Das R1234yf-Problem

kfz-tech.de/YKl17
Wie man eine Niederlage in einen Sieg verwandelt, das kann man vielleicht von der Firma ZF lernen, Jahrzehnte lang einer der Top-Zulieferer natürlich nicht nur für die deutsche Automobilindustrie. Weltweit
bekannt als Spezialist für Getriebe.
Aber das greift viel zu kurz. Man ist auf vielen Feldern zuhause, wie u.a. das Video oben zeigt. Am Ende wird man auch noch einer der größten Zulieferer für Lenkungen, die ja trotz vollmundiger
Ankündigungen immer noch nirgendwo völlig ohne mechanische Verbindung zu den Vorderrädern auskommt.
Die Firma muss sich neu erfinden, obwohl auch ein E-Fahrzeug eine Lenkung braucht und genau zu diesem Bereich bietet das Video oben eine ganze Menge. Wir aber haben für Sie einen besonderen
Einstieg in ein scheinbar unwichtigeres Thema gewählt.
Es geht um eine kleine, nicht sehr Aufsehen erregende Erfindung zum Thema Klimaanlage, hier wohl nur gedacht für die E-Mobilität. Kaum jemand nimmt noch Notiz davon, dass es sich bei den derzeit
weltweit in Neufahrzeugen vorkommenden um ein echtes Ärgernis handelt.
Unser Auto hat auch diese ominöse Befüllung. Es geht um das Kältemittel mit der seltsamen Bezeichnung R1234yf. Es in gewisser Hinsicht mit Recht der Nachfolger von R134a, das wir z.B. noch in
unserem vorigen Auto hatten.
Trotzdem sind wir nicht glücklich damit, weil das Neue in Bezug auf die Klimabilanz zwar wesentlich umweltfreundlicher, aber auch brennbarer ist. Das allein reicht aber nicht, um es abzulehnen.
Wir müssen das gar nicht aufdröseln. Es reicht uns, dass Daimler Benz sich bis an den Rand einer Bestrafung geweigert hat, seine Fahrzeuge mit diesem Kältemittel zu befüllen. Der Hersteller hatte bei Tests
festgestellt, dass die leicht mögliche Entzündlichkeit im Kfz einherging mit der Bildung von hochgiftiger Flusssäure.
Wir nehmen jetzt hier einmal das amerikanische Unternehmen Honeywell als Produzenten an, der aber inzwischen auch schon Lizenzen vergeben hat. Unser Fazit; Hätte man, so wie jetzt ZF, umfassender
und ohne das lockende Monopol über die Sache nachgedacht, man hätte anders gehandelt.
ZF empfiehlt Propan, das schon damals als R 290 eine Einstufung als Kältemittel hatte. Wenn man die ebenfalls hier vorhandene Brennbarkeit in den Griff kriegt, hat Propan nur noch Vorteile, u.a. noch größere
Umweltfreundlichkeit, vom Preisvergleich mit R1234yf gar nicht zu reden.
Propan gibt es inzwischen schon als Kältemittel in Haus-Klimaanlagen. Hier ist die Menge an Propan im Verhältnis zur Menge an Luft in Räumen, in die es vollständig entweichen könnte, so klein, dass ein zündfähiges
Gemisch unmöglich wäre.
Jetzt ist man bei ZF auf die relativ einfache Idee gekommen, die erforderliche Menge im Auto im Verhältnis ebenso gering zu halten. Oben im Video sehen Sie, dass der Kältekreislauf unglaublich klein ist.
Entsprechend gering auch die Gefahr, im Innenraum ein brennbares Gemisch zu bilden.
Sehen Sie es sich genau an, die Menge entspricht etwa der Hälfte des Inhalts einer kleinen Campinggas-Kartusche. Da kann sich also auch bei einem schweren Unfall gar nichts entzünden oder gar
explodieren.
Und es gibt noch einen erfreulichen Umstand, den das Kfz-Gewerbe sicher nicht erfreuen wird, denn Anlagen mit Propan darf quasi jeder betreuen. Man braucht kein teures Gerät und auch keine Befähigung zur Arbeit an
Klimaanlagen samt Sicherheitseinweisungen.
Denn jetzt geht es schon wieder los, besonders, weil die Kosten für das Kältemittel R1234yf so in die Höhe geschossen sind. Manche versuchen, sich mit einer nachgekauften Dose und einer einfachen
Manometer-Prüfeinrichtung selbst zu helfen.
Die Unsitte hat sich also von R134 auf R1234yf übertragen. Unsitte deshalb, weil mit den üblicherweise in der Werkstatt anzuschließenden Geräte (übrigens auch teurer geworden) ein Füllvorgang erst nach einer
erfolgreichen Prüfung auf Dichtigkeit möglich ist.
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