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Villa im Tessin


Unsere Villa von der besseren Seite . . .


Damit weiß jede(r) etwas anzufangen, der/die sich schon etwas länger im Bereich Modellbahn tummelt. Es kommt sofort die Firma Faller ins Spiel. Wie kommt die eigentlich ins Faller-Sortiment? Ganz einfach, es gibt dazu ein Original.

Das entdecken Edwin und Hermann Faller vermutlich 1960 in Ambri, im südlichen, italienisch sprechenden Kanton Tessin eine moderne Villa und beschließen, diese für 1961 als Modell nachzubauen. Es wird eine Erfolgsgeschichte.

Warum wohl? Vermutlich wissen viele Käufer/innen gar nichts davon, dass es diese Villa überhaupt gibt und auch nicht, dass der Tessin eher ein schweizerisches als ein norditalienisches Gebiet ist. Er wird wohl mit den Südalpen gleichgesetzt worden sein.

Die 60er Jahre. Man hat den Hunger überwunden und kann sich wieder gut kleiden, jetzt tritt das Reisen auf den Plan. Und natürlich ist der Süden im Bereich der Begierde. Berühmt der Film, wo der luftgekühlte VW-Käfer in den Bergen an so manchem kochenden Fahrzeug vorbeizieht.

Und wer sich keine Reise in den Süden, wenn auch nur mit Zelt, leisten kann, stellt sich die Villa im Tessin B-271 auf die Anlage oder kauft sie sogar solo, für 4,75 DM als Bausatz und 15,00 DM als Fertigmodell, heute 44,99 €. Es sollen bis heute ca. 400.000 Bausätze verkauft worden sein.

Die Anleitung für den Bausatz besteht nur aus sechs Seiten in Schwarz-weiß, wird aber aus heutiger Sicht als einigermaßen schwierig angesehen. Schon das deutet darauf hin, welche Mühe sich die Leute für einen Bausatz gemacht haben.

Wenn bestimmte fertige Modelle recht unterschiedlich daherkommen, dann liegt das an der Möglichkeit, sie mit beiliegenden Folien zu bekleben. Neben den schon bekannten z.B. für Gardinen kamen bei B- 271 erstmals aufklebbare/bedruckte Fassadenelemente hinzu.

Das Original muss ohnehin nicht exakt so ausgesehen haben. Man kann es sich in veränderter Form heute noch in Güdenbach (Bild unten) ansehen. Hermann Faller muss so begeistert von dem Haus gewesen sein, dass er es sich zuhause nachbauen ließ.


Foto: Andreas Schwarzkopf, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Das Haus selbst war gerade erst 1958 errichtet worden und für eine Bergregion ziemlich radikal. Der bisweilen erwähnte Giovanni Guscetti war nicht der Architekt, sondern der Bauherr. Konzipiert wurde es von seinen Cousins Aldo und Alberto Guscetti.

ChatGPT: Besonders raffiniert ist, dass die beiden oberen Gebäudeteile nicht auf derselben Höhe liegen: Der talseitige Teil mit Terrasse, Bad und drei Schlafzimmern liegt 72 Zentimeter höher als der Wohnbereich. Dadurch entsteht diese ungewöhnliche, fast skulpturale Staffelung.

Es ist schon seltsam. Heute gilt die Villa als bemerkenswertes Zeugnis Tessiner Architektur, während sie damals in der Leventina keineswegs willkommen war. Das lag auch daran, dass sie bewusst an die amerikanische Architektur von Frank Lloyd Wright angelehnt war.


Foto: Arbalete, 30. September 2020, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Nicht nur die Nachbarn, auch wir haben große Schwierigkeiten mit der Villa im Tessin auf unserer Anlage. Sie passt so überhaupt nicht zu unserer Fachwerk-Romantik. Vielleicht graben wir ihr einen Platz frei auf einem unserer beiden 'Gebirge'.










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