Variable Steuerung 1
Kommen wir zu den variablen Ventilbetätigungen. Eine Möglichkeit hatten wir schon erwähnt, nämlich die Verschiebung der Steuerzeiten. Da
ändert sich an der/den Nockenwellen selbst nichts, nur an deren Antrieb. Man
verdreht diese gegenüber dem mit dem Zahnriemen oder der Steuerkette verbundenen Antriebsrad. Zugleich hier direkt die Warnung: Alle
Methoden der Verstellung werden wir mit Sicherheit nicht schaffen.

So ganz echt dem Ventiltrieb entlehnt sind die beiden Abbildungen nicht. Wir haben vielmehr diese beiden gegeneinander verdrehbaren Räder
aus Kunststoff gebastelt, um die Verstellung besser zeigen zu können. Oben
und unten sind die beiden Grenzstellungen dargestellt. Über variablen Druck in den vier Kammern und entsprechende Gegenfedern sind
natürlich auch Zwischenstellungen möglich.

Ganz oben sehen Sie so etwas im Original mit vier obenliegenden Nockenwellen, deren Verstellelemente aber völlig verschlossen. Unten sehen
Sie die Wirkung einer verstelltbaren Einlassnockenwelle. Ist nur eine
verstellbar, dann immer die der Einlassventile. Beim Dieselmotor kann das anders sein, weil hier mit einer Verstellung z.B. bestimmte Ziele im
Abgasbereich angestrebt werden.

Unglaublich, welche Vielfalt es gibt, wenn man die Beobachtung vom Antrieb der Nockenwelle zu den Nocken selbst verändert. Wir wollen hier nur
noch grundsätzlich einen gestuften Übergang zu einer anderen Betätigung
von einem vollkommen variabel zu gestaltenden Nockenhub unterscheiden.

Hier so ein System von Honda. Das Ventil wird im unteren Drehzahlbereich ausschließlich von dem vorderen, weniger scharfen Nocken über den
vorderen Schlepphebel betätigt. Im Umschaltpunkt wird die durch einen druckgesteuerten Bolzen mit dem hinteren Schlepphebel verbunden. Von
jetzt an überlagert der hintere den vorderen Nocken.

Bei VW verschieben bei Bedarf elektromagnetisch betätigte Stifte in entsprechenden Bahnen drehfest auf die Welle gelagerte Hülsen. Dadurch
kann zwischen zwei verschiedenen Nocken gewechselt werden. Hat einer von beiden keinerlei Hub, dann kommt das einer Stilllegung des
Zylinders gleich.

Achten Sie bitte nicht so sehr auf die nadelgelagerte Rolle als vielmehr auf den Sperrbolzen darüber. Wird der z.B. durch Öldruck gelöst, die von
oben auf den Stößel geleitete Bewegung entweder erst nach einer längeren Strecke oder auch nie wirksam weitergeleitet. Eine relativ
unspektakuläre Möglichkeit den Ventilhub während des Motorlaufs zu beeinflussen.

Und hier nun endlich die volle Variabilität. Der Nocken wirkt nicht auf das Ventil direkt, sondern treibt über eine Rolle einen quasi senkrecht
angeordneten Bügel nach links zum Betätigen und lässt ihn nach rechts zurückgleiten zum Entlasten des Ventils. Oben ist der Anstieg steiler,
unten flacher für geringere Öffnung.

Ganz oben sehen Sie einen Stellmotor, der über eine Welle und Exzenter die einzelnen Bügel steuert. Bitte beachten Sie, wie der Exenter bei
großer Öffnung oben und bei geringer Öffnung unten steht.

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