Suche

A     B     C     D     E     F     G     H     I     J     K     L     M     N     O     P     Q     R     S     T     U     V     W     X     Y     Z




Formeln
Alle Tests
Kfz-Jobs
Motorölfinder



Auto 5



Die E-Mail von der Rechtsanwaltskanzlei ist da. Sie enthält ein Vergleichsangebot von VW. Die Höhe kann ich nicht nennen. Da ist eine Verpflichtung zum Stillschweigen drin enthalten. Meine Frau meint, ich solle das Angebot annehmen, mein Sohn meint, eher nicht. Der schränkt allerdings ein, nur wenn ich mir sicher wäre, dass da keine Komplikationen und Unbilden bei der Klageerhebung folgen können.

Wie soll man das wissen, wo man doch auf hoher See und vor Gericht in Gottes Hand ist? Ich sondiere wie üblich erst einmal die Lage. Mein Auto ist nämlich auf die Firma angemeldet. Ist die Vergleichszahlung eine Erstattung des Kaufpreises, müsste ich davon auch noch Mehrwertsteuer an das Finanzamt rückerstatten. Und vermutlich den Rest als Gewinn versteuern. Da bleibt wirklich kaum etwas übrig.

Also, obwohl ich schnell antworten soll, Rückfrage an die Kanzlei, ob ich MWSt. abführen muss. Sehr schnelle Antwort, 'in der Regel' nicht. Na prima, mit der Antwort kann ich gewiss etwas anfangen. Ich schreibe zurück, ob man sich denn bei VW vergewissert habe? Hat man natürlich nicht, aber ich kann ja schlecht schreiben, dass man dies gefälligst tun soll, oder?

Bei Recherche im Internet fällt mir auf, dass Firmen von den Vergleichsangeboten bei der Abwicklung der Klage der Verbraucherzentrale ausdrücklich ausgeschlossen waren. Dann der nächste Verdacht, ob man die Tatsache, dass es sich um einen Firmenwagen handelt, nicht beim Abschluss einer Rechtschutzversicherung angeben muss. Am Ende muss ich die Prozess- und Anwaltskosten doch noch selbst bezahlen.

Dabei hatte ich mir das so schön gedacht. Das Vergleichsangebot ablehnen und ganz entspannt vor Gericht auftreten, falls überhaupt gewünscht. Und wenn der/die Richter/in mich fragt, ob ich denn überhaupt einen Schaden erlitten hätte, zu antworten, ob Sie denn genügend Zeit hätte. Wenn ja, dann würde ich ihm/ihr erzählen, dass mein Auto ja nicht einfach nur ein simpler Golf TDI wäre, sondern den Zusatz 'Blue Motion' trage.

Der Kauf sei das Ergebnis von Überlegungen gewesen, möglichst das umweltschonendste Auto zu kaufen, damals 2011, als es auch von Tesla nur diesen seltsamen Roadster gab. Die Gegenüberlegung war übrigens der Toyota Prius, der übrigens gerade eingestellt wird. Eigentlich hat mir allerdings das BlueMotion-Paket nicht so ganz gepasst, weil es nicht nur Plastikteile, sondern auch durch das Tieferlegen eine härtere Federung beinhaltet habe. Ich hoffte, sie würde über die Jahre weicher werden, was sich nur teilweise erfüllte.

Trotzdem war ich stolz und als echter Diesel hat sich der Motor meiner Fahrweise angepasst. Der Verbrauch ist nach meinem Empfinden gesunken. Nie wieder wird es mir wohl vergönnt sein, mit großem Vergnügen die Strecke von Frankfurt Messe (ziemlich Stadtmitte) bis zu meinem Wohnort (ca. 250 km) in 2 ¼ Stunden mit teilweise 160 km/h Tacho abends gegen 19 Uhr bei ruhiger Autobahn zurückzulegen und dabei nur ganz knapp über 5 L/100km zu verbrauchen.

Und wenn der/die Richter/in fragt, ob ich noch immer so zufrieden sei, muss ich leider mit einem entschiedenen Nein antworten. Es seien eben irgendwann die Manipulationen ans Licht gekommen und die hätten mir gehörig die Suppe versalzen. Irgendwann habe ich sogar auf einem Prüfstand bei einem befreundeten Kollegen mein Auto stationär gemessen. Das ist zwar nicht mit den Ergebnissen mitgeführter Testgeräte zu vergleichen, aber einen Hinweis gibt es schon.

