Sind so viele Bücher sinnvoll? (1)

Vermutlich nicht. Es gibt Leute, die sind der Meinung, wir hätten z.B. innerhalb eines Jahres eine Anlage aufbauen und dazu ein Buch schreiben sollen. Also etwas fertigstellen und dann darüber schreiben.
Erst dann kann man nach deren Meinung etwas vorweisen.
Dann können die Leute angeblich etwas damit anfangen, z.B. die Anlage komplett nachbauen. Das hätte für die einen Wert und sie wüssten, wozu sie ihr Geld ausgegeben hätten. Sie könnten danach das
Buch weglegen und nur noch mit ihrer neuen Anlage spielen.
Das ist der Einbruch der Außenwelt auch in die der Modellbahn. Diese Leute behandeln das Thema, wie sie wohl fast alles im Leben behandeln, schnell erledigen und vergessen. Ein Buch als Helferlein für
eine schnelle Lösung eines angebliches Problem.
Dabei unterscheidet sich doch der Modellbau ganz wesentlich vom sogenannten normalen Leben. Gerade deshalb betreiben ihn ja die Leute. Wenn im Alltag ihr Auto kaputtgeht, dann müssen Sie es entweder
reparieren lassen oder ein neues kaufen.

Wenn Sie mit Ihrer Modellbahn ein Problem oder gerade keine Lust darauf haben, dann lassen Sie diese eine Weile links liegen, notfalls einen ganzen Sommer lang. Es gibt hier eben gerade nicht diesen
Stress, der unser übriges Dasein oft so hektisch macht.
Man kann einem Problem auf den Grund gehen wollen, vielleicht sogar einen ganzen Tag dranhängen, an dem man nicht arbeiten muss. Aber die Betonung liegt auf 'kann'. Und das ist völlig anders, als es
normalerweise z.B. im Berufsleben vorkommt.
Es gibt Menschen, die können stundenlang eine schöne Landschaft betrachten und sich dabei erholen. Oder sogar mit guten Freunden/innen zusammensitzen und für längere Zeit schweigen. Für mich wäre
das nichts, ich brauche etwa zum knabbern, am liebsten ein technisches Problem.
Natürlich eben keinen Defekt im Haus, der nach einer Reparatur binnen kürzester Zeit schreit. Nein, auch ich möchte die Ruhe genießen und ausnahmsweise einmal arbeiten, wann ich das will. Hier kann dann
wirklich Arbeit Spaß machen.
Selbst bei der Arbeit im Haus kann man nicht immer die eigenen Lösungen zelebrieren, auch wenn man hundertprozentig davon überzeugt ist, dass sie optimal sind. Kommt ein Fachmann hinzu oder will man
das Haus je verkaufen, kriegt man dafür Abzüge.

Macht man das auf der eigenen Modellbahn, so ist das nicht so schlimm. Es ist ohnehin besser, man vererbt seine Anlage, dann hat man gar kein Problem damit. Und wenn es anders kommt, gibt es ohnehin
Abzüge und die sind natürlich im Vergleich zu einem Hausverkauf marginal.
In die eigene Modellbahn kann man sich spielend hineinträumen, man hat sie ja schließlich selbst geschaffen. Endlich einmal nicht etwas z.B. von der Werbung Vorpraktiziertes. Man erobert die
Meinungsführerschaft über das eigene Tun, mit allen Höhen und Tiefen.
Die Welt ist schon so, dass es gut ist, wenn man sich bisweilen zurückziehen kann. Das muss nicht unpolitisch werden. Das heißt nicht, dass man den Kopf einzieht und die anderen machen lässt. Man
betritt die Welt der Modellbahn und verlässt sie wieder, bestärkt.
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