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Liebhaber - EAuto (1)



Lieber Fahrer/innen von E-Autos,

wahrscheinlich liegt es in der Natur der Sache, dass Ihr stolz auf Euren Wechsel hin zur E-Mobilität seid, und man würde Euch auch die eine oder andere Übertreibung nachsehen. Aber eigentlich erzeugt Ihr damit auch ein wenig die Gegenoffensive. Ihr seid eben nicht immer so bescheiden, wie Ihr tut.

Ich würde es vermeiden, mich von dem/der Fahrer/in eines E-Autos darüber beraten zu lassen, wie sich so ein Gefährt in der Praxis anfühlt. Sicher, es gibt keine objektive Information, aber immer hat man das Gefühl, ein wenig manipuliert zu werden. Wer behauptet, er komme mit einem Tesla Model S Performance mit 15 bis 19 kWh auf 100 km hin, mit Ladeverlusten dann 20 kWh, der blendet schlicht die Realität aus.

Denn ein paar Minuten später gibt er zu, mit 120 bis 160 km/h zu fahren. Zugegeben, ein Model 3 kann wirklich sparsam sein, aber diese Geschwindigkeits- passen einfach nicht zu den Verbrauchsangaben, auch wenn zu der Autobahn noch Fahrten über Land und in der Stadt hinzukommen. Und dann der etwas arrogante Nachsatz, dass manche noch weniger verbrauchen.

Von 19 auf 20 Prozent würde bedeuten, es gäbe nur 5 Prozent Ladeverluste. Also wenn man schon rechnet, dann bitte ehrlicher. Und was ist mit den Standverlusten eines Teslas die andere E-Autos nicht haben, jeden Tag ein bisschen weniger? Überhaupt fehlt mir der Winter, der sich in diesem Jahr in Deutschland besonders lange aufgehalten hat? Wer so etwas verbreitet, darf negative Kommentare nicht einfach so abtun, da kann auch wirklich besseres Wissen hinter stecken.

In Hass und Polemik darf das natürlich nicht ausarten. Es ist gut, dass man die Primitiven ausblenden kann. Aber erstaunlich ist doch das Missverhältnis der Youtuber, die grundsätzlich einen sehr soliden Eindruck machen, und ihren Milchmädchen-Rechnungen bisweilen. Die sind doch keineswegs zu dumm, um solche Auflistungen etwas realistischer auszuführen. Da soll angeblich der Preis für Treibstoff eines Models 3 bis zur Hälfte von dem eines Benziners betragen.

Angeblich lädt er immer zuhause und kommt damit hin, schwärmt aber von der enormen Vielfalt an Möglichkeiten in der Stadt auf für E-Autos kostenlosen Parkplätzen gleichzeitig auch zu laden. Ist das immer umsonst? In einem zweiten Video über die Nachteile des E-Autos kommt heraus, dass er sehr wohl gut informiert ist über die Situation an Ladestationen auf Rastplätzen. Also kommt er doch mit seinen häuslichen 0,3 € pro kWh nicht hin.

Auch ist in dem anderen Video nicht eine Tesla-Ladesäule zu sehen. Aber gerade da wäre doch der Strompreis noch einigermaßen erträglich, wenn auch höher als zuhause. Überhaupt kommt das Video zu einer Zeit, in der die Strompreise z.T. heftig angehoben wurden, die Benzin- und Dieselpreise aber nur auf ihren Stand vor Corona gestiegen sind. Also wäre der/die Fahrer/in eines E-Autos im Sommer und Winter nur dann im Vorteil, wenn die Ladung über Nacht für den Tag ausreichen würde.

Auch gehört ein Tesla zu den eher teuren E-Autos, weil man die exzellente Ladestruktur mitbezahlt. Wenn einem doch so an der Umwelt gelegen ist, warum kauft man sich dann ein Performance-Modell? Überhaupt wechseln mir die E-Enthusiasten viel zu schnell die Autos. Der große Boom des E-Up lässt sogar auf seine Verwendung als Zweitauto schließen, wo manche vorher vielleicht sogar mit einem Familienauto ausgekommen sind, und jetzt diesen als zusätzlichen Zweitwagen nutzen.

Wissen Sie, wie viel größer und schwerer ein Performance-Motor beim Modell 3 ist?

Früher haben die Eigner/innen z.B. der Mercedes S-Klasse die Öffentlichkeit eher gemieden. Oder gibt es etwa Videos mit dem Titel: ‚Ich habe mir gerade eine nagelneue Mercedes S-Klasse gekauft'? Aber ähnliche Titel mit Tesla Model S oder X gab und gibt es noch zuhauf, auch von erstaunlich jungen Menschen. Neid war noch nie eine gute Sache, aber man muss dabei verstehen, dass der sich eventuell gegen die Gruppe der/die Fahrer/innen teurer.Autos richtet, zumal die das auch noch des Öfteren in einer etwas zu speziellen Art und Weise darstellen.

Da heißt es dann oft: 'Wenn ihr so ein Auto kaufen wollt, dann müsst Ihr darauf achten, dass . . .'- Man geht also allen Ernstes davon aus, dass man schlicht genügend Duzfreunde hat die sich so ein Luxusauto leisten können. 'Kauftipps' nennt man das dann. Das ist keine Werbung für die Umwelt, sondern schlicht für mehr Konsum und eventuell auch Verschuldung, eigentlich das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Solche Leute haben sich schlicht als Influencer geoutet.

Und kann man dann nicht verstehen, wenn der Verdacht entsteht, dass wenn man selbst wildfremden Leuten so eine Ausgabe empfiehlt, man wohl das Geld nicht unbedingt durch harte Arbeit verdient hat? In USA kennt man wohl solchen Neid nicht. Da ist es offenbar üblich, dass Makler/innen sogar offen publizieren, was für enorme Summen sie beim Verkauf eines Hauses verdient haben. Aber was ist mit den Käufern/innen, die so etwas erfahren?

Sie sehen jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Vielleicht sollten aber die Veröffentlicher/innen sich mehr überlegen, wie diese auf ihre Klientel wirkt. Besonders auch schon leichte Übertreibungen können da Schaden anrichten. Meiner Meinung nach entsteht Polemik ganz natürlich dadurch, dass man etwas zu hören bekommt, was mit der eigenen Lebenswirklichkeit nicht übereinzustimmen scheint, wozu man aber im Moment der Antwort darauf nicht die passenden Argumente parat hat.

Wie schon gesagt, man darf Polemik nicht gutheißen, aber es lohnt, sich selbst zu fragen, ob man nicht zu dieser auch nur ein wenig beigetragen hat. Wer an die Öffentlichkeit geht, hat eine besondere Verantwortung. Er/sie kann in der heimischen Garage auch unter ein Auto kriechen, das nur durch einen Wagenheber gesichert ist, aber verbreiten darf er/sie eine solche Vorgehensweise nicht, weil es schlicht zu viele Nachahmer gibt.







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