Vorher war noch der grässlich große Pickup meines Kollegen getestet worden, der bei Volllast so um die 750 ppm NOX ausstieß. Leider hat es mein Auto danach auch auf etwa 500 gebracht. Irgendwie war ich bedient, da nützte auch der Trost des Kollegen nichts.

Und dann kam noch das Software-Update hinzu. Ich habe buchstäblich bis zur letzten Minute gewartet, weil ich das Problem der beteiligten Ingenieure/innen sah, nämlich entweder die NOX-Werte eigentlich nur durch Rücknahme der heißen Verbrennung in den Griff kriegen zu können. Aber das hätte automatisch deutlich höhere Verbräuche und evtl. schneller sich zusetzende Partikelfilter bedeutet.

Die haben damals ganz einfach den SCR-Kat einsparen müssen, weil das Auto sonst nicht konkurrenzfähig gewesen wäre. Und jetzt fehlt der. Wie die das Problem nach meiner Vermutung gelöst haben, dazu später mehr. Irgendwann gegen Jahresende erfahre ich, dass VW mit den Updates fast durch ist und die danach kostenpflichtig sein würden. Und dass der TÜV inzwischen schon Fahrzeugen den Stempel verweigert habe, die das Update nicht hatten.

Ich zu VW und erfahre, dass dem wirklich so sei. OK, dann muss ich mich wohl auf das Update einlassen. Ob ich denn wenigstens Garantie auf diese immerhin als Reparatur anzusehende Maßnahme habe. Natürlich nicht, aber man werde großzügig Kulanz gewähren. Wer aber jemals einen Kulanzantrag gestellt hat, nachdem er/sie die Rechnung in vollem Umfang erst einmal beglichen hat, der weiß, wie schlecht mit der Allgewalt von Herstellern Kirschen zu essen ist.

Da zwingt einem der Staat eine Regelung auf und stellt nicht sicher, dass der Hersteller für diese Aktion in vollem Umfang haftet. Es ist eigentlich noch schlimmer, denn hätte mir das zuständige Landratsamt die Zulassung entzogen, dann hätte ich dagegen klagen können. Wie das gegen eine TÜV-Entscheidung möglich sein sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt schleierhaft. Sie ahnen schon, ich habe mich der bananenrepublikähnlichen Methode gebeugt.

Wie ich weiter verfahren bin? Fast gar nicht. Woher sonst sollte denn der lächerlich geringe Tachostand nach fast zehn Jahren kommen, der VW hoffentlich noch Sorgen bereiten wird? Aber meine Erfahrung mit der Bundesbahn waren auch nicht ohne. Zugegeben, den Preis für die erste Klasse mit Reservierung fand ich als Frühbucher günstig. Das Ambiente ist angenehm, wenn auch WLAN nicht immer funktioniert.

Aber haben Sie schon einmal erlebt, wie lange es dauert, die Passagiere eines auf dem Gegengleis gestrandeten Zuges zu 'retten'? Mehr als eine Stunde, bis wir wieder fahren konnten. Und fragen Sie dann eine offensichtlich gestresste Bahnbeamtin, wann denn jetzt der nächste Zug zur Messe fahre, erhalten Sie als Antwort, die Messe finde erst ab morgen statt. Ich bin sozusagen nicht existent. Pressetage vor Eröffnung scheint die Dame auch nicht zu kennen. Und Journalisten scheinen wenig Bahn zu fahren, bzw. wenig Fragebedarf zu haben.

Aber wissen Sie, dass Ihnen jetzt von 5 Stunden geplantem Messeaufwand nur noch gut drei Stunden übrigbleiben, dezimiert durch frühzeitigen Gang zum Bahnhof, um nur ja den Zug nicht zu verpassen. Ich hatte nämlich keine Lust im Hauptbahnhof von Hannover zu übernachten. Wir sind dann doch noch einmal mit dem Auto nach Genf gefahren. So nach 100 bis 150 km scheint ein Ruck durch den Bordcomputer zu gehen. Dann zeigt der nur noch 5,1 bis 5,2 Liter/100km an, fast egal, wie schnell man fährt.

Ob diese Eräuterungen dem hohen Gericht als Erklärung für den geringen Tachostand genügen? Oder ob diese gar nicht wirklich interessieren, VW verknackt wird, den Kaufpreis für die an 250.000 fehlenden Kilometer rückzuerstatten? Schade, an dem Punkt bin ich aufgewacht. Ich muss jetzt trotz der frühen Stunde aufstehen und den Text in die Maschine hauen, sonst vergesse ich wieder die Hälfte. Wenigstens ein Vorteil aus dem Diesel-Skandal.







Sidemap - Technik Impressum E-Mail Datenschutz Sidemap - Hersteller