Blick nach Bayern

Das tun wir von Zeit zu Zeit immer wieder gerne. Unser bayerischer Bestand ist langsam aber steig gewachsen. Im Moment kommt uns der Blick nach Bayern gerade recht, da es ein Projekt gibt, dass uns ein
wenig von unserer im Moment rauen Wirklichkeit abwerben könnte.
Sie merken schon, für einen bayerische Lokalzug auf der Versuchsanlage ist immer noch ein wenig Zeit. Ist ja auch ein schöner Anblick. Aber kommen wir doch einmal zu einer Begründung für diese
Zusammenstellung einer E-Lok mit dem Vorortzug.
Da ist zunächst die Überraschung der Elektrifizierung zu so einem frühen Zeitpunkt. Man hätte doch eher gedacht, dass die in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen hätte. Und warum denn
ausgerechnet in Bayern.
Wie Sie wissen, ist Bayern zu großen Teilen ein eher bergiges Land. Da braucht z.B. eine Dampflok viel Kohle und auch Wasser, was eine E-Lok nicht mit sich herumschleppen muss. Bayern hatte für die
Elektrifizierung die Gebirgsbahnen im Sinn.
1908 Bewilligung des Bayerischen Landtags zur Elektrifizierung:
- Mittenwaldbahn Richtung Garmisch/Mittenwald,
- Freilassing-Bad Reichenhall,
- Bad Reichenhall-Berchtesgaden.
Wir können daraus nur entnehmen, dass E-Loks wie die oben dargestellte besonders geeignet sind für starke Steigungen, viele Kurven und häufige Anfahrten. Noch bis vor kurzem diente die Nachfolger der
oben dargestellten Lok (E 194) der DB als Anschieber bei Bergstrecken.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund und der liegt in der Energieversorgung. Kohle musste in Bayern aus anderen Regionen herbeigeschafft werden, während elektrische Energie z.B. durch Wasserkraft
genügend vorhanden oder zumindest geplant war.
1912 wurde die Mittenfeldbahn von Innsbruck über Seefeld nach Garmisch-Partenkirchen eröffnet. Österreich war sogar ein wenig schneller als Bayern bei der Bewirtschaftung, die man laut ChatGPT zunächst
allein durch den Einsatz der kkStB-Reihe 1060 betrieb.
Sie merken schon, Schienen für Dampfloks kann man bis zur Grenze ziehen, sobald man sich über die Spurweite geeinigt hat. Beim Bahnstrom muss man sich noch zusätzlich einigen. Preußen, Bayern und
Baden haben das 1912 getan (16 2/3 Hertz).
Es sind also nicht die 50 Hertz, die wir von unserem Hausnetz gewöhnt sind, einfach andere Erfordernisse bei 15.000 V Einphasen-Wechselstrom, der einzigen Möglichkeit bei nur einem Fahrdraht über den
Gleisen. Auch der Abstand ist mit 6 m geregelt.
Wie weit war man denn in Bayern vor dem Übergang in die Reichsbahn mit der Elektrifizierung? In Dienst gestellt wurden, anders als die im Bild oben dargestellte E 71, insgesamt vier Lokomotiven der
Baureihe E 36, der bayerischen EP 3/6 (Video unten), mit 6 Achsen, davon 3 treibende 1914/15.
| Die mittlere der drei treibenden ist zur besseren Kurvengängigkeit seitlich verschiebbar.
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Sie waren die Versuchsloks auf der gerade erst elektrifizierten, recht kurvenreichen Strecke zwischen Salzburg über Freilassing nach Berchtesgaden. Die Stromabnehmer mussten wegen des Einbaus eines
Heizkessels auf der anderen Seite zusammenrücken.
Das Vorhandensein eines Heizkessels deutet auf das Einsatzgebiet als Lok für Personenzüge hin, mit ihrer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auch nur für lokale Züge geeignet. Der mechanische Teil
stammt von Krauss in München, der elektrische von Siemens-Schuckert.
Von Wikipedia erfahren wir, dass sie wegen ihrer noch relativ neuen Technik 1916 immerhin vor dem königlichen Hofzug eingespannt gewesen sei.
Berhard Ücker erwähnt in seinem Buch 'Endstation 1920' die Behauptung, dass 'ohne den Ersten Weltkrieg der bayrische Bahnbetrieb Ende der dreißiger Jahre etwa kaum noch Rauch oder Auspuff gekannt
hätte'.
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