Suche

A     B     C     D     E     F     G     H     I     J     K     L     M     N     O     P     Q     R     S     T     U     V     W     X     Y     Z




Formeln
Alle Tests
Kfz-Jobs
Motorölfinder



Krieg 1



kfz-tech.de/YVW149

Deutsche Untertitel möglich.

Wenn man heute im Internet den Stand der VW-Vorzugsaktie anschaut, erscheint rechts als Gründer die Deutsche Arbeitsfront in Berlin mit dem Datum 28. Mai 1937. Wir müssen uns also mit dieser Zeit beschäftigen. Hatte also Ferdinand Porsche recht, als er vermutete, der Käfer sollte überhaupt nicht die Massen motorisieren, sondern, wie die Autobahnen auch, den Krieg vorbereiten?

Eine nicht ganz leicht zu beantwortende Frage. Tatsache ist immerhin, und das hat das deutsche Unternehmertum ganz klar zu spüren bekommen, dass die Aufrüstung praktisch mit der Machtergreifung der Nazis geplant und spätestens seit 1934 umgesetzt wurde. Ganz klar aber auch, angesichts von 6 Millionen Arbeitslosen oder, anders ausgedrückt, von 40 Prozent der Arbeitsfähigen, die keine Arbeit hatten, wäre dieser Start eigentlich nur mit umfangreichen Finanzmitteln möglich gewesen.

So ist Deutschland auch heute das bekannt rohstoffarme Land. Man träumt zurzeit höchstens davon, sich irgendwann mit genügend selbstabgebautem Lithium und natürlich Strom aus Wind, Sonne und Wasserkraft versorgen zu können. Aber 1934 war praktisch der gesamte Bezug von Rohstoffen am Besitz von Devisen oder Gold geknüpft. Über beides verfügte Deutschland nicht mehr, war im Gegenteil noch nicht einmal in der Lage, die ihm nach dem Versailler Vertrag und später gekürzten Reparationen zu bezahlen.

Vielleicht auch schon damals wussten die regierenden, dass Deutschland nach den USA das von der Weltwirtschaftskrise am stärksten betroffene Land war, wobei das die USA wegen einer anderen Ausgangslage natürlich besser verkraften konnte. Immerhin hatte Deutschland Schulden bei den Amerikanern, nicht umgekehrt. Hinzu kam noch die Beschränkung auf eine Armee von 100.000 Mann und ein entmilitarisiertes Rheinland. Noch 1936 parodierten Soldaten zu Pferde an Hitler vorbei und schoben manche von ihnen Fahrräder.

Die Deutschen, die Hitler immerhin gewählt hatten, haben dies in einer Situation absoluter Hoffnungslosigkeit getan. Das wurde bei jeder neuen Ankündigung bzw. Projekt sichtbar, bei dem die Hoffnung wieder Nahrung bekam. Eine der verhängnisvollen Leistungen der Nazi-Diktatur war es, ein Gespür dafür zu haben, womit man das Volk hinter sich bringen konnte. Und alles, was diesen Keim hätte ersticken können, war und blieb geheim. So hat sich dieses Volk vielleicht gedacht, dass hier wohl ein Aufschwung auf Pump vonstattenging, aber irgendwelche Angaben seitens der Regierung gab es nicht.

Beispiel gefällig: Mit dem Reichsbankpräsident und späteren Wirtschaftsminister Schacht sind die Wechsel der sogenannten Metallurgische Forschungsgesellschaft verbunden. Sie wissen vielleicht, 'Wechsel' werden Papiere genannt, die ein Zahlungsversprechen mit Bürgen beinhalten. Letzterer war in diesem Fall der Staat und den üblichen Zahlungstermin gab es nicht. Begrenzt war die Ausgabe dieser Wechsel auf die Herstellung von Rüstungsgütern, strahlte aber durch die Zulieferer, an die diese Wechsel weitergegeben wurden, auf die ganze Wirtschaft aus.

Das Ausland kriegt davon nichts mit.

Sie ahnen es schon, ausgezahlt worden sind die Wechsel nie, denn in dem Moment, als man vielleicht endgültig an deren Einlösung gezweifelt hätte, wurde der Krieg angezettelt und nach und nach übernahm die Regierung die Organisation der Wirtschaft mitsamt der Gestellung von Arbeitskräften. Es wurde zwar noch abgerechnet, aber vielleicht auch hier meist auf dem Papier. Die Versorgung des Militärs mit Waffen und der Bevölkerung mit Nahrung war zum alles überschattenden Problem geworden, dem alles andere untergeordnet war.

