Sektorenkopplung 1

Man könnte meinen die Sektorenkopplung ist erst dann nötig, wenn wir mehr als 100 Prozent Erzeugung von erneuerbarem Strom haben, aber das stimmt nicht. Wir könnten auch jetzt schon und tun das
auch, Energie zwischen den einzelnen Sektoren wie Verkehr, Wärmeerzeugung und Industrie hin- und her transportieren.
Dabei wird immer wieder der rasche Netzausbau als Schlüssel zu einer funktionierenden Energiewende genannt. Und dazu müssen endlich einmal die dafür anfallenden Kosten mitgedacht werden, besonders
wenn im Moment sehr viel Geld nötig zu sein scheint.
Warum ist der Netzausbau so wichtig? Wir waren bisher immer der Meinung, man müsse nur die Photovoltaik weiter so subventionieren oder dafür den herrschenden Strompreis bezahlen, dass diese praktisch
von alleine vorankommt.
Doch das scheint zu kurz gedacht zu sein, weil sich nur in den allerseltensten Fällen Erzeugung und Verbrauch die Waage halten. Ist vor Ort Industrie, dann braucht die unglaublich viel mehr Strom, als von den
Dächern der Häuser kommen kann, auch wenn das kontinuierlich so wäre.
Also gilt der Grundsatz, genügend Netzkapazität ist dann nötig, wenn es vor Ort kein ausgeglichenes Verhältnis von Erzeugung und Verbrauch gibt. Zusätzlich kann es auch noch sein, das hier zwar eine
bestimmte Menge Strom erzeugt und diese auch verbraucht wird, aber zu verschiedenen Zeiten.
Dann muss man zeitweise auslagern und irgendwann wieder herholen. Was ist, wenn die Kapazität der Speicher vor Ort nicht vorhanden ist? Wieder ein Fall für das Netz. Und gerade mit Photovoltaik und
Windkraft kann sich ein Missverhältnis ganz oft einstellen.
Bezogen auf nur eine Straße mit Häusern und Photovoltaik auf dem Dach ist das schon kompliziert. Nimmt man den Strom bedingungslos ab, muss man irgendwo hin damit. Andernfalls dürfte in Zukunft die
Digitalisierung helfen, den Strom nicht abnehmen zu müssen.
Digitalisierung bedeutet also eine Art Sicherheitssystem zur Stabilisierung eines Netzes. Aber bitte bedenken Sie, was in unserer Straße alles neu installiert werden muss, damit die Steuerung auch nur einer
so kleinen Einheit möglich wird.
Damit wären wir bei den Kosten und sehr schnell auch bei der Akzeptanz durch den/die Bürger/in. Zahlt alles der Staat, dann sind diese wohl zu allerlei Schandtaten bereit, aber dann leiden unsere
Staatsfinanzen noch mehr als ohnehin schon.
Bei der Industrie ist das noch schlimmer. Die darf auf Dauer gesehen nicht leiden. Ein dauerndes Minus führt sie in den Konkurs. Andererseits konkurriert sie eventuell auf dem Weltmarkt, wo noch nicht oder
zu deutlich geringeren Kosten auf erneuerbare Energie umgestellt wurde.
Und dann noch die so oft geäußerten Vorbehalte gegen das, was von den Netzten aus dem Boden hervorlugt, z.B. große Fernleitungen mit imposantem Ständerwerk. Aber auch viel Platz für Umspannstationen
wurde schon einmal mit Beanstandungen belegt.
Umgekehrt kann man aber der von manchen Bürgern/innen empfundenen Willkür nicht Tür und Tor öffnen. Die liberale Demokratie hat es da schwerer als ein totalitär geführter Staat wie China. Vielleicht sollte
man mehr mit der zweifellos leichteren und günstigeren Zukunft werben.
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