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Energiekonzern-Lobbyistin 5



Machen Sie sich bitte auf ein weiteres Deep Learning gefasst. Es geht einfach nicht ohne. Denn es geht längst nicht mehr nur um die Frage, neue Gaskraftwerke ja oder nein. Es geht auch um den Beschluss, alle Kohlekraftwerke bis 2030 abzuschalten.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen schon jetzt ein Gaskraftwerk, mit 800 MW etwas kleiner wohl als die geplante 1 GW-Leistung für die neu zu bauenden. Wer ordert bei Ihnen Strom? Wie funktioniert das an der Strombörse? Welche Rolle spielen die Netzanbieter, welche Rolle die berühmte Viertelstunde?

Und wenn Ihnen das schon jetzt als etwas zu kompliziert vorkommt, denken Sie daran, dass alle heimischen Stromproduzenten demnächst mit einem zwar auf keinen Fall gleichen, aber doch vereinfachten ähnlichen Verfahren ihren Strom verkaufen sollen.

Gehen wir der Reihe nach und nehmen uns den Terminmarkt vor. Da sind die Zeiträume sehr groß, der Liefertermin weit im Voraus. Das sind dann Vereinbarungen zwischen Ihnen und einem Stadtwerk, im nächsten Winter an einem bestimmten Tag zur Uhrzeit X die Strommenge Y zu liefern.

Jetzt kommt der Day-Ahead-Markt dran. Hier geht es also um Strommenge und Preis für den nächsten Tag. Eigentlich dürfen Sie eine solche Order nur annehmen, wenn sichergestellt ist, dass es sich für Ihr Kraftwerk lohnt, am nächsten Tag angefahren zu werden.

Gaskraftwerke, auch wenn sie nicht in Betrieb sind, haben den großen Vorteil, innerhalb von etwa 30 bis 60 Minuten angefahren zu werden. Kohlekraftwerke 8 bis 12 Stunden, Kernkraftwerke Tage. Läuft es, sind Leistungsänderungen sehr schnell verfügbar.

Und damit kommen wir zu einer sich schnell anbahnenden Dunkelflaute. Natürlich verfügt man auch über Kenntnis der kommenden Wetterverhältnisse und kann nach obigem Vorgehen vorsorgend Strom zu einer bestimmten Uhrzeit bestellen.

Aber jetzt geht es um Überraschungen während eines Tages. Dann ist Holland plötzlich in Not und der Strompreis steigt innerhalb weniger Minuten stark an. Jetzt kommt die berühmte Viertelstunde ins Spiel, von der immer wieder die Rede ist.

Deutschland, vermutlich auch durch den Verbund andere Länder in Europa, fahren das Stromsystem praktisch im 15-Minuten-Takt, früher war das eine Stunde. An der Börse werden jetzt irgendwelche momentanen Defizite an Strom angezeigt (Merit Order).

Die Betreiber von Gaskraftwerken sind am Zuge, sie bieten Menge und Preis an. Der steigt so lange, bis die benötigte Strommenge erreicht ist. Der letzte (höchste) Preis ist dann auch der Börsenpreis. Da steckt eine Erklärung für eventuell zu hohe Strompreise drin.

Man kann sich leicht vorstellen, dass dieser von einem Gaskraftwerk stammt. Hier muss man sagen, dass diese zwar recht schnell, aber auch teuer sind. Man bezichtigt sie sogar, den durch die erneuerbaren Energien geschaffenen Preisvorteil zunichte zu machen.

Gaskraftwerke sind gewissermaßen verhängnisvoll. Jahrelang hat man mit ihnen zu wenig Geld verdient und wenn sie liefen, haben sie den Strompreis negativ beeinflusst. Ob die Bundesregierung mit ihrer Kraftwerksstrategie hier helfen will?

Egal was wir über Gaskraftwerke denken, für uns ist eine sichere und bezahlbare Zukunft wichtig. Jetzt unterstellen wir der Bundesregierung einmal, dass sie das auch will. Gehen wir außerdem davon aus, sie will gar nicht den großen Playern einen großen Einkommensvorteil verschaffen.

Sie könnte bei denen eine gewisse Sicherheit in einer schwierigen Phase des Umbruchs suchen. Es gibt schon Zeichen, dass sie gewisse Kohlekraftwerke erst stilllegen will, wenn dafür eine gesichterte Versorgung durch die neuen Gaskraftwerke vorhanden ist.

Und genau darin liegt die Gefahr. Dabei könnte nämlich der Termin 2030 für die Abschaltung der Kohlekraftwerke zumindest teilweise obsolet werden, denn beinahe jede(r) in Deutschland weiß, was von versprochenen Zeiten für Fertigstellungen hierzulande zu halten ist. Mit Batterien wäre es auch in dieser Sache wesentlich unproblematischer.

Die Politik verpasst zu oft die Einbeziehung neuerer Erkenntnisse.








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