühl währte nicht lange. Denn irgendwann war man nur noch in der Wildnis und schlief im Zelt. Dabei hatten wir geflissentlich übersehen, dass es in Island auch im Juli noch empfindlich kalt sein kann. Eigentlich kann ich noch ganz gut mit Kälte, aber wenn das Frühstück im Stehen in einem kaum windschützenden Steilwandzelt vorstatten geht, dann ist auch meine Laune im Keller.

Unsere Reiseleiterin, die übrigens letztendlich unsere Ansprüche an mehr Information über das bereiste Land ganz gut erfüllt hat, sprach uns Trost zu. Trotz der bis in den Minusbereich gehenden Temperaturen seien wir sogar in die isländische Zeitung gekommen, als die Truppe, die mit den auch für die Einheimischen ungewöhnlichen Temperaturen noch am besten zurechtgekommen sei.

Woran das lag? Das ist uns erst später bei anderen Rotel-Reisen klargeworden. Je weiter die Tour und je unkomfortabler, desto besser das Publikum. Ich hoffe ich trete ihm nicht zu nahe, wenn ich einen älteren Herrn mit Namen Reuter erwähne. Ob der nun der Onkel von Edzard Reuter war, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Daimler-Benz oder ob der berühmte ehemalige Bürgermeister von Berlin sein Onkel war, ich weiß es nicht mehr.

Aber wenn Sie sich nach einer anstrengenden Wandertour schon auf das Abendessen freuen und es heißt dann, dass wir noch einen kleinen Ausflug über eine etwas größeres Lavafeld machen, dann können Sie schon ins Grübeln kommen, wenn Sie gerade so mit einem fast Achtzigjährigen Schritt halten können. Immerhin entschädigte uns das Essen. Die Köchin hatte angeblich auch schon die Regierung und deren Staatsgäste versorgt. Sogar die Hilfskräfte sprachen ein ausgezeichnetes Englisch.

Um noch einen draufzusetzen, rückten manche dann noch im Abendlicht mit der Kamera aus, um Papageientaucher zu beobachten. Einmal habe ich mich mitreißen lassen. Da hocken die dann gefährlich nahe an der sandigen Steilküste und warten auf ihre Gelegenheiten. Wie können so intelligente Menschen so unvernünftig sein? Irgendwann fanden wir diese, wohl kaum als 'Jahresurlaub' zu bezeichnende Veranstaltung so irreal, dass ein Teil von uns beschloss, wir machen Notizen.

Ich fand die Idee so gut, dass ich mich bereit erklärte, die ganzen Berichte zu sammeln. Schon bald fand ich heraus, dass sie so mit ihren vielfältigen Verfassern/innen nicht zu gebrauchen waren. Einer war dabei, der offensichtlich in dieser unwirtlichen Gegend seinen Drang zum Schreiben entdeckte. Seine Ehefrau habe ich noch heute im Ohr: 'Aber Manfred, das kannst Du doch gar nicht.' Sie weiß zwar nichts davon, aber sie weckte meinen Ehrgeiz, die Geschichten von Manfred erst recht, wenn auch in kumulierter Form, in das entstehende Pamphlet aufzunehmen.

Jetzt haben Sie noch gar nichts über die wundervolle Landschaft erfahren, die damals noch einigermaßen prächtigen Gletscher, die Geysire und Wasserfälle, darunter den immer wieder in Filmberichten über Island erscheinenden Gullfoss. Nein, da müssen Sie sich einen Reiseführer kaufen oder selbst hinreisen. Wir jedenfalls haben die herbe Landschaft durch die Kälte doppelt aufgespürt. Und wenn Sie bis jetzt die Kfz-Technik vermisst haben sollten, hier ist sie.

Ich hätte nie gedacht, dass sie in einem ziemlich voll besetzten Bus auf einer Art Single-Track-Road sich so schnell nähern könnte. Irgendwann treffen wir auf einem Mercedes der MB-Klasse, eigentlich noch viel zu neu, um so einfach liegen zu bleiben. Wir waren so weit außerhalb, dass es unverantwortlich gewesen wäre, ihn einfach unverrichteter Dinge stehen zu lassen. Außerdem war kaum Platz zum Überholen und erst recht tut man so etwas in Island nicht.

Ich meldete mich freiwillig und hatte somit das Kommando, aber auch einen Teil der Verantwortung. Der Bus sprang nach längerem Starten kurz an, um dann aber bald wieder abzusterben. Ich tippte auf unsauberen Sprit, unser Busfahrer, in seiner isländischen Ehre gekränkt, auf die Technik des Mercedes. Erstaunlicherweise hat er dann einen Teil seines Rest-Sprits in den Tank des Unfallwagens gekippt und ich die Einspritzpumpe untersucht.

Immerhin gelang es mir, mit dem beschränkten Werkzeug bis zur Förderpumpe der Einspritzpumpe vorzudringen. Aber die grinste mich nur in einer Art Neuzustand an und fragte, was ich eigentlich von ihr wolle. Überhaupt, der Fahrer berichtete, das Auto sei noch sehr neu und von einer Spezialfirma entsprechend eingerichtet worden. Jetzt kann ich Ihnen nicht sagen, wie viele Versuche des Testens und Startens wir unternommen haben. Letztendlich kam mir die rettende Idee, den Fahrer nach seinem Reservekanister zu fragen. Dann klemmte ich den Tank ab und führte die Ansaugleitung in den Tank.

Sie werden es schon erwartet haben, ich erzähle diese Story natürlich nur, weil ich aus ihr als (Teil-) Sieger hervorging. Die Kiste sprang an und ging diesmal nicht wieder aus. Den Beifall in der Einsamkeit von Island werde ich wohl nie vergessen. Übrigens hat die Geschichte noch einen zweiten Teil. Zufällig treffe ich den Bus Tage später in Reykjavik wieder. Der Fahrer erzählt mir, man habe den Tankinhalt in der Werkstatt untersucht und Wassereinschlüsse gefunden.

Wie kommt das Wasser in den Tank? Ganz einfach durch äußerst geschickte Zusammenarbeit zwischen Daimler-Benz und der Spezialfirma für die Inneneinrichtung. Erstere haben, obwohl das Fahrzeug ein Allrad für die Wildnis war, die Tankbelüftung unter dem Wagen nach vorn gerichtet enden lassen. Warum, das weiß kein Mensch. Und durch die schweren Einbauten kam das Fahrzeug so tief, dass es bei jeder Wasserdurchfuhr einen weiteren Schluck zu sich nahm.

Ich muss auf dieser Tour eine Glückssträhne gehabt haben, denn das war nicht mein einziger Glanzpunkt. Denn kurz vor Ende der Reise stand das Vorlesen des Pamphlets an. Ich hatte daran während der Fahrt unheimlich viel gearbeitet und der Erfolg beim Vorlesen war entsprechend. Sogar der Busfahrer, der doch eigentlich kein Deutsch verstand, soll hinter der provisorischen Bühne gelacht haben. Am Ende standen die Mitreisenden Schlange um gegen einen gewissen Obolus das Pamphlet sauber getippt nach Hause geschickt zu bekommen.

Irgendwann, viel später, habe ich anlässlich einer weiteren Rotel-Tour erfahren, dass dieser Schrieb immer noch bei Island-Reisen vorgelesen und verteilt wird.







Sidemap - Technik Impressum E-Mail Datenschutz Sidemap - Hersteller