Leistung nur auf dem Papier?

Wie schon oft erwähnt fahren wir einen zwar noch relativ neuen, aber doch schon alten Hyundai Kona electric. In regelmäßigen Abständen berichten wir mit großem Vergnügen über alte Porsche. Jetzt werden
Sie sich fragen, was das miteinander zu tun hat.
In der Porsche-Reihe erreichten wir dereinst den 911 SC. Er kam im Modelljahr 1978 auf den Markt und ersetzte die 911er und Carrera Modelle. Seine Leistung stieg von 132 kW (180 PS) bis zu 150 kW in den
Jahren 1981-23.
Und da wurden wir das erste Mal stutzig, denn seltsamerweise wird unser Elektroauto mit der gleichen Leistung angegeben. Sollten wir einen Porsche unter dem Hintern und dafür tatsächlich nur einen
Bruchteil des Preises auf den Tisch gelegt haben?
Werden von einem Elektromotor andere kW (PS) erzeugt als von einem Dreiliter Verbrenner? Wir können es nicht wirklich beurteilen, sind (leider) nie so einen Boliden gefahren, aber auch schon mit der
Leistung unseres Kona mehr als zufrieden.
Wenn Sie meinen, wir sollten uns beruhigen, müssen wir Sie enttäuschen. Wir fangen gerade an, uns aufzuregen. Denn beim Durchstöbern der Zulassungsbescheinigung Teil 1 stoßen wir auf:
P.2.:28 kW/30 min, 150 kW Nennleistung * Batteriekapazität 180 Ah*.
Was denn nun, hat er 150 oder gar nur 28 kW, und die nur 30 Minuten lang? Das soll also die höchste 30-Minuten-Leistung des elektrischen Systems sein, angeblich eine gesetzlich definierte Messgröße,
sehr präzise oder ebenso unbrauchbar.
Soll heißen, der untersuchte Kona hat, eine halbe Stunde lang unter Volllast getestet, nur 28 kW, also etwa 38 PS geschafft. Kann doch nicht sein, denn in dem gleichen Teil 1 ist die Höchstgeschwindigkeit
mit 167 km/h angegeben, mit 28 kW unmöglich.
Oder ist die Höchstgeschwindigkeit eben gerade nicht für die Dauer von 30 Minuten garantiert? Das wäre aber ein riesiger Rückschritt. Wir hingegen sind uns sicher, mindestens eine halbe Stunde lang mit
dem Auto Geschwindigkeiten gefahren zu sein, die mehr als 28 kW benötigen.
Was diese Leistungsangabe soll, ist also schlicht nicht nachzuvollziehen. Das gilt aber umso mehr bei den angegebenen 150 kW (204 PS). Früher hat man sein Auto mindestens ein Mal in dessen Leben
'ausgefahren'. Da wüsste man, welche Geschwindigkeit der Wagen ungefähr zu erreichen hatte.
Das ist mit der Abregelung der Geschwindigkeit heutzutage nicht mehr möglich. Und während bei den völlig unpraktikablen 28 kW wenigstens noch die Dauer der Erbringung angeben wird, ist das bei der
sogenannten Peak-Leistung nicht der Fall.
So langsam kommt uns der Verdacht eines übergroßen Lobbyismus. Ganz früher musste ein Hersteller für die verschiedenen Leistungsklassen seiner Modelle wegen des enormen Aufwandes beim
Motorenbau tief in die Tasche greifen.
Mit dem Turbolader konnten durch verschiedene Einstellungen des Ladedrucks Motoren verschiedener Leistung entstehen. Heute kann man das per Software lösen und niemand kann wirklich nachprüfen, ob das
leistungsfähigere und damit teurere Triebwerk nicht unverändert bleibt.
Es würde dann einfach schneller die Temperatur zur Reduzierung der Leistung erreichen. Und niemand merkt es. Nur die Beschleunigung wäre etwas besser, aber es würden nicht mehr so viele beste
Beschleunigungen durchgehalten.
Jetzt wissen Sie, warum Tester z.T. anscheinend völlig unsinnig mehrere Beschleunigungen hintereinander durchführen. Aber eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Modellen ermöglicht das auch noch
nicht, weil bei der Beschleunigung viele Faktoren eine Rolle spielen.
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