Wozu noch Verbrennungsmotoren?
| Zumindest ein Herr, ziemlich auf dem Holzweg? |

kfz-tech.de/YGe315
Ich beschäftige mich seit knapp 60 Jahren mit Verbrennungsmotoren und trotzdem kann ich diesem Motortyp auch als sogenannter Vollhybrid außer in vielleicht ganz speziellen Anwendungen kein Überleben
mehr zubilligen. Und das hat nichts mit 'Verbrennerverbot' zu tun, das es so gar nicht gibt.
Wenn Sie seinen Werdegang anschauen, dann ist er zurecht aus einem Dreikampf mit Elektromotor und Dampfmaschine hervorgegangen. Letztere starb an ihrem schlechten Wirkungsgrad und der langen
Vorbereitungszeit, die E-Technologie an der damals nur möglichen, geringen Reichweite.
Wirklich zurecht gilt die Faszination nicht dem Prinzip des Verbrennungsmotors, sondern eher seinem Kraftstoff, den es in dieser Kompaktheit von Energie nie wieder geben wird. Der Motor selbst war anfangs
unzureichend und vielen Herausforderungen noch nicht gewachsen.
Es waren seine mechanischen Mängel, die aber durch den damals schon recht weit entwickelten Maschinenbau bald behoben wurden. Allein der recht früh beginnende Rennzirkus bewies die Haltbarkeit
auch unter hoher Beanspruchung.
Man hat ihn früh durch bedingungslose Zugabe von Hubraum zu Leistungen geführt, die Geschwindigkeiten von über 200 km/h möglich machten. Zusammen mit besserer Aerodynamik hat er schon Ende
der Dreißiger Jahre die 400 km/h geknackt.
Mit zwei obenliegenden Nockenwellen ausrüstbar war er bereits Anfang der Zwanziger praktisch auskonstruiert. Alles um ihn herum wurde noch verändert, aber ein Vierzylinder ist im Prinzip so geblieben, wie
es ihn heute noch gibt.
Er trat also wohl vorbereitet irgendwann gegen Bewerber an und schien anfangs sogar das Rennen gegen den Wankelmotor zu verlieren. Zu wiederum faszinierend schien dessen Kompaktheit und Leichtigkeit
der Konstruktion. Man hat längere Zeit gebraucht, die in der Thermodynamik liegenden Hauptnachteile des Wankelmotors zu erkennen.
Dann kamen die Anforderungen an seine Wirtschaftlichkeit, denen er ebenso widerstand wie den Vorwürfen bezüglich seines Abgasverhaltens. Seien wir ehrlich, er gilt als auskonstruiert. Nur die Beigabe eines
Elektromotors samt kleiner Batterie kann ihn noch verbessern.
Nein, eben leider nicht auf der Autobahn bei gleichbleibender Geschwindigkeit. Nur im Stadt- und Stadtrandverkehr hat diese Kombination noch Chancen. Selbst auf der Landstraße ist seine verbesserte
Wirtschaftlichkeit begrenzt, muss er doch immer E-Equipment mitschleppen.
Da hat er sozusagen einen neuerlich nahezu unschlagbaren Gegner zu sich eingeladen. Man bemerkt dabei das Potential dieser Technologie und fragt sich vielleicht des Öfteren, warum man dieses zum
Fossil gewordene Stück Alteisen noch mitschleppt.
Da verspricht ein in Ehren ergrauter Professor der Kfz-Technik 3 Liter Verbrauch auf 100 km im B-Segment und das sogar im Benziner. Ich bin auf der Autobahn bei herrlichstem Sommerwetter mit gut 80 km/h
hinter einem Lkw 'hergedonnert' und kam nicht unter 3,4 Liter.
Der VW-Golf, in dem ich saß, war natürlich ein TDI neuster Bauart, mit einer besonderen Aerodynamik ausgestattet und, zu meinem Leidwesen, auch noch tiefergelegt, übrigens zu einem Preis von ca.
26.000 €. Wie bitte soll das bei einem heute gekauften Benziner möglich sein.
Da lügen sich doch offensichtlich Fachleute in die eigene Tasche. Denn was nützt mehr Reichweite, wenn man den ohnehin nicht erreichbaren Verbrauch nur bei 80 bis 90 km/h erreichen kann? So sehr uns
der Verbrenner auf Fernstrecken nie nennenswert im Stich gelassen hat, seine Zeit ist vorbei.
Da mögen Inhaber von mehr oder weniger Oldtimern von Zeit zu Zeit besonders teuren und hoffentlich nicht steuerfreien E-Sprit beziehen. So werden sie Standschäden vermeiden und wir
werden uns an ihrem Sound erfreuen, aber mehr scheint uns definitiv nicht drin zu sein.
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