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  Geschichte -
Nicolaus August Otto 2



Da glaubt also jemand so sehr an seine neuste Erfindung, dass er seinen Beruf aufgibt. Dabei wird diese auf Jahre hinaus keine befriedigenden Ergebnisse liefern, ja im Prinzip