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Mercedes - Carl Benz



Er ist 1843 in Karlsruhe geboren, 9 Jahre jünger als Gottlieb Daimler und er wird ihn um 29 Jahre überleben. Sie mögen, z.B. anlässlich gerichtlicher Auseinandersetzungen, voneinander gewusst haben, aber getroffen haben sie sich nie. Bis auf ihre Zielstrebigkeit als Erfinder und dem entsprechenden Fachwissen sind sie grundverschieden. Die Vorfahren von Daimler waren mittelständische Geschäftsleute einer Kleinstadt, die von Benz mehrere Generationen lang Schmiede und z.T. Bürgermeister des Klosterdorfes Pfaffenrot im Albtal (Baden Württemberg).

Mit zwei Jahren verliert er seinen Vater, einen der ersten Lokomotivführer überhaupt. Der hat sich im Beruf nach Hilfe für einen Kollegen im offenen Führerstand so stark erkältet, dass er an Lungenentzündung stirbt. Fortan ist Benz allein mit seiner Mutter, die trotz bescheidener Rente und einem nur kleinen Erbe alles tut, dem Jungen eine gute Ausbildung zu sichern. Der schwärmt schon früh von der Eisenbahn, wie soll es bei dem Vater auch anders sein. Übrigens, ausgerechnet die Eisenbahn war gerade nicht Daimlers Ding, obwohl zwei Mal in einer Firma mit hohem Renommee auf diesem Gebiet angestellt.

Mutter und Sohn wollen hoch hinaus und obwohl das Gymnasium, das damals noch Lyzeum heißt, Schulgeld, Uniform und Ausstattung kostet, schafft es die tapfere Mutter immer wieder, das Geld für den Sohn aufzutreiben. Wer sich die Autobiografie von Benz ansieht, die hier für einen lächerlichen Betrag und schnell als E-Book heruntergeladen werden kann, der sieht diese erfüllt von einer nicht enden wollenden Dankbarkeit ihr gegenüber. Das besondere Verhältnis hat wohl auch zur Folge, dass Benz einen bestimmten Radius der heimischen Gegend bis auf einen Aufenthalt in Wien nie wirklich verlassen hat.

So unterscheidet ihn nicht nur frühe Schulbildung, sondern auch dessen größere Reiselust ganz erheblich von Daimler. Carl Benz ist ein Naturmensch trotz einer starken naturwissenschaftlichen Begabung. Unglaublich, womit er alles außerhalb der Schulzeit experimentiert. Er erwähnt Chemie-Experimente mit den klassischen Folgen von kleinen bis mittleren Explosionen, die fünf Taschenuhren, die ihm sein Vater hinterlassen hat und die er teilweise ruiniert, um ihre Funktion zu verstehen. Immerhin bringt er es hernach zu einem ganz brauchbaren Reparateur auf diesem Gebiet. Er baut sich eine einfache Kamera, fotografiert Natur und Menschen gegen Geld.

Mit 17 wechselt er auf das Polytechnikum Karlsruhe, etwa ein Jahr, nachdem es Daimler erfolgreich verlassen hat. Es ist die Zeit, da sich auch dort Techniker fragen, was wohl nach der Hochzeit der Dampfmaschine kommen wird, ohne jedoch eine Antwort parat zu haben. Nur kurz nach dem Ende seines Studiums wird die Lehranstalt in den Rang einer Technischen Universität erhoben. Benz würdigt neben zwei Professoren besonders den praktischen Werkstattunterricht. Der schützt ihn aber nicht davor, sich trotz seiner bescheinigten Fähigkeiten als Ingenieur zur Erlangung weiterer praktischer Fähigkeiten einen Job als eine Art Lehrling suchen zu müssen.

Folgerichtig arbeitet er ab 1864 in der Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe schwer. Von 6.00 bis 19.00 Uhr mit einer Stunde Mittagspause scheint für die Zeit normal zu sein. 'Lehrjahre sind keine Herrenjahre' zitiert er selbst. Übrigens übernimmt drei Jahre nach Benz Gottlieb Daimler die schon erwähnte Leitungsfunktion dort. Nach Feierabend findet Benz noch Zeit für seine Idee des pferdelosen Wagens, natürlich nur theoretisch, z.B. auf Zeichenpapier. Mit letzterem arbeitet er dann nach zweieinhalb Jahren auch hauptberuflich, nämlich vermutlich deutlich besser bezahlt beim Technischen Büro Schweitzer in Mannheit. Allein der einmal implementierten Idee bleibt er treu.

1870 stirbt seine Mutter.

Während seiner nächsten Anstellung bei den Gebrüdern Benckiser lernt er in Pforzheim seine spätere Frau Berta Ringer kennen. Die heiratet er 1872 und hat fortan jemanden an seiner Seite, den er wieder und wieder als Glücksfall bezeichnet, z.B. als für das schwierige Erfinderleben unbedingt notwendige Rückenstärkerin. Vermutlich auch zum Schritt in die Selbstständigkeit 1871, diesmal wieder in Mannheim. Stationäre Zweitaktmotoren, im Laufe der Zeit immer aufwendiger konstruiert, mit den neuen Viertaktern sogar im Minimieren des Verbrauchs wetteifernd, werden für lange Zeit das Rückgrat des Erfinders bilden. Doch zuerst müssen sie einmal laufen lernen.

Und hierhin gehört jetzt unbedingt die vergnügliche Schilderung der berühmten Silvesternacht, dem nach Fertigstellung der Maschine offenbar wochenlanges Probieren vorausgegangen war. 'Den letzten Groschen hatten wir bei den langwierigen Versuchen hineingesteckt in den embryonalen Zweitakter. Und die Sorge stand vor der Tür'. Vermutlich hatte man sich mit dem unrühmlichen Ausklang des Jahres abgefunden, als seine Frau nach dem Nachtessen den Vorschlag macht, doch noch einen weiteren Versuch zu starten.

Sie werden es nach dieser Vorbereitung ahnen, der Motor ist endlich zu einer Aufnahme regelmäßiger Zündungen auch ohne weitere Hilfe von außen bereit. Man kann ahnen, dass kein anderes irgendwie geartetes Geräusch das Glück der beiden so hätte perfektionieren können wie der gleichmäßige Gang der Maschine. Und zu allem Überfluss beginnen auf dem Rückweg aus der kleinen Werkstatt ins Haus auch noch die Glocken das neue Jahr einzuläuten.

Nein, Glück ist mitunter nicht von langer Dauer, besonders bei Selbstständigen und dazu noch Erfindern. Wer weiß denn außer den beiden von dem nach und nach gut funktionierenden Motor? Es hat also noch eine Durststrecke gegeben, bis der Motor genügend Abnehmer fand. Und als der Erfolg sich endlich einstellt, fehlt es an Mitteln für die Produktion. So etwas löst man mit der Bildung einer Aktiengesellschaft, die frisches Kapital, aber auch das Mitreden von Hauptaktionären bringt.

Sie ahnen schon wieder, es ist schief gegangen. Übrigens eigentlich schon zum zweiten Mal. In der Autobiographie des Carl Benz kommt August Ritter nicht vor. Dabei ist er der Mitbegründer der ersten Firma, den 'Carl Benz und August Ritter, Mechanische Werkstätten'. Es hat während der länger andauernden Entwicklung des Zweitaktmotors wohl Schwierigkeiten wegen weiterer Geldforderungen an Ritter gegeben. Man kann das Problem dadurch lösen, das Berta Ringer ihren Vater um die Freigabe des Heiratsgutes bittet und damit Ritter auszahlt.

Die dann aufgelaufenen Schulden werden durch freundliche Gaben des Hoffotografen Emil Bühler ausgeglichen, später kommt noch der Kaufmann Otto Schmuck hinzu, so dass irgendwann die Aktiengesellschaft auch die Gläubiger zu Teilhabern macht. Natürlich bringt Carl Benz sein Knowhow und seine Hardware ein, was einer Bewertung unterzogen und angerechnet wird. Allein, er wird letztlich alles verlieren, weil nach seiner Meinung immer wieder seine Fachkompetenz zu wenig Beachtung findet. Er kann sich mit den übrigen Entscheidungsträgern nicht einigen und verlässt seine von ihm mitgegründete Firma.

Damit haben er, seine Frau und seine inzwischen vier Kinder praktisch ihr gesamtes Vermögen verloren. Nur die alte, allerdings leere Werkstatt bleibt ihnen, aus der die Firma inzwischen in größere Gebäude umgezogen ist. Die produziert natürlich noch eine gewisse Zeit weiter und stellt eine den Neuanfang gefährdende Konkurrenz dar. Der wird trotzdem mit zwei neuen Partnern ab 1883 realisiert. Es wird ein Erfolg, der 1885 sogar den Umzug in größere und erweiterungsfähige Gebäude erfordert. Der Patentmotorwagen ist ebenfalls fertig zu einer Vorführung im Hof. Von der angeblichen Fahrt gegen eine Mauer ist in den Memoiren nur andeutungsweise die Rede.


Angetrieben wird das trotz nur drei Rädern als erstes Auto der Welt geltende Fahrzeug (Daimler hat seine umgebaute Kutsche nicht patentieren lassen) von einem über der Hinterachse liegenden Viertaktmotor mit 984 cm3 Hubraum, 0,88 PS bei 400/min und 93 kg Gewicht. Er treibt ein ebenfalls liegendes Schwungrad, mit dessen Hilfe er auch angeworfen werden kann. Das Drehmoment wird auf einen Riementrieb auf eine vor der Hinterachse liegende Welle mit Differenzialausgleich übertragen für die beiden kettengetriebenen Hinterräder.


Durch seitliches Verschieben des Riementriebs ist ein Leerlauf und auch eine Bremsung möglich. Zumindest spätere Versionen haben hier auch zwei Gänge realisiert, einer bis 8 km/h und einer bis 16 km/h. Das gesamte Fahrzeug wiegt nur 263 kg. Seine Sitzbank bietet Platz für zwei Personen. Das einzelne Vorderrad wird direkt über eine Kurbel gelenkt. Das nur eine Vorderrad resultiert aus der Furcht von Benz vor zwei gelenkten Rädern und deren exakter Justierung in Kurven. Benz kommt zugute, dass der Ottomotor per Gerichtsbeschluss nicht mehr länger geschützt ist.


Wesentlicher Unterschied zu Ottos und Daimlers Motor ist die elektrische Zündung, die mit Hilfe einer Batterie und Hochspannungsspule weit über 1.000 V an zwei feststehenden Platinspitzen erzeugt. Der Oberflächenvergaser wurde erheblich weiterentwickelt, wodurch eine Versorgung mit immer gleich flüchtigem Benzin (Ligroin) gewährleistet ist. Die Kühlung hat angeblich eine Kondensation mit Ringschluss, wobei allerdings noch lange Zeit später von enormem Nachfüllverlangen die Rede sein wird.









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