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  Geschichte - US-Autokrise 1



Wenn man die Krise der amerikanischen Automobilhersteller genauer beschreiben bzw. analysieren will, beginnt man am besten mit der Zeit, wo es dieser Industrie noch gut ging, wo es so schien, als könne sie nach den Sternen greifen. Ein Beispiel mag der Buick Century von 1954 sein.

Er ist im Angebot von Buick insofern eine Besonderheit, als er in diesem Jahr neu hinzukommt und gleichzeitig den Namen eines früheren Modells wieder aufleben lässt. Außerdem wird er trotz neuer Optik preislich nur knapp über dem Grundmodell 'Special' präsentiert. Über ihm residieren noch 'Roadmaster', 'Skylark' und 'Super'.

Schon vorher hat sich der Reihen-Achtzylinder in einen V-8 verwandelt, beim Centuri mit 5,3 Liter Hubraum und (200 SAE-PS). Wie gut muss der Sprit gewesen sein, dass eine Verdichtung von 8,0 bzw. 8,5 : 1 möglich war? Statt des voll-synchronisierten Dreiganggetriebes gibt es gegen Aufpreis eine Dynaflow-Wandler-Automatik.

Die starre Hinterachse ist bei Buick schraubengefedert.

Der Choke ist automatisch, die Leerlaufdrehzahl kontrolliert. Der Tank fasst 72 Liter, der Literpreis beträgt knapp 8 Cent. Auch wenn Sie die mit 4,2 (Wechselkurs 1954) malnehmen, ist der Preis, zu 0,56 DM in Deutschland, immer noch nur halb so hoch. Ein neues Haus ist schon unter 10.000 Dollar zu haben, häufig genug mit einer lächerlich geringen Anzahlung.

Das günstigste Modell von Chevrolet kostet mit leicht veralteter Karosserie 1.500 Dollar.

Sie mögen daraus erkennen, dass auf Teufel komm raus verkauft werden muss. So beträgt der Preis für einen nagelneuen Buick Century ca. 2.600 Dollar. Vermutlich ist es noch heute üblich, mit dem alten Auto beim Händler vorzufahren und nach fernmündlicher Erledigung der Bankformalitäten nach knapp zwei Stunden mit dem neuen nach Hause.

Man hält das Auto oft nur 1 bis 2 Jahre. Über den Händler wird es dann an Vielfahrer/innen günstiger verkauft. Danach können sich auch recht wenig begüterte Leute z.B. einen V-8 leisten. Spätestens, wenn bei uns die halbe Lebensdauer erreicht ist, kommt es in USA in die Schrottpresse, meist noch eher.

Auf Harvey Earl, Chef-Designer bei GM, geht angeblich der jährliche Modellwechsel zurück. Das bedeutet: Jedes Jahr Konkurrenz der riesigen Designer-Teams. Chevrolet kämpft gegen Ford, Buick gegen Plymouth, der stärksten Marke von Chrysler. So hat es Buick 1955 geschafft, mit 738.000 verkauften Fahrzeugen an Plymouth vorbei den dritten Platz in der US-Zulassungsstatistik zu erreichen.

Es gelingt Plymouth jedoch, den Unterschied von ca. 200.000 Stück 1957 aufzuholen und Buick mit 726.000 wieder zu verdrängen. Allerdings sagt man diesen Wagen eine ungünstigere Materialwahl und schlechtere Rostvorsorge nach. In diesen Jahren ist aus dem Verkäufer- ein Käufermarkt geworden. Das sich anbahnende Überangebot bringt Käufer in die bessere Position.

Leidtragender ist der Handel. Statt wie früher ein Auto mit fast der vollen Provision für sich selbst zu verkaufen, sind es nun deren zwei mit der halben. Es wird nahezu üblich, dass der Hersteller ihm Wagenladungen auf den Hof karrt, die er gar nicht bestellt hat. Bei Weigerung der Annahme wird mit einer zusätzlichen Buick-Filiale halbwegs zur nächsten gedroht.

Ende 1955 erreicht GM als erstes amerikanisches Unternehmen einen Umsatz von mehr als 1 Mrd. Dollar. Es herrscht schon seit langem das Prinzip: Was gut ist für GM, ist auch gut für die USA und umgekehrt. So kann der ehemalige CEO von GM Charles Wilson bis auf gewisse Probleme mit seinem Aktienbesitz problemlos als Verteidigungsminister in das Kabinett Eisenhowers wechseln. Von Ford aus gelingt das später Robert McNamara in die Kennedy-Administration.

GM vertreibt längst nicht mehr nur Kühlschränke und entwickelt dort die Abtauautomatik. Um seine Busse leichter verkaufen zu können, wird versucht, Netze von Straßenbahnen aufzukaufen und zu vernichten. Recht hemdsärmelig geht es bisweilen zu. Den Farbigen, die jetzt vom Süden her kommen und hoffen, in den Automobilfabriken Arbeit zu finden, wird nur minderwertige bzw. gefährliche wie beispielsweise in der Gießerei angeboten.

Offensichtlich waren Farbige nur im Krieg als Soldaten einigermaßen gleichberechtigt.

Wir sind zwar noch etwas vom berühmten Marsch auf Washington 1963 entfernt, aber es deutet sich schon an, dass man sich nicht ewig mit Rassentrennung z.B. an Schulen und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt bis hin zur Arbeitslosigkeit abfinden werde. So gern Amerikaner Häuser verkaufen und so wenig penibel sie die mögliche Rückzahlung überprüfen, ein/e Farbige/r kann erst gar nicht kaufen.








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