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Psychologie - Verschleierung 1



Wäre doch praktischer, solche Schilder auf der Autobahn zu haben, oder? Man wüsste genau, wie lange man noch z.B. bis nach Hause braucht. Wohnt man in diesem Fall vielleicht in Frankfurt, könnte man jetzt anrufen und bitten, die Fritten in den Ofen zu geben. Dann wäre das Essen bereit, wenn man dort ist.

Was? Sie mögen gar keine Ofenfritten? Und außerdem wäre auf dem Weg noch mit einem Stau zu rechnen, was die Angabe einer Fahrzeit ziemlich unsinnig machen würde? Und wäre dann einmal eine längere Strecke ohne Stau, Tempolimit und Baustellen, dann würden Sie mit Ihrem XYZ regelmäßig die 130 km/h Durchschnitt bei weitem hinter sich lassen. Für Sie wären solche Schilder völlig untauglich?

Seltsam, denn wenn es um Elektroautos geht, da werden solche Angaben scheinbar mühelos akzeptiert. Unten sehen Sie so eine Angabe auf dem Bildschirm eines Tesla Model S. Hier werden bei 50 Prozent Restkapazität 285 km suggeriert. Es gibt in einem Untermenü noch die Option 'Typisch', was zu einer um etwa 20 Prozent geringeren Reichweite führt, die beim bisher vom Verbrenner gewohnten Fahrweise ebenfalls kaum zu erreichen ist.


Jetzt stellen sie sich das einmal übertragen auf ein konventionelles Auto vor. Da haben Sie vielleicht ein Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho und erhalten bei entsprechender Einstellung noch 285 km Restreichweite angezeigt. Können Sie sich vorstellen, dass es da noch ein Untermenü gäbe, wodurch die Km-Angabe auf 228 zurückspringen würde, die aber dann auch evtl. nicht erreichbar wären?

Schon die wahlweise erhältlichen Prozentangaben sind problematisch. Bei einem Tank wäre das ok. Da weiß ich genau, wie viel ich getankt habe und nach relativ kurzer Zeit auch sein gesamtes Fassungsvermögen. Aber Batterien haben halt unterschiedliche Grenzen, übrigens nach oben und nach unten. Und diese Grenzen auszutesten, fällt nicht ganz leicht.

Man müsste also die Hochvoltbatterie nicht nur bis Null Prozent leerfahren, sondern auch noch bis zum Stehenbleiben. Dort müsste dann ein Charger sein, der einem wenigstens bis zum Supercharger weiterhilft. Beide müssten den geflossenen Strom in kWh angeben, was hier leider nicht üblich ist. Außerdem ist die geladene Kapazität nicht gleich der dann in der Hochvoltbatterie vorhandenen, z.B. im heißen Sommer, wenn Hochvoltbatterie und evtl. auch Innenraum gekühlt werden.

Wie man Vertrauen verspielt, das kann man nicht nur von der Diesel-Lobby lernen,

Zugegeben, einen Diesel leerfahren und dann wieder zu einwandfreiem Lauf bringen, ist auch nicht immer leicht. Aber wenn das alles so kompliziert ist, warum gibt man dem/der Fahrer/in nicht am Charger die geladenen und im E-Auto die vorhandene Kapazität in kWh an, und zwar direkt und nicht erst über ein Untermenü? Man kann die Prozent ruhig hinzufügen, schadet ja nicht.

Vielleicht sogar die Reichweite, aber nur eine und die bitteschön realistisch abgeglichen mit der bisherigen Fahrweise. Nein, das wird wohl so schnell nicht realisiert werden. Warum nicht? Weil man über die eventuelle Verschwendung beim Laden und den Mangel an Reichweite den Mantel des Schweigens legen möchte.

Wie soll man sonst erklären, dass schon während des künftig geplanten Super-Schnellladens bis zu 30 Prozent verloren gehen können, z.B. durch Kühlung des Ladekabels? Kunden eines Tesla P 100 würden erkennen, dass wegen der maximal in einem Privathaus möglichen 4,6 kWh der Ladevorgang für 80 Prozent im günstigsten Fall doch noch über 17 Stunden in Anspruch nehmen würde, weil dieser Wechselstrom nur einphasig laden kann.

Vielleicht kann das eine Tesla-Wallbox ein wenig mildern, aber auch das wäre dann, z.B. in einem Probebetrieb sofort überprüfbar. Zum Schluss noch ein Beispiel über die enormen Unterschiede bei Verbräuchen von E-Autos. Ein Model 3, sehr stark optimiert gegenüber einen Model S, verbraucht immer noch ca. 23 kWh auf 100 km bei konstant 150 km/h, aber nur erstaunliche 16,5 kWh bei 120 km/h.

Offener Umgang mit realistischen Werten könnte zu einer sachlicheren Diskussion über die künftige Auslegung von E-Autos führen.

Wäre es nicht eine bessere Strategie, solche Werte auch als Hersteller zu veröffentlichen, damit nach einem zweifellos immer noch teuren Kauf eines E-Autos das böse Erwachen vermieden wird? Hat man denn nichts aus der Diesel-Krise gelernt? Wie man allein an der Demokratie sehen kann, dass bei Wahlen trotz aller Gegensätze und Extreme in der Regel ein machbares Ergebnis herauskommt, ist zumindest die Mehrheit der Leute klüger als man denkt.









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