Golf 1 (1)

kfz-tech.de/YVW245
Golf 1 1.092/1.471 cm3 (72,0/76,5 mm * 69,5/80,0 mm), 8,0 : 1, OHC, Zahnriemen, 80/112 Nm 3000min, 37/51 kW (50/70 PS) 6000/5800/min, OHC, Schlepphebel/Tassenstößel,
Zahnriemen, Einfachvergaser, Viergang, Frontantrieb, McPherson, Verbundlenker, Scheiben, Trommeln, Länge 3,71/3,82 m, 2,4/1,61/1,41 m, 145/155 R 13 (4,5/5''), 2/4-Türer, ab 750 kg, 40 Liter, 140/157 km/h, ab 7.995
DM
Golf ist bis zum Erscheinen dieses Autos ein Rasensport, genauso wie Polo, nur wesentlich gesitteter. Aber den Konzernoberen sind offensichtlich im bisherigen Kontext die Namen ausgegangen, Winde
wie den 'Passat' oder 'Scirocco' gibt es halt nicht so viele.
Der Wagen sieht eigentlich gar nicht so revolutionär aus, aber seine Geburt fällt in eine keineswegs harmonische Zeit. Der Konzern steht am Rand des Abgrunds und wäre wohl heute nicht mehr,
zumindest in dieser Form, hätte der Golf letztlich keinen Erfolg gehabt.
Das erhöht den Druck gewaltig, stärkt aber auch die Innovationskräfte. Es ist der erste Pkw von VW außer vielleicht dem Typ 3, der wie ein 'normales' Auto aussieht. Bis dato hat man alles andere als
vernünftige Autos als viel zu späte Ablösung für den Käfer entwickelt.
Da sollte es immer noch beim Heckmotor bleiben, beziehungsweise der Motor liegend unter der Rücksitzbank verstaut werden (Projekt EA 266). Porsche ist ja bekannt dafür, auf Passagiere und deren
Transportgut relativ wenig Rücksicht zu nehmen. Man verkauft eher Motorräume statt Passagierräume auf Rädern.
Erst als dieses Millionengrab in letzter Minute von einem mutigen oder vielleicht auch verzweifelten Vorstandsvorsitzenden Rudolf Leiding durch vorhandene Audi-Technik ersetzt wird, ist der Weg frei für
den Golf. Er ist im Prinzip der erste Fronttriebler von VW (außer NSU), wenn auch der Scirocco mit gleichem Unterbau knapp vor ihm erscheint.
Der VW Passat als Audi 80 mit großer Heckklappe zählt da nicht. Allein der Golf erlaubt sich technische und vor allem vom Design her Besonderheiten. Das soll übrigens, wie die große Heckklappe des Passat, von
Giugiaro stammen. Vergleichen Sie selbst dessen Entwurf unten mit dem Original ganz oben.
Giorgetto Giugiaro gibt an, schon Anfang 1970 für sein 1968 gegründetes Unternehmen Italdesign Giugiaro einen Entwicklungsauftrag von dem damals noch amtierenden Vorstandsvorsitzenden Kurt Lotz
erhalten zu haben. Von mehreren vorhandenen Entwürfen ist nicht die Rede.
Er soll nicht nur einen Nachfolger für den Käfer, sondern auch daraus eine Modellfamilie entwickeln. Herausgekommen ist das unten abgebildete Modell. Er habe dann noch einen neuen Schrägheck-Passat
entwickelt, aber beim Wechsel von Lotz zu Rudolf Leiding sei dieses Projekt EA 272 gestoppt worden.
So kam 1973 der Passat als Audi 80 mit schräger Heckklappe. Aber von seinem Vorschlag für den neuen Golf behauptet Giugiaro, sein Konzept sei schon Mitte 1970 angenommen worden. Allerdings räumt
er ein, dass Vieles an seinem Entwurf bis zum Anlauf der Serie verändert worden sei, aber die Ästhetik erhalten geblieben sein soll.
Aus Kostengründen sei man allerdings von rechteckigen auf runde Scheinwerfer übergegangen. Auch sei die Karosserie nach vorn um 10 cm verlängert worden. 1970 kam Ernst Fiala zu VW, war dann ab 1972
Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung. Er berichtet etwas anders über die Entwicklung des VW Golf.
Auch die Herkunft des Namens 'Golf' ist umstritten. Die einen sagen, so habe das Lieblingspferd von jemandem aus dem Vorstand geheißen, die anderen sehen seine Herkunft aus dem Golfstrom,
wahrscheinlicher, weil die Namen der anderen Modelle ja 'Passat' und 'Scirocco' sind. Nur der 'Polo' will nicht so recht passen, aber der kommt erst 1975.
Fiala lässt an den bisherigen Entwicklungen von VW selbst kein gutes Haar. Auch findet der Entwurf EA 266 keine Gnade und der EA 337 von Giugiaro nicht. Er empfindet die Formen als zu eckig, wünscht
sich mehr Rundungen. Außerdem konstatiert er ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Wasserkühler und dem Übergang vom Quermotor zur Abgasanlage.
Unter seiner Regie erfährt die Heckklappe mehr Wölbung nach innen als beim EA 266 und eine Abrisskante, die auch noch die Aerodynamik verbessert. Er will die Trommelbremse vorne abgeschafft haben, was
ihm anfangs aber wohl für die günstigsten Versionen noch nicht gelungen ist. Auch Heizung und Lüftung werden umkonstruiert.
Nebenbei gefällt ihm auch die von Giugiaro gestylte Heckklappe für den Passat nicht und er ändert sie sechs Monate vor Serienbeginn. Insgesamt bezeichnet er allerdings die Geburt des Golf 1 als eine mit 'ziemlichen
Schmerzen'. Der Verkauf ist anfangs wohl auch keineswegs überragend und die Verarbeitung besonders im Bereich Rostvorsorge eher schlicht.

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