Suche

A     B     C     D     E     F     G     H     I     J     K     L     M     N     O     P     Q     R     S     T     U     V     W     X     Y     Z



  F7     F9


 Buchladen

 Aufgaben/Tests

 Formelsammlung

 Motoröl-Finder




  Karosserie - Entwicklung 2



Ein Sprung in das Jahr 1924 macht Sinn. Seit 1914 tobt der Erste Weltkrieg und danach die Hyperinflation, die mit der Einführung der Rentenmark endet. Es hat zwar wesentlich weniger für die Automobilwirtschaft spürbare Kriegsvorbereitung als vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben, höchstens beim Kauf von Lkws, aber entscheidende Stilrichtungen, besonders für die deutsche Automobilindustrie, sind nicht zu verzeichnen.

Das ändert sich beinahe schlagartig, als wieder mehr Autos gekauft werden und man z.B. mit den Amerikanern konkurrieren muss. Unglaublich, welche Entwicklung die dortige Automobilindustrie genommen hat. Dabei waren die Voraussetzungen wesentlich ungünstiger. Um 1900 dominieren außer Kutschen Dampf- und Elektrofahrzeuge, letztere weil ohnehin kein Überland-Straßennetz vorhanden ist. Man hat dafür die Eisenbahn.

Das Selden-Patent, das allen Produzenten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren Gebühren abpresst, fügt weitere Entwicklungsbremsen hinzu. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, der Bau von solchen Kraftfahrzeugen habe erst mit Henry Fords Fließfertigung begonnen. In Großserie gefertigte Autos gibt es schon seit 1900 (Oldsmobile Curved Dash, Bild oben).

Die USA sind erst 1917 in den Krieg eingetreten, dann allerdings mit unglaublicher Vehemenz. Ebenso haben sie bis 1924 ihre Automobilproduktion vorangetrieben. Die größte Serie im Karosseriebau ist gegenüber der deutschen etwa hundert Mal so groß. Die Fa. Budd, die später hierzulande eine große Rolle spielte, ist nur die viertgrößte. Die selbsttragende Karosserie hat sich noch nicht durchgesetzt.

Also spielen metallummantelte Holzrahmen noch eine große Rolle. Bei diesen Stückzahlen brauchen die Werke eigene und damit sichere Versorgung. Gerippe mit Dach und Türen mit metallener Haut werden in unglaublich kurzer Zeit zusammengesetzt, Verschnitt so weit wie möglich vermieden. Es gibt nur einen Bereich der Verzögerung, die Lackierung.

Kutschenzeit-Öllack: bis zu 20 Arbeitsgänge, 4 bis 6 Wochen

Bei einem Zeittakt von nur knapp 5 Stunden entstehen in der größten Serie 1.000 Karosserien pro Tag. Brauchen die nur einen Tag z.B. zum Trocknen, müssen sie in einer entsprechend großen Halle gelagert werden. Es waren aber auch mit den neuen Nitrolacken noch mehr, je nach Fahrzeuggröße knapp 2 bis 5 Tage. Die herkömmlich benutzten Öllacke waren dann trocken, wenn sie genügend Sauerstoff aufgenommen hatten, Nitrolack, wenn sein Lösungsmittel ihn verlassen hat.

Letzteres geht zwar viel schneller, aber durch die nun nötigen Schichten darunter zur Erhöhung der Haftung auf Metall und auch mehr Lackschichten darüber ist also die Verarbeitungszeit auch nicht so viel kürzer als das Japan Black von Fords Model T. Allerdings werden die Autos jetzt deutlich farbiger. Der berühmte Satz von Henry Ford, zitiert aus seinen Memoiren, lautet übrigens so: 'Jeder Kunde kann seinen Wagen beliebig anstreichen lassen, wenn der Wagen nur schwarz ist.'


Wird Nitrolack verwendet, ist es mit dem Anstreichen ohnehin vorbei. Um die Schichten hinsichtlich möglicher gegenseitiger Auflösung besser zu trennen, werden ab jetzt diese Fahrzeuge spritzlackiert, leider erst sehr viel später sogar nass auf nass. Hinzu kommt die Ofentrocknung, die sich bis heute erhalten hat. Wegen eingebauter Elektronik ist deren Temperatur bei der Rohkarosserie höher als der reparierten.


Entfernen wir uns kurz von den damaligen, gewaltigen Unterschieden in der Fertigung von Karosserien. Es gibt auch deutliche Unterschiede beim Gebrauch der Fahrzeuge. In Europa herrschen immer noch die offenen Fahrzeuge vor, während sie in USA öfter als geschlossene verkauft werden. Der Grund hierzulande ist der Preis. Im Unterschied zu heute sind offene Wagen deutlich günstiger.


Da wird immer der lange Zeit stetig sinkende Kaufpreis der Ford Model T erwähnt, der z.B. gegen eine Harley mit Beiwagen konkurrieren kann. Das stimmt für diesen Vergleich, aber beide fahren offen. Es werden aber bei den bis zu 9.000 Exemplaren Model T auch geschlossene geliefert, und die sind auch hier deutlich teurer.

Das liegt am Aufwand, der für das Dach getrieben werden muss. Dächer aus einem Stück können auch bei den ersten Ganzstahlkarosserien wegen ihrer Größe nicht in einem Stück gepresst werden. Hier wird es später vermehrt die Limousine mit Rolldach geben. Heutige Cabrios sind auch wegen der nötigen Verstärkung teurer, die ein Fahrzeug jener Zeit wegen seines Leiterrahmens nicht brauchte.







Sidemap - Technik Impressum E-Mail Datenschutz Sidemap - Hersteller