Dieser Film

Bauchschmerzen, das ist meine erste Reaktion auf diesen Film. Denn ich habe die Jahreszahl gelesen, als dieser entstanden ist. Weihnachten 1941, zwei Jahre und vier Monate nach Beginn und letztlich
mitten im Zweiten Weltkrieg.
Nicht wenige Historiker/innen halten dieses Datum besonders im Hinblick auf den Verlauf im Osten für den eigentlichen Wendepunkt. Und der Film wäre nicht komplett, könnte man sagen, zu dem Datum
abgedreht und nie mehr verändert.
Wir sind auch nur auf die Kommentare angewiesen und die besagen, den im Film gezeigten Märklin-Katalog in Farbe gab es 1941 nicht. Allerdings könnte es der von 1940 oder 1939 gewesen sein, denn der
war vierfarbig. Von 1941 bis 1947 war allerdings Pause.
D.h. aber mit anderen Worten, Märklin hat in dem Jahr, in dem der Film entstanden ist, noch einen Katalog für Spielzeug herausgebracht, wenn auch nicht in Farbe. Andererseits ist ein Einfluss auf 'Glück auf
Schienen' ist nicht nachweisbar.
Trotzdem könnte man den Film beinahe für eine Werbung für Märklin halten, so bestimmend tritt die Firma darin auf. Auch in der Reihenfolge der von Walther Bevers-Mohrs produzierten Filme ist er irgendwie
auffallend:
1939: Aus lombardischem Frühling ins ewige Eis
1939: Sonne über Vorarlberg
1939: Farbenspiel bei einer kleinen Stadt
1940: Beskidenland
1941: Glück auf Schienen
1943: Ski-Romanze um Bodo
Ich habe mir den Film Beskidenland angesehen: nur touristisch, Schwelgen in zweifellos schönen Bildern mit z.T. himmlischer Musik, Einheimische, immer in Tracht, Schäfer, Arbeit auf dem Feld, Fahrt
anscheinend in Sonntagskleidung mit dem Zweispänner zur Kirche, mit einem Wort: unpolitischer kann es nicht sein.

Wo der Film spielt, keine Information. Jedenfalls nicht in Deutschland, sondern in entweder von Deutschland besetzt oder an die Slowakei übergebener Teil Polens. Ob die Menschen dort wirklich so glücklich
waren, wie sie im Film dargestellt wurden.
Der Film von 1943 ist mit seinem noch viel harmloseren Inhalt noch auffälliger, wenn man wiederum die Kriegssituation im Deutschland dieses Jahres berücksichtigt. Zu dieser Zeit gab es zahlreiche Filme
dieser Art, die den Blick für eine Weile von dem Geschehen draußen ablenken konnten.
Der Text zum Film oben macht es auch nicht besser: 'Die Bilder können daher nicht als repräsentativ für den Alltag der deutschen Bevölkerung verstanden werden.' Da bleibt einem das Lachen im Halse
stecken. Was für eine realistische Bemerkung.
Es ist die Grundstimmung dieses Films, die uns erschaudern lässt. Wäre nicht die Jahreszahl, man könnte sich fallen lassen in die Welt des Walther Bevers-Mohrs und den Luxus seiner Familie ohne Neid
hinnehmen und seine riesige Märklin-Anlage genießen.

Wenn man aber hört, dass es die zweigrößte Märklin-Anlage nach der von Göring ist, die man übrigens ganz kurz am Anfang sieht, vergeht einem regelrecht der Appetit. Und der fast nur den einmaligen Wert
der Anlage in den Kommentaren Erwähnung macht die Situation auch nicht besser.
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