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  Bremsscheiben 3



Das Bild an sich ist schon sehr interessant. Es zeigt eine angetriebene Vorderradaufhängung des Cayenne Turbo mit Luftfederung und einem geteilten oberen Querlenker. Worauf es uns in diesem Kapitel allerdings ankommt, ist die Bremse, dort nicht so sehr der Zehnkolben-Festsattel, sondern die Bremsscheibe, die mit einem neuartigen Verfahren beschichtet sein soll.

Diese Porsche Surface Coated Brake (Porsches oberflächenbeschichtete Bremse) ist im Cayenne Turbo mit weißem Bremssattel serienmäßig. Ansonsten kostet sie ca. 3.000 Euro Aufpreis, etwa ein Drittel von dem für eine Keramik-Bremse. Eine Weltneuheit, wie Porsche sagt, kann bestenfalls die Aufbringungsart für das Wolframcarbid auf die Oberfläche der Bremsscheibe sein.

Beschichtungen von Bremsscheiben mit Keramik-Material sind nicht neu, entsprechende Patente mehr als 10 Jahre alt. Auch werden solche sogar im Internet angeboten, aber sicherlich nicht vergleichbar. Wohlgemerkt, es handelt sich um die gleiche Oberfläche, auf die auch die Bremsbeläge zugreifen. Die Schicht soll nur 0,1 mm dick sein, darunter die 'normale' Grauguss-Scheibe. Man darf allgemein hier eine Porsche- oder Bosch-eigene spezielle Legierung voraussetzen.

Sie merken schon, so diamanthart das Material auch sein mag, wir haben leichte Probleme mit der Beschreibung der Wirkungsweise. Immerhin soll die Bremsscheibe erst nach 600 km ihren speziellen Glanz entfalten. Hängt wahrscheinlich auch davon ab, wie diese 600 km zurückgelegt werden. Denn eigentlich soll die ganze Konstruktion ihre Vorteile auf der Rennstrecke ausspielen, dort eine ganz besondere Verzögerung bei deutlich verringerter Hitzeentwicklung erbringen.

Der weiße Bremssattel hat übrigens Methode. Denn diese Bremse soll besonders wenig Bremsstaub produzieren. Die Notwendigkeit für Service-Leistungen ist laut Porsche um 30 Prozent reduziert. Wäre sie nicht so teuer, man könnte damit ein Problem von E-Autos lösen, wegen seltener Betätigung rostende oder korrodierende Bremsscheiben. Das kann einem nach Angaben von Porsche mit dieser Bremse nicht passieren.

Über das Material sind sich die neutralen Berichterstatter einig, nicht aber über die Methode, wie es aufgebracht wird. Wie der Name schon sagt, besteht Wolframcarbid aus Wolfram und Kohlenstoff. Den Prozess des Härtens bezeichnet man oft auch als 'Aufkohlen', hier noch einmal assistiert durch einen noch härteren Werkstoff. Das geht vermutlich nur durch Flammspritzen unter hohen Temperaturen, denn der Schmelzpunkt von Wolfram beträgt knapp 2.900°C.

Die Oberfläche soll also zehn Mal so hart sein wie die von Graugussscheiben. Und jetzt wird es etwas verwirrend, denn bei Porsche will man natürlich beweisen, dass diese Bremse erheblich weniger als 'normale' Bremsen zur Feinstaub-Problematik beiträgt. Erstaunlich in dem Zusammenhang die Feststellung, dass die Bremsscheibe zu 70 und die Beläge nur zu 30 Prozent am Bremsstaub beteiligt sind. Irgendwie stellt diese Erfahrungen von Jahrzehnten auf den Kopf.

Bezogen auf die reine Keramikbremse haben wir einmal gelernt, dass die Beläge alle 80.000 km und die Bremsscheibe erst nach 300.000 km getauscht werden müsste. Natürlich passt das erst einmal zu den Aussagen des Herstellers. Aber wie verträgt sich das mit einer nur 0,1 Millimeter dicken Schicht auf der Bremsscheibe? Man müsste einmal eine nach 300.000 km ausgetauschte Keramikscheibe nachmessen, dann könnte man den Verschleiß zurückrechnen.

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