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Psychologie - Verlogenheit



Vielleicht nehmen wir uns, zum besseren Verständnis, auch in diesem dringenden Fall die Dinge der Reihe nach vor. Da geht es in einem Fernsehbericht darum, wie und in welchem Ausmaß Audi betrogen hat. Dass dazu ein deutscher Rechtsexperte und ein amerikanischer Journalist gehört werden, die sich in die Sache eingearbeitet haben, geschenkt.

Den Experten für die Abgastechnik bei Diesel-Fahrzeugen hat man anscheinend nur in der Schweiz auftreiben können. Er weiß aber nicht wirklich etwas Erhellendes zu sagen, sondern unterstützt nur das, was vorher im Bericht zutage gefördert wurde. So weit so gewohnt.

Leider ebenfalls gewohnt ist, dass man dann einen Betroffenen aufgetan hat, der für so ein softwareabschaltbares Auto 58.000 Euro gezahlt hat. Immer wieder erlebt man im Fernsehen Leute, die mit einem ihnen zugefügten Schaden konfrontiert werden. Was können diese Leute eigentlich anderes berichten, als dass sie betroffen sind?

In diesem Fall geht es jedoch weiter. Der Betroffene wird von seinem Audi-Händler informiert, dass es ein Software-Update gibt. Er berichtet dann vor der Kamera, er wolle das nicht wegen Befürchtungen um das Wohlbefinden seines Motors. Gleichwohl sei er zu dem Update gezwungen, weil er sonst nicht mehr durch die nächste Hauptuntersuchung käme, sein Auto demnach wertlos sei.

Hier entpuppt sich also eine unheilige Allianz zwischen Stellen mit ausübender Macht und einem betrügenden Hersteller. So weit, so schlecht. Er nimmt sich eine Anwältin, die dann auch noch hinzufügt, dass der Hersteller sich die besten Kanzleien Deutschlands leisten könne, ein Kampf 'David gegen Goliath', sich also mit Händen und Füssen gegen die rechtichen Ansprüche der Betroffenen wehre.

Bis hierher ist das alles noch nachvollziehbar. Jede Partei verhält sich ihren Interessen entsprechend. Und dann geschieht das nahezu Unfassbare. Die Anwältin, die gerade noch dem Konzern 'Ignoranz aus einem Gewinnstreben heraus' vorgeworfen hat, fordert dann ernsthaft, 'eine Lösung für alle betroffenen Fahrzeugkäufer und nicht nur für die, die bereit und in der Lage sind, den Klageweg zu beschreiten'.

Früher hätte man solch eine Forderung angesichts der vorher gemachten Statements belacht und kassiert. Heute gilt so etwas als durchaus legitim zu äußern. Dabei weiß man doch sofort, dass es der/die andere besser weiß. Und wenn Sie jetzt meinen, das sei ein Einzelfall, dann brauchen Sie sich nur den ganzen Filmbericht anzuschauen.

Wie oft wird da Audi aufgefordert, sozusagen reinen Tisch zu machen, die Sünden und Verfehlungen zuzugeben. Vielleicht sollte man auch noch Journalisten/innen zulassen, die weitere Fragen zu dem offensichtlich verkorksten Innenleben stellen und dann in aller Ruhe die These von der Angstkultur aufdecken. Bleibt nur die Frage, in welcher Welt die Leute leben, die solch eine Forderung erheben.

Jetzt stellen Sie sich einmal die nächste Aktionärsversammlung vor, nachdem der Vorstandsvorsitzende alle Sünden gestanden und auch noch tiefe Einblicke in die Struktur gewährt hat. Schon jetzt ist die Auslastung des größten Werks in Ingolstadt angeblich um 16 Prozent zurückgegangen. Da steht dann womöglich ein(e) Kleinaktionär/in auf und klagt den CEO an, nicht nur den Dieselskandal mit verursacht zu haben, sondern die Firma auch noch danach zusätzlich belastet zu haben.

Mehrmals wird im Film gefordert, auch der Staat solle doch bitteschön Gesundheitsgefahren durch Konzerne öffentlich machen. In diesem Fall ist das Kraftfahrtbundesamt im Zentrum der Kritik. Zweifellos ist es miserabel ausgestattet, muss sich also auf externe Prüfungen, des Öfteren sogar auf die Hersteller verlassen. Wer weiß denn, unter welchem Zwang diese Behörde z.B. seitens der Bundesregierung steht?

Kann sie frei verkünden, welcher Firma sie gerade mit Zwangsmaßnahmen gedroht hat? Warum wird dieses Geflecht nicht verstanden, an dem ganz unten übrigens nicht zuletzt auch Arbeitsplätze hängen. Wer so schreibt, kann die Uhr danach stellen, wann der erste Vorwurf kommt, er/sie würde die äußerst laschen Kontrollen des KBA auch noch unterstützen.

Es ist anscheinend nicht ganz so einfach, die Demokratie zu verstehen. Denn es ist nicht die Aufgabe der Bundesregierung, Bundesbehörden öffentlich als schlecht arbeitend darzustellen. Ein(e) Bundeskanzler/in wird gewählt, um Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Für die Kontrolle von z.B. Bundesbehörden sind andere zuständig. So etwas nennt man Gewaltenteilung.

Es gibt nämlich neben der ausführenden auch noch die judikative Gewalt, die z.B. in Form der Staatsantwaltschaft München II, die ausgerechnet während der Bilanz-Pressekonferenz am 15. März 2017 eine Razzia bei Audi durchführte und die Verhaftung von Vorstandschef Rupert Stadler initiierte. Inzwischen droht sie sogar dem Kraftfahrtbundesamt mit Ermittlungen wegen versuchter Strafvereitelung.

Und dann ist da noch die Presse, die keineswegs hauptsächlich Betroffene interviewen und sich auch nicht dauernd beschweren soll, dass sie keinen Interviewtermin bei dem erhält, gegen den sie gerade ermittelt. Man nennt das investigativen Journalismus, der hier gefordert wäre. Und der nicht erst beginnen sollte, wenn man von Whistleblowern tonnenweise Material erhält.

Auch müsste dieser nicht in irgendeiner Form abhängig von möglicherweise Anzuklagenden sein, aber das Wort 'Unabhängigkeit' können z.B. die sogenannten Motorjournalisten allenfalls noch buchstabieren. Das ganze Gebilde mit der gegenseitigen Kontrolle macht durchaus Sinn, es müsste nur jede(r) seinen/ihren Job vernünftig machen.







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