Vietnam 2

Es wird also spannend. Wie kriegt diese zierliche Frau das Gefährt in ihre Werkstatt? Das ist nämlich nicht immer nur ein 0,5 Tonner wie in diesem Fall. Das kann auch ein großer Bus oder Lkw sein. Entweder sie hat
einen Führerschein auch für diese Gefährte, oder es gibt keine Unterscheidung.
Was man als Beobachter nicht mitbekommt, ist ihr sehr genauer Blick auf alles, was da fehlt. Danach wird der Lastkarren gepackt. Wichtigstes Ersatzteil ist die fast immer nötige Batterie und wenig, aber immer
ausreichende Werkstattausrüstung.
Dazu gehört ein Kompressor, obwohl es in der Regel vor Ort keinen Strom gibt. Es reicht aber der Kesseldruck, um z.B. dem Staub in der Kabine so weit zu Leibe zu rücken, dass man einigermaßen sitzen kann. Auch bei
Arbeiten am Motor ist der bisweilen sinnvoll.
Es folgt ihr unvermeidlicher Akku-Schrauber, mit dem eine schier unendliche Zahl von Schrauben gelöst bzw. angezogen wird, darunter auch so zart zu behandelnde wie die der Blinkergläser. Also Schlitz-, Kreuzschlitz und
sogar überdimensional große Radschrauben, alles in Windeseile mit diesem Gerät.
Man geniert sich geradezu, wenn man noch einen Schlüssel oder Schraubenzieher benutzt. Auch die schwierigsten Stellen scheinen mit diesem Gerät erreichbar zu sein, notfalls mit rasend schnell aufgesteckter
Verlängerung.
Suchen nach der richtigen Nuss, beinahe ausgeschlossen. Anscheinend unlösbare Schrauben am Abgaskrümmer, Fehlanzeige, abgerissene Bolzen scheint es nicht zu geben. Anbei auch ein Wort zu der unglaublichen
Solidität dieser Fahrzeuge japanischer oder koreanischer Herkunft.
Da stößt ein Motor beim Starten schluckweise Kühlmittel aus dem geöffneten Kühlkreislauf. Dessen Kopf wird mit nicht immer leichter Zugänglichkeit halb vom Fahrerhaus innen, halb dahinter ausgebaut, erhält nur
eine gründliche Reinigung der Dichtflächen und eine neue Dichtung.
Wir haben aber nur die eine gesehen, z.B. keine neue für den Ansaugkrümmer. Der Zylinderkopf ist also nicht ansatzweise auf Ebenheit kontrolliert, geschweige denn geplant worden und ist nach dem Zusammenbau so,
als wäre er nie massiv undicht gewesen.
Jetzt sind wir aber schon bei einem der härtesten Fälle, das Fahrzeug wieder flott zu kriegen. Normal reicht der Ersatz platter oder fehlender Reifen, die nicht selten per Lastenkarren zugeliefert werden. Dann wird die neue
selbst mitgebrachte Batterie eingebaut.
Es kann auch ein Starter oder sogar der Vergaser fehlen. Oft reicht aber bei letzterem eine Demontage und gründliche Reinigung, natürlich wieder ohne neue Dichtungen. Die Zündkerzen streiken öfter, werden
entweder gereinigt oder durch neue ersetzt.
Dann müsste der Motor eigentlich starten, oder im Armaturenbrett zumindest Strom vorhanden sein. Ist aber nicht, weil irgendjemand in den Kabelbaum einen Fehler eingebaut oder an der falschen Stelle getrennt hat. Es
ist erstaunlich, wie schnell der Fehler gefunden wird.
Auch die Methode der Verbindung von Leitungen verdient Beachtung: Weit genug mit der Schere abgelängt, oft genug verdrillt, mit genügend Isolierband umwickelt und dieses bisweilen per Feuerzeug verdichtet. Oft
besorgen Nachtanken, elektrische Kraftstoffpumpen und -filter den Rest zum Motorstart.
Sonderbehandlung erfahren unwillige Dieselmotoren. Was man besonders loben muss, ist die sorgfältige Reinigung von Leitungsanschlüssen vor der Demontage oder nur dem Lösen, um zu sehen, ob Sprit kommt.
Solcherart wird dann entlüftet, kombiniert mit der Handpumpe.
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