 In 8 Tagen um die Welt (2)

kfz-tech.de/YMB13
Im ersten Kapitel dazu haben wir Ihnen eine Geschichte von der Umrundung der Erde mit einem besonders schnellen Elektroauto erzählt. Aus 80 Tagen um die Welt sind 8 geworden. Oben das Video, das uns
überhaupt erst auf die Spur gebracht hat.
Zugegeben, darin haben wir beim ersten Anschauen nichts gefunden, was uns an der Sinnhaftigkeit des Unternehmens hätte zweifeln lassen. Alle Fragen wurden absolut zufriedenstellend beantwortet. Aber
vielleicht sind auch wirklich nicht alle Fragen gestellt worden.
Wir sind die Zahlen noch einmal durchgegangen und zu anderen Ergebnissen gekommen. Nein, keine Sorge, die Sache hat so stattgefunden. Ob sie aber auch nur irgendeinen Sinn macht, daran sind uns
Zweifel gekommen, auch, ob man in der Alltagspraxis etwas davon hat.
Gehen wir von den 40.000 Kilometern aus, die in knapp 8 Tagen zurückgelegt wurden. Das sind 200 Stunden und man erhält durch Division eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 200 km/h. Das ist bei den
kommunizierten 300 km/h während der Fahrphasen schon verwunderlich.
Das heißt doch nichts anderes, als dass ein Drittel der gesamten Tour Unterbrechungen waren. Stellen Sie sich vor, Sie fahren zwei Stunden, um dann eine Stunde Pause zu machen. Und so kommt man
einmal um die ganze Welt?
Ja, kommt man. Der Schwerpunkt wurde bei diesem Fahrzeug offensichtlich eher auf die Lade- und Rekuperationsfähigkeit gelegt. Jetzt erfahren Sie endlich einmal, wobei der Allradantrieb beim Elektroauto auf
unseren gut ausgebauten Straßen in Wirklichkeit nützlich ist.
Aber wie ist der Angriff auf die vielen Rekorde eigentlich wirklich abgelaufen? Die Runde hat gut 12 km Länge. Durchfährt sie ein Auto mit 300 km/h, dann braucht es 3600 geteilt durch 300 gleich 12 Sekunden
für den Kilometer und etwa 150 Sekunden oder 2,5 Minuten für eine Runde.
Jetzt nehmen wir einmal trotz 1.000 kW Peak die Leistungsanforderung bei 300 km/h nur sehr gering mit 500 kW an. Das wären 680 PS. Der Bugatti hat damals mit etwa 735 kW (1000 PS) immerhin 400
km/h geschafft und bestimmt keinen cW-Wert von knapp 0,2 gehabt.
Diese 500 kW/h teilen sich bei 24 Runden pro Stunde in knapp 21 kWh pro Runde auf. D.h. man muss sich entscheiden, ob man das Auto nach 3 Runden (63 kWh) oder 4 (84 kWh) wieder hereinholt. An fünf
Runden glauben wir nicht, denn dann hätte die Batterie plus 20% Zugabe rechnerisch über 131 kWh.
Wir gehen also davon aus, dass die Batterie, eine Weiterentwicklung von NMC zusammen mit Aluminium, nur um ca. 80% geladen wird, also höchstens knapp 100 kWh Kapazität netto hat. Da Mercedes
diesen Wert nicht preisgibt, könnte er vielleicht sogar noch geringer sein.
Man wird wohl sehr genau überlegt haben, wie stark sich das Gewicht und die Höhe der Batterie in Reichweite ummünzen lässt. Zu vermuten ist auch eine Optimierung, welche die Stufung auf dem Straßenring
bei Nardo berücksichtigt.
Alles zusätzliche Arbeit, von denen der/die Kunde/in letztlich nichts hat. Das Auto besteht diesen Extremtest durch schnelles und effektives Laden, nicht durch Reichweite. Der Gedankensprung zur
Erdumrundung ist rein fiktiv, wenn auch als Event nicht schlecht überlegt.
Bei dem gleichen Test mit einem Verbrenner würde viel Energie durch das Beschleunigen nach den vielen Pausen verloren gehen, beim E-Auto holt man die zwar nicht ganz, aber doch in hohem Maße wieder
herein. Aber wie fährt jemand 7,5 Minuten 300 km/h, um dann knappe 4 Minuten lang zu stehen?
Das geht anscheinend nur mit 17 Leuten pro Tag und 23 Reifenwechseln für die Gesamtstrecke. Wie lange halten Ihre Reifen bei einer Strecke von 40.000 km? Und die kurzen Ladepausen sind wohl auch nur
möglich, weil Nardo inzwischen Porsche gehört und entsprechend umgebaut wurde.
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