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 Papier ist geduldig.



Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass es inzwischen zwei Welten gibt, die eine auf Papier und die andere in Wirklichkeit? Nun gut, auch schon früher wurde in den Prospekten kräftig geflunkert. Da wurden Starrachsen als Vierlenker angepriesen oder ein Spritverbrauch jenseits aller Praxis genannt.

Man hätte statt 'geflunkert' auch 'gelogen' sagen können, aber dann käme der Unterschied zur heutigen Welt nicht so deutlich zum Ausdruck. Man könnte das Geschehen auch noch mit schlimmeren Worten belegen, aber die ersparen wir uns. Woran liegt das eigentlich, ist die Welt dümmer geworden oder die Marketing-Manager/innen schlauer oder beides?

Früher konnte man sich in der Regel darauf verlassen, dass der Wagen die Leistung hatte, die im Prospekt stand. Heute fehlt sehr oft z.B. bei Elektroautos das kleine Sternchen, das deutlich macht, es handelt sich um eine Peak-Leistung, die nur für 10 Sekunden oder sogar weniger ihre Gültigkeit hat. Und niemals eine Angabe, wie oft nach Zeiteinheit oder Kilometer man die wieder abrufen darf.

Nein, die Normalleistung wird dann oft folgerichtig nicht angegeben. Ob es da Unterschiede im Drehmoment gibt, auch nicht. Fahrer/innen von Plug-In-Hybriden werden über mögliches Peak erst recht im Dunkeln gelassen, auch nicht, ab welchem Batteriestand es überhaupt noch zur Verfügung steht. Bei Hybriden erfährt man davon überhaupt gar nichts.

Und dann die Armen, die auf jedes Gramm Leistung schauen, auch bei Verbrennern. Die gehen doch glatt davon aus, diese Leistung oder besser dieses Drehmoment stünde sofort nach jedem Kick auf das Gaspedal zur Verfügung. Leider oder Gott sei Dank haben Sie nicht die Zeiten von Doppelvergasern miterlebt, vorzugsweise der italienischen Firma Weber, wo man wirklich auch bei kleineren Beschleunigungen sofort merken konnte, wie der Motor einem folgte.

Die rein mechanische Verbindung scheint durch nichts zu ersetzen zu sein.

Wie hat die Misere eigentlich begonnen? Schon die elektronische Benzineinspritzung hat ein klein wenig von dieser Spontaneität eingebüßt. Sie galt damals zwar als spontan, aber nur, weil man sie nicht mit oben genannten, eher seltenen Doppelvergasern verglichen hat. Dann kam das E-Gas hinzu. Man hätte ahnen können was passiert, wenn die Drosselklappe(n) nicht mehr direkt, sondern über einen Bedenkenträger angesteuert werden.

Der überlegt erst einmal, wie das denn bewerkstelligt werden soll, ob er überhaupt die Drosselklappen bewegen soll oder über eine Zündung, die eben noch zurückgestellt wurde oder er leicht anfetten darf oder beides oder es reicht, wenn zunächst einmal das Getriebe herunterschaltet. Er hat also auch noch jede Menge anderer Geräte zu bedienen, wie z.B. die Abgas-Rückführung oder das Kat-Heizen.

Jetzt haben wir noch gar nicht über den Ladedruck gesprochen, der ja auch entsprechend mitgeführt werden muss. Wobei das zu einem anderen, anfangs schlimmen Verzögerer führt, dem Turboloch. Da konnte doch zu viel Gas am Anfang der Kurve geradezu gefährlich sein. Und die Rücknahme der Leistung erfolgte dann, wenn man sie nicht mehr brauchte.

Nun gut, das Turboloch ist inzwischen zu einem großen Teil besiegt, aber dafür gibt es ja den Hybridantrieb. Wie lange braucht der denn, um in Tätigkeit gesetzt zu werden? Um es zusammenzufassen: Inzwischen vergehen auch bei ehemals als besonders sportlichen Fahrzeugen ein bis zwei Sekunden, bis der Motor schließlich antritt.

Das sind auf der Landstraße bei 80 km/h bis zu knapp 45 Meter, die ich zum Überholen eines anderen Fahrzeugs brauche, eine halbe Ewigkeit. Was bitteschön, nützt mir da die Prospektleistung oder die so beliebte 0 - 100 km/h Angabe. Da hat der Motor bereits beim Anfahren die volle Leistung. Außerdem gibt es aus den USA schon Berichte, das man für so eine Messung schon 'anrollen' darf.

Nichts Genaues weiß man nicht, aber trotzdem exakte Werte ausgeben. Die Werbestrategen/innen beherrschen die Welt, auch die der Techniker/innen. An dieser Stelle wollen wir Ihnen die komplette Diskussion über die Angabe von Batteriekapazitäten und Reichweiten ohne Angabe von 'brutto' oder 'netto' ausnahmsweise ersparen.

Nur noch einmal kurz den neusten Gag dieser immer mutiger werden Abteilungen, den Stadtverbrauch. Die haben offensichtlich herausgefunden, dass kein(e) Tester/in Lust hat mit einem E-Auto weit über 300 km durch die Stadt zu fahren, vermutlich auch keine Verbraucher/innen. Und wenn es trotzdem jemand tut und falsche Werte entlarvt, kann man auf außergewöhnliche Verhältnisse hinweisen.

Nein, wir wollen auf etwas anderes hinaus, z.B. auf SUVs, die nur höhergelegt sind und nicht einmal die Chance auf Allradantrieb haben. Früher wurden Sie wenigsten noch schamhaft 'Cross Over' genannt. Oder der Lada Niva, der im Gelände den Porsche Cayenne restlos stehen lässt, weil wohl niemand den potentiellen Porschekunden sagt, dass sie sich vor der Fahrt von ihren bis zu 245 km/h schnellen Reifen trennen müssen.

Oder der neue Ford Bronco, dem selbst Jeep-Eigner mit nicht nur allen Ausstattungen, sondern auch noch speziell getunt attestieren, dass der spezielle Geländepfade schafft, die dem Jeep verschlossen bleiben. Nein, der Jeep gilt als der heilige Gral Amerikas und wer daran rührt, wird wohl dort mit lebenslanger Verachtung bestraft und nie wie einen umsonst leihen können. Den Film dazu, obwohl erst 1-2 Monate her, habe ich nicht wiedergefunden.

Ist das schon alles? Nein, haben Sie je etwas beim Test eines E-Auto über dessen Reifen gehört. Gewiss die Bremswege werden bisweilen ausgegeben, aber steht da auch irgendetwas von im Text, z.B. dass man bei energiesparenden Reifen mit bis zwei Metern mehr Bremsweg rechnen muss?

Haben Sie schon einmal von den neuen Gepäckräumen gehört, die größer werden, obwohl das Modell nur ein Facelift erhalten hat, weil jetzt jede kleinste Höhle auch dann mitgerechnet wird, wenn sie überhaupt nicht nutzbar ist. Warum ist die gute alte Methode mit einem bestimmten Sortiment von Prismen nicht allgemein verpflichtend, zumindest in Europa?

Kommen wir zur größten Rocky Horror Picture Show der Kfz-Hersteller, dem Traum vom Autonomen Fahren. Da müssen wir zunächst noch Mercedes loben, denn immerhin bieten sie ihren Käufern/innen noch vertrauenswürdige Systeme an. Wir werden sehen, wie das anderswo nicht so gehandhabt wird.

Aber wenn man sich die Preise und die Werbung anschaut, dann versteht man die Welt nicht. Da wird ein System für schlappe 7.500 € mit 'Level 3' bezeichnet, was diesen Namen nicht einmal ansatzweise verdient. Man möchte den Oberen von Daimler zurufen, sie sollen die Preise nicht nach dem verbauten Material plus Gewinnaufschlag, sondern nach dem Nutzen für die Kunden ausrichten.

Es funktioniert nur bis 60 km/h und wenn ein Wagen davor in exakt definiertem Abstand vorhanden ist. Verschwindet dieser zum Überholen nach links muss man für das System einen neuen suchen. In Tunneln verliert es vermutlich den Kontakt zu seiner Cloud, muss also danach auch wieder gestartet werden. Automatischer Spurwechsel, absolut nicht vorgesehen.

Einzig wirklicher Vorteil, man kann während des Staus zeitweise die Hände vom Lenkrad nehmen. Es ist so, als wenn man sich einen Buttler leisten würde, der nicht kommt, wenn man ihn braucht, sondern quasi selbst entscheidet, ob er denn zu bestimmten Zeiten seinen Dienst antritt und bei ungünstiger Witterung, wie auch 'Level 3', ohnehin nicht erscheint, und das für viel Geld.

Exakt die gleiche Summe verlangt Tesla für seinen Autopiloten, im Prinzip schon seit Jahren. In stillen Stunden beschweren sich auch gutgläubige Tesla-Kunden/innen darüber, dass man dafür, zumindest in Europa, nicht annähernd einen Gegenwert erhält. Im Gegenteil, VW rangiert mit seinem Travel Assist z.B. über Landstraßen deutlich besser, von Schildererkennung gar nicht erst zu reden.

Aber auch VW wälzt in langen Erklärungen zu dem System alle Verantwortung auf den/die Fahrer/in ab. Aber wie soll man das händeln, wenn der Wagen eine scharfe Kurve nicht schafft. Ist es eine Linkskurve, hat man noch Glück gehabt und landet im Graben. Aber was ist in einer Rechtskurve bei Gegenverkehr? Und das System meldet sich erst in der allerletzten Sekunde.

Aber wissen Sie, was an den meisten hier vorgetragenen Veräppelungen das Schlimmste ist? Dass die Tester/innen in der Regel Unsinn hemmungslos weiterverbreiten und bei Problemen eine unglaubliche Verschwiegenheit an den Tag legen, entweder weil sie es nicht besser wissen oder besser wissen dürfen.







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