Gute Entwicklung?

Als ich meinen Dienst noch sehr jung in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts antrat, da war der Unterschied zwischen Stadt und Land noch sehr groß. Die Schüler vom Land versammelten sich
grundsätzlich an den hinteren Tischen, fest entschlossen, den Mund zu halten.
Ich kämpfte gegen meine ersten Impulse, sie für dumm und ungebildet zu halten und links liegen zu lassen. Es wäre so einfach gewesen, man hätte Ruhe gehabt und ein sogenanntes 'schönes Leben als
Pauker'. Nein, das war es nicht, wofür ich angetreten war.
Mein Fach war deshalb ja auch nicht nur die Kfz-Technik, sondern eben auch die Politik. Und das hätte sich ja nun wirklich nicht mit der oben beschriebenen, eher bequemen Haltung vertragen. Also versuchte
ich beharrlich, einen Zugang zu diesen Schülern zu erlangen.
Nein, nicht mit der Brechstange, das hätte die Stummheit nur verschärft. Und so langsam ergab sich, auch durch die sich verstärkende Anbindung von Land zu Stadt, dass es eben keinesfalls
Unterbelichtetheit war, die diese Schüler von der Teilnahme abhielt.
| Übrigens, wir waren damals von Kfz-Mechanikerinnen noch weit entfernt. |
Allerdings gemahnte mich der Versuch von Politik-Unterricht, meine Erwartungen nicht zu hoch zu hängen, was regelmäßig eine Stille und fragende Gesichter auch von dem Rest der Klasse lieferte. Sie
verstanden nicht, was ich von ihnen wollte und das betraf diesmal fast alle.
Das war in Mathematik genauso, damals wie heute immer noch 'Fachrechnen' genannt. Aber da kann man sich durch geduldiges Üben und Zurückweichen im Stoff noch retten. Aber wie bringen Sie einem
Schüler bei, für einen kurzen Moment gerade die Gegenthese seiner eigenen Meinung zu vertreten?
Leider muss ich gestehen, dass es bis zum Ende meiner Tage im Lehramt nicht geklappt hat. So groß mein Enthusiasmus und so übertrieben vielleicht meine Behutsamkeit, ich bin im Laufe der Jahre mehr
an die Wand gedrückt worden, als dass ich etwas in den Schülern/innen bewegt hätte.
Man überträgt viel mehr durch das Sein als durch das momentane Handeln. Aber wie will man das in stinknormalem Unterricht verkörpern. Es ist mir bei manchen eine Faszination für die Kfz-Technik um
Meilen besser gelungen als eine für zukunftsweisende Politik.
Leider hat dann auch der allgemeine Status von Bildung über die vielen Jahre gelitten. Die Zahl der im Unterricht das private Erlebnis Suchenden wurde langsam, aber stetig, immer größer. Und später waren
auch Schülerinnen kein Garant mehr, dass der Leistungsgedanke wieder etwas mehr Platz griff.
Weit über 30 Jahre lang galt meine Haupt-Kritik dem System Schule, dem Überbau. Meine Schüler/innen habe ich grundsätzlich verteidigt. Bis auf einmal diese so ganz langsam zum Problem wurden. Es
muss sich etwas verändert haben in unserem Land.
Irgendwie greift die Politik zu oft daneben, will mit Geld heilen, was so nicht zu heilen ist. Sie braucht unbedingt mehr Beharrlichkeit und Vertrauen. Wir brauchen unbedingt weniger Wahlen pro Zeit und
müssen Vertreibung von Politikern/innen verhindern, die diese Tugenden ausstrahlen.
Die Politik muss sich Möglichkeiten erarbeiten, bis in die Elternhäuser hinein zu strahlen. Es muss sich an der Erziehung etwas ändern. Die Vorbildfunktion von Eltern wird immer mehr nicht wahrgenommen.
Auch die Presse müsste ihre Hektik stärker unterdrücken.
| Fangen Sie jetzt ja nicht wieder an, alles der Schule anzulasten, was eigentlich die
Eltern verbocken! |
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