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Produktionsanlauf


kfz-tech.de/YVW1113


Was ist das Wichtigste beim Anlauf einer neuen Produktion? Nein, eigentlich nicht, dass man rasch auf eine hohe Fertigungsrate kommt, sondern eine solide Produktkontrolle. Und genau die fehlt bei der Fertigung der ersten VW-Käfer. Man kann rückblickend sagen, dass sie ohne die Treuhänderschaft der britischen Besatzungsmacht noch deutlich länger unzureichend gewesen wäre.

Unglaublich, was da alles schiefgehen konnte. Waren es die ungünstigen Arbeitsbedingungen, die z.B. zu schlechten Lötarbeiten und damit zu undichten Ölkühlern führten, oder fehlerhafter Stahl eines Zulieferers, der gefährliche Brüche an der Lenkung nach sich zog. Da waren die Lackierungen noch am einfachsten zu kontrollieren.

Die Arbeitnehmer hatten es schwer. Bis zur Währungsreform 1948 mit der Einführung der DM konnten Sie mit ihrem in RM ausgezahlten Lohn nur wenig anfangen. Über die Rufe nach vernünftiger Ernährung berichten wir schon an anderer Stelle dieses Buches. Es ist erstaunlich, welch solide Arbeit unter diesen Umständen noch geleistet wurde.


kfz-tech.de/YVW1112

Man wundert sich, dass unter diesen Bedingungen Überstunden beliebt waren. Die Erklärung ist ganz einfach: die wurden in Naturalien vergolten. Hamstern war an der Tagesordnung, manchmal mit ehrlichem Tausch beim Bauernhof, bisweilen aber auch eine Art Diebstahl von den Feldern.

Und trotz dieser ganzen Schwierigkeiten, z.B. auch zu einer einigermaßen ordentlichen Kleidung zu kommen, gab es im Werk Aufführungen, u.a. von guten Orchestern oder auch Kinoabende. Was nicht normal zu beschaffen war, musste man über den Schwarzmarkt tauschen, am besten in Zigarettenwährung. Zigaretten wurden also oft nicht geraucht, weil sie viel zu wertvoll waren.

Von den Fahrzeugen, die direkt z.B. an die Besatzungsmächte geliefert wurden, erfährt man nicht sehr viel. Wir zitieren aus einem Bericht von Arthur Westrup, dem späteren Herausgeber der 'Gute Fahrt' im Buch 'Der Käfer II' von Rüdiger Etzold. Ihm gelingt es, noch zu RM-Zeiten als Privatmann einen neuen Käfer im Werk abzuholen, wohl nur, weil er sich schon vor dem Krieg mit dessen Werdegang beschäftigt hatte.

Den allergrößten Teil der zu zahlenden 35.000 RM erzielt er durch Verkauf seiner Leica (Kamera) an die Amerikaner. Der Rest wird zusammengepumpt. Eigentlich ist der Kauf gar nicht möglich, auch wenn man das Geld bereit ist zu zahlen, denn es herrscht Bezugsscheinpflicht, die erst 1948 mit der Währungsreform aufgehoben wird.


Man kann sich also vorstellen, dass bei der Abholung im Werk nicht viel los ist. Einer der ersten Privatkunden kommt also mit dem Zug im 'größtenteils zerstörten oder jedenfalls stark beschädigten' Werk an und liefert an der Kasse sein Geld ab. Mit 'Quittung und Auslieferungsschein' geht es dann zum Abstellplatz.

Immerhin war die Reihe neuer Volkswagen sehr lang, 'einer grauer als der andere'. Der Wagen ist anhand der Fahrgestellnummer trotzdem schnell gefunden, es werden fünf Liter Benzin eingefüllt und je eine rote Nummer vorn und hinten 'angebunden'. Nein, unser Kunde fährt direkt los, einschließlich Kontrolle am Ausgang des Werksgeländes.

Erst nach ein paar Kilometern fährt er rechts ran, läuft um das Fahrzeug herum und kann sich vor Glücksgefühl kaum beruhigen. Allerdings hatte er noch eine Prüfung vor sich, nämlich die 500 km nach Hause mit 10 km/h im ersten, 25 km/h im zweiten, 40 km/h im dritten und 50 km/h im vierten Gang, erst nach den 500 km zum ersten und nach 1500 km zum zweiten Mal etwas gelockert

Ende 1951 wurden die Einfahrvorschriften gelockert. Da durfte man schon von Beginn an 80 km/h fahren. Aber es gab den Zusatz, das Gaspedal nur recht zaghaft zu bedienen, um zu vermeiden, dass man den Motor im zu großen Gang den Berg hinauf quält. Es gilt der Grundsatz, dass Drehzahl nicht so sehr schadet wie ein abgerufenes Drehmoment, was zu hoch ist.

Offenbar hatte man den Motor bis 1954 so weit verbessert, dass es überhaupt keine Einfahrvorschriften mehr gab. Und trotzdem hat wohl der/die kundige Fahrer/in eine gewisse Vorsicht walten lassen bei einem nagelneuen Motor, so auch auf wechselnde Drehzahlen geachtet haben. Unsereiner vermeidet auch mögliche Gewaltsprints bei einem neuen Elektroauto.







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