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  Psychologie - Alles schwächelt



Die Familie meines Sohnes hat eine neue Küche. So ganz passt es noch nicht, aber mein Sohn fand, die Leute waren sehr nett. Das könnte ein Symbol für unsere Zeit sein. Denn eigentlich hat doch jede(r) von uns einen gewissen Vorrat an Geschichten, wo etwas gerade nicht wie vorgesehen geklappt hat. Vielleicht gibt es sogar einige, die sich besonders betroffen fühlen.

Das ist umso verwunderlicher, als andere Länder uns anscheinend für das bewundern, was hier alles klappt. Und um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, fühlen wir an uns selbst etwas häufiger, dass wir Dinge nicht so auf die Reihe kriegen, wie wir sie eigentlich geplant hatten, zumindest nicht in der vorgesehenen Zeit.

Jetzt kann man sagen, das sei ein Phänomen dafür, dass man sich eben heute mehr vornehme als früher. Hört sich gut an. Ist sogar unsere Spezialität, aus der Niederlage einen vermeintlichen Sieg zu machen. Aber hilft das wirklich weiter? Zweifel ziehen auf und so langsam beginnt man, das alles für eine allgemeine Krise zu halten.

Gerade führt uns jemand im Internet das neuste Tesla-Update vor. Es soll jetzt verlässlich Schilder erkennen können. Getestet wird natürlich bei herrlichem Sommerwetter auf anscheinend frisch getünchten Straßen. Und dennoch, die Aufhebung einer Geschwindigkeit wird nicht erkannt. Nur durch die Kartendaten geleitet, schaltet das Auto eine gewisse Zeit später auf 100 km/h um.

Dabei hatte man doch gehofft, der Wagen möge bald auch Ampeln erkennen. Aber da würden natürlich Kartendaten weniger helfen. Auch wäre das automatische Durchfahren eines Kreisverkehrs nicht schlecht. Stattdessen fährt das Auto im Moment sogar nur die eine Kurve erkennbar zu langsam und die andere zu schnell.

Eigentlich sollte ein gerade erst entwickeltes Auto mindestens das können, was bei anderen z.T. schon selbstverständlich ist. Gerade für die vielen auf Halde stehenden ID.3 wäre es sehr wichtig gewesen, sie wären 'over the air' ladbar gewesen. Leider mussten sie aber zu Kleingruppen zusammengestöpselt und so mit der neusten Software-Version versorgt werden.

Vielleicht hat Corona den Automobilherstellern auch Vorteile verschafft. Denn mal ehrlich, die waren nicht nur auf den leichten Ansturm auf die E-Mobilität nicht vorbereitet, sondern z.B. auch auf die seit Jahren vorhersehbare staatliche Absenkung der CO2-Emissionen. Man konnte das noch 2019 spüren, wie die mit Vollgas auf die Krise zugefahren sind.

Sogar VW, inzwischen als Vorreiter der Umstellung der deutschen Hersteller auf E-Mobilität geltend, hat deutliche Bremsspuren hinterlassen, hektisch Modelle abgesägt, einen neuen Golf mit nur einem Motor angeboten. Selbst der erste nach der Krise von 1974 war zumindest mit zwei Triebwerken lieferbar. Viele Verbrenner stehen sich die Reifen platt und man ruft nach Subventionen.

Überhaupt, man wird das Gefühl nicht los, dass solche Rufer zu den aktivsten im Land zählen. Hat die Regierung mal wieder etwas ausgestreut, melden sich sofort die knapp nicht Begünstigten. Dabei hat offensichtlich auch die Regierung keinen Plan, wie die nun aufgegebene schwarze Null wieder gewonnen werden soll. Man verspricht das übernächste Jahr.

Viel schlimmer aber ist das Missverständnis, das mit dem Begriff 'schwarze Null' ausgelöst wird. Die betrifft ja nur die zusätzliche Kreditaufnahme. Das wäre so, als wenn jemand ein Jahr nach dem Hausbau mit einem riesigen Berg von Schulden die schwarze Null ausrufen würde. Er/Sie verspricht damit ja nur, sich kein zusätzliches Geld zu leihen.

Wie sollen diese unglaublichen Defizite jemals wieder ausgeglichen werden?

Die äußeren Ereignisse eignen sich hervorragend, auch die eigenen Versäumnisse zu entschuldigen. Ich habe da seit Monaten ein Hardware-Projekt vor und ich komme damit einfach nicht voran. Dabei wäre es doch so wichtig auch für die eigene Psyche, endlich einmal gegen den allgemeinen Trend anzurennen. Woran liegt es, dass man sich dem negativen so viel leichter anpasst als dem positiven?

Man hat sogar den Eindruck, die vielen kleinen individuellen Desaster strahlen bis weit in die Politik hinein. Man reduziert persönlich vielleicht die Abhängigkeit, aber z.B. bestimmte Staaten in Europa tun das auch. Da möchte man in Deutschland endlich so richtig helfen, das Desaster von Flüchtlingen zu beenden, hat aber berechtigte Angst davor, aus Polen und Ungarn heimlich Beifall dafür zu erhalten.

Es ist wie im einfachen Leben, ist die Situation nur verzwickt genug, schafft man es nicht mehr, sich aus ihr zu befreien. Toll, der Rat, möglichst früh mit der Bereinigung der Situation zu beginnen. Ja, wenn man die Folgen vorher hätte kommen sehen. Bitte haben Sie deshalb ein wenig Verständnis dafür, dass wir dieses Kapitel ausnahmsweise weder lustig noch mit einem guten Rat beenden.







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