Überdimensionieren

kfz-tech.de/YWa1
Das scheint tatsächlich das Gebot der Stunde zu sein. Wir haben den Eindruck, das ist in Deutschland besonders schlimm, können es aber mangels Auslandserfahrung nicht beweisen. Insgesamt hat man
den Eindruck, hierzulande ist alles teurer.
Eigentlich muss man das aber eingrenzen. Manche Industrieprodukte sind für ihre Qualität überraschend günstig. Vielleicht einigen wir uns darauf, dass der Kauf zusammen mit dem Rat von Fachleuten ein
deutliches Stück mehr Geld kostet.
Wenn in Deutschland ein Unfall passiert, werden sehr viel mehr Fahrzeuge bzw. Teams dorthin geschickt, als vielleicht gebraucht werden. Würde man das als Laie benennen, hätte man von vornherein
schlechte Karten. Die Rückfrage wäre nämlich: Was passiert, wenn man unterdimensioniert?
Und was im Sicherheitsbereich vielleicht noch Sinn macht, hat sich inzwischen aber auf fast alle Ratschläge von Fachleuten ausgedehnt. Hinzu kommt, dass nicht nur bisweilen diese an dem Zuviel an
Ausstattung verdienen.
Schauen Sie sich das obige Video an. Wir wollen die Ratschläge des Fachwerkers gar nicht aus dem üblichen Verband herausheben, aber sein Tenor lautet doch, das E-Auto mit Photovoltaik laden lohnt sich
nicht. Hat er damit recht?
Nein, natürlich nicht. Er hätte zumindest nach der Nutzungsarbeit des jeweils zur Debatte stehenden E-Autos fragen müssen. Stattdessen türmt er da einen Berg von Anschaffungen und eventuellen
Genehmigungen auf, dass es sich wirklich nicht mehr lohnt.
Mindestens zehn kW Peak-Leistung auf dem Dach, eine Wallbox vom Hersteller, dann aber seltsamereweise 'nur' 10 kWh Heimspeicher. Hierzu der Kommentar, Letzteren brauche man eigentlich gar nicht, für
uns in der Kombination völlig unverständlich.
Wir setzen einmal 2,5 kW PV-Peak dagegen, eventuell durch bifaziale Lichtaufnahme der einzelnen Paneele noch ein wenig mehr, keine Wallbox und nur das dem E-Auto in fast jedem Fall beigegebene
Notstrom-Kabel. Sie hätten natürlich recht, wenn Sie jetzt den Anwendungsfall wissen wollten.
Auch an dieser Stelle der Hinweis, wie relativ wenig normale E-Autos pro Tag bewegt werden. Unser Auto lädt über PV+Speicher mit nur 1,2 kW. Das sind in zehn Stunden 12 kWh. Bei unserem Fahrstil reicht
das für ca. 100 km, bei Autobahnfahrt vielleicht ein wenig weniger.
Was meinen Sie, könnte so eine Ladung pro Nacht für viele Anwendungsfälle genügen? Und da hat der Herr im Video oben schlicht Unrecht, genug Batteriespeicher ist schon wichtig. Wir haben mit 12,66 kWh
gerade genug für das Beispiel. Aber das ist ja gerade die Frage der Dimensionierung.
Natürlich ist die Sorge um den Klimawandel wichtig. Aber dafür nun jede Summe zu akzeptieren erscheint uns auch wieder nicht zielführend, besonders, wenn es durch Überdimensionierung am Ende heißt:
Es lohnt sich nicht. Übrigens, wir haben nur 4.300 Euro bezahlt.
Dazu ist nur eine Anmeldung beim Marktstammdatenregister erforderlich. Man muss keine Ablehnung befürchten. Und die Anlage ist ausdrücklich so konzipiert, dass sie auch von Laien montiert werden kann.
Und wann hat man die Investition wieder raus?
Bei uns kostet der Netzstrom 0,40 € pro kWh. Lassen Sie es 0,35 € pro kWh sein und bleiben wir bei nur 12 kWh/100km, dann sind die 4.300 € nach ca. 100.000 netzlos geladenen Kilometern wieder raus.
Da scheint der Fachwerker oben im Video ja recht zu haben, oder?
Allerdings: Unsere Sonnenkollektoren der ersten Generation, die noch ins Netz speisen, sind jetzt 16 Jahre alt und bei guter Gesundheit. Sie scheinen also die letzten vier Jahre und noch viel mehr ohne Probleme
überstehen zu können. D.h. man müsste die 100.000 km auf mindestens 20 Jahre umrechnen und dann werden plötzlich 5.000 km/Jahr daraus.
| Die alten Sonnenkollektoren waren schon nach 10 Jahren abgeschrieben. |
Ja, im Winter könnte es knapp werden, aber im Sommer kann die Tagesproduktion durchaus beim Doppelten des für das E-Auto Nötigen liegen. Da könnte man also den Strom noch für andere Belange im Haushalt
nutzen. Bei größeren PV-Anlagen muss man das ohnehin.
Wir haben schon Probleme, wenn in vier Jahren die alten, abgeschriebenen Sonnenkollektoren noch hinzukommen. Dann sind wir sozusagen dankbar, das E-Auto als Abnehmer für Strom zu haben. Unklar auch wie der
Mann oben im Video das macht. Seine PV kann doppelt so viel produzieren und sein PV-Speicher ist auch noch kleiner.
Und wenn Sie dann noch an unser geplantes Zurückladen des Strom im Auto in die PV-Speicher denken, dann wird die Sache bei uns so richtig rundlaufen. Da ist jede zwischengespeicherte Kilowattstunde ein Segen,
denn 10 kW peak sind im Sommer eindeutig zu viel für das Hausnetz.
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