Man geht wohl heute davon aus, dass die Bevölkerung das in großen Teilen mitgetragen hat, denn immerhin gab es ja laufend Futter für die Hoffnung, wenn auch der persönliche Lebensstandard nach anfänglich gesicherter Versorgung nicht mehr stieg. Man wurde in Urlaub gefahren, mit Bus, Bahn oder Schiff oder kannte zumindest jemanden, dem dieses Glück zu Teil wurde. Der Betrag, den man dafür ansparen musste, war teilweise lächerlich gering im Verhältnis zum Aufwand. Die Differenz wurde sozusagen vom Staat beglichen, Hoteliers hatten ein gewisses Kontingent praktisch unter Preis zu stellen.

Wenn Sie heute die Massen in alten Filmen sehen, die mit Sicherheit nicht alle unter Zwang zu der Begeisterung gezwungen worden sein konnten, wenn Sie einmal so einen Platz für Aufmärsche, wie beispielsweise einen der größten in Nürnberg besucht haben, dann greifen Sie vielleicht einen Zipfel von dem, was die Menschen damals bewegt haben mag, in und nach diesen schlechten Zeiten. Auffallend ist, dass es noch nicht einmal langsam höher werdender Zuschauerreihen bedarf, also die hinteren Reihen absolut nichts mehr von den eigentlichen Ereignissen vorn mitbekommen haben können, außer vielleicht den Reden, und trotzdem ausharrten.

Da kriegt Ferry Porsche waschkörbeweise Fanpost, nur weil er neben Hitler gesessen und diesen die drei Kilometer zum Bahnhof chauffiert hat. So ist auch bei der Wiederaufrüstung, der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 und der Besetzung des Rheinlandes von ausdrücklicher Billigung großer Teile der Bevölkerung auszugehen. Offenbar haben zu wenige an die Schrecken eines erneuten Krieges gedacht, sondern vielmehr an die Wiedererlangung von Stolz auf den eigenen Staat.

So, und in alledem ist der Auftrag und die Entwicklung des VW-Käfers eingebettet. Sie muss ebenfalls so um 1934 begonnen haben. Hitler ist nicht nur ein Autonarr und Förderer der deutschen Automobilindustrie, sondern begreift offensichtlich auch den Magnetismus der individuellen Mobilität für die Massen. Schon ganz kurz nach seiner Machtergreifung besucht er die Internationale Automobil- und Motorradausstellung in Berlin. Er wird die Kfz-Steuer abschaffen und das Autobahnnetz entscheidend vergrößern.

Nur aus Kriegsabsichten. Dagegen spricht vielleicht, dass er nach Auftragserteilung an Ferdinand Porsche deutliche Unzufriedenheit mit dem Tempo der Entwicklung zeigt. Hätte er nur den Kriegseinsatz im Blick, könnte man sich gewiss ein wenig Zeit lassen. Auch den Bau der ersten 30 Exemplare bei Mercedes zahlt seine Regierung. Außerdem muss der Wagen für den Kriegseinsatz noch deutlich umkonstruiert werden, erhält als Limousine teilweise und als Schwimmwagen Allradantrieb.

Nur für den Kriegseinsatz hätte man auch eine teilweise ausländische Firma mit einem schon fertigen und/oder leichter umzubauenden Produkt nehmen können. Bei den Lastwagen verfährt man so, nimmt nicht den schwereren Mercedes, sondern den leichteren Opel Blitz und zwingt letztendlich Mercedes in die Produktion desselben. Für den Kriegseinsatz hätte man Porsche nicht mit der Grenze von 999 RM das Leben unnötig schwer machen müssen.

Andererseits spült die Anzahlung der 5 RM pro Woche wiederum Geld in die Staatskasse. Noch ein ungedeckter Scheck. Und auch hier darf die Regierung Geduld erwarten. Gib dem Volk eine Hoffnung auf bessere Zeiten, dann pocht es, jedenfalls zu der Zeit, nicht unbedingt auf die rasche Einlösung vieler Konsumversprechen. Aber ob die Nazis an das rabattmarkenähnliche Sparen schon von vornherein gedacht haben?







Sidemap - Technik Impressum E-Mail Datenschutz Sidemap - Hersteller