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  VW - Piëchs Flop



VW Phaeton W12/V10, 5.998/4.921 cm3, 84*90,2/81*95,5, 10,75/18,5 : 1, V4/V2, 550/750 Nm 3000/2000/min, 309/230 kW (420/313 PS) 6000/3750/min, 5/6-Automatik, Achtkolben- Festsattel/Zweikolben-Schwimmsattel, 5,06/2,88/1,9/1,45 m, 0,32, 500 l, Tank 90 l, 1.995-2415 (ca. 600) kg, 250 km/h, 111.300/89.300 Euro, 2002


Die große Limousine kommt in den späten 90ern. Bisher hat Ferdinand Piëch alle seine Projekte zu einem Erfolg geführt, warum nicht auch diesmal? Immerhin hat Mercedes versucht, mit der A-Klasse in die Kompaktklasse vorzudringen. Warum also sollte VW es nicht in der Oberklasse versuchen?


Immerhin hat man schon lange das Gefühl, in punkto Qualität mit Mercedes und BMW mithalten zu können. Man kann für den Verkauf exklusiverer Autos auch mehr Gewinne erwarten. Toyota hat es vorgemacht, schon 1989 die Marke Lexus gegründet und 1990 in Europa eingeführt.


Es gibt allerdings einen Unterschied, im VW-Konzern gibt es schon die Premium-Marke Audi. Aber irgendwie ist das Image von Audi mehr auf ein Oberklasse-Fahrzeug gerichtet, dass der/die Besitzer/in selbst fährt. Nach Piëchs Meinung fehlt es offenbar an Konkurrenz zur einer S-Klasse, bei der man sich kutschieren lässt. Also Audi A8 gegen 7er BMW und die neue Limousine gegen den großen Mercedes und Toyota.


Angeblich gibt es ein besonderes Lastenheft von Piëch für das zu konstruierende Fahrzeug. Es soll danach verwindungssteifer sein als seine Konkurrenten und 24 Stunden lang mit 300 km/h bei 50°C Außen- und 22°C Innentemperatur betreibbar sein. Es wäre Piëch zuzutrauen gewesen, dass dies auch letztendlich getestet worden ist.


Schon was zunächst entsteht, ähnelt doch sehr dem Passat, obwohl 38 cm länger. Das Dilemma des Designs für die Oberklasse, es darf auf keinen Fall zu revolutionär sein. Im Grunde werden die Autos vom kleinsten bis zum größten und teuersten immer biederer. Die meisten Premium-Anbieter retten sich mit Anleihen an die Historie, aber die ist ja gerade für einen reinen Oberklasse-VW nicht vorhanden.


Er kommt ziemlich komplett, sowohl mit V10-Dieselmotor als auch mit dem völlig neuartigen W12-Benziner. Dazu der Allradantrieb, später wahlweise nur Frontantrieb. Alles nicht normal so wie Kotflügel vorn aus Kunststoff und Seitenscheiben aus Verbundglas. Alles außer Motor-/Heckhaube und Türen aus Aluminium ist: vollverzinkt. Der cW-Wert ist für die Zeit aller Ehren wert, das Gepäckraumvolumen ebenfalls. Noch heute schwärmen Leute davon, die mit dem Phaeton regelmäßig auf Langstrecken unterwegs waren.


Nein, bei VW hat man sich nicht geschont, im Gegenteil alles getan, um das Auto erfolgreich werden zu lassen. Die gläserne Fabrik in Dresden ist entstanden mit einem neuartigen Zuführungssystem von zu montierenden Komponenten über die Schienen der Straßenbahn. Es ist die Endmontage der neuen Limousine, die Besucher hier zu sehen kriegen, in lichten Glashallen ohne Krach und Schmutz.


Ein wenig erinnert die Produktion an die von Chips im Reinraum. Viel Platz hat die neue Fabrik, so dass der/die Besucher/in erst einmal eine Halle durchschreiten muss, um an die Fenster zum Anblick der Fertigung zu gelangen. Die wird dann auch für allerlei kulturelle Aktivitäten genutzt. Man darf sicher sein, hätte man eine Befragung nach dem möglichen Erfolg des Neuen durchgeführt, nur absolute Skeptiker/innen hätten verneint.


Allerdings kann so eine Produktion angesichts von nur 6.000 Autos pro Jahr nicht wirtschaftlich sein. Von der Presse wird der Phaeton als erfolgreicher Eintritt von VW in die Oberklasse gewertet, und das dürfte für Ferdinand Piëch mehr als nur ein Nebenaspekt sein. Fehlt nur noch der Name 'Phaeton', Sohn des Sonnengottes, der es versucht, aber die Zugpferde vor dem Sonnenwagen seines Vaters nicht bändigen kann.


Trotz 2.500 kg mit Fahrer/in kann schon der Diesel in 6,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, der Benziner braucht gar 6,1 s. In Deutschland werden alle Phaetons bei 250 km/h abgeregelt. Es sind bis zu 320 km/h möglich, wie Jeremy Clarkson in dem Video unten behauptet. Feinstes Leder und Holz bestimmen den Innenraum. Gegen Aufpreis gibt es klimatisierte 18-Wege-Sitze. 12 cm länger kann man ihn ebenfalls ordern. Die Klimaanlage ist über 4 Zonen regelbar. Und es gibt ihn etwas später mit einem adaptiven Tempomaten, Spurhaltung und Kollisionsvermeidung.


Trotz der 20.000 projektierten Phaeton pro Jahr bleibt es bei höchstens 6.000. Ein Facelift 2010 und V6-Motoren sogar mit Schaltgetriebe können zwar den Verkauf etwas beleben, aber der Wagen bleibt ein Flop, oft ein bis zwei Jahre auf VW zugelassen, ins Leasinggeschäft und dann verramscht. Besonders schlimm und vermutlich entscheidend ist die Situation in Nordamerika, wo er letztlich nur von 2004 bis 2006 angeboten wird. Besser ist es in China, wo es auch eine Art Nachfolger als Phideon gibt.


2016 beendet man nach knapp 85.000 Exemplaren die Phaeton-Produktion. Sie hat VW viel Geld gekostet, gleichzeitig aber das Image besonders des VW Passat deutlich gesteigert. Reiche Leute scheinen sich weniger an den wahren Werten als vielmehr am Image einer Marke zu orientieren. Sie zahlen lieber fast doppelt so viel für einen Bentley auf der gleichen Plattform. Es ist die Furcht, in einen Flop zu investieren. Lieber deutlich mehr bezahlen und sich davor abgesichert fühlen. Vermutlich hat man ihnen bei Beratungen im Freundeskreis gesagt, mit welchen Autos sie 'nichts falsch machen' können.


Deutsche Untertitel möglich . . .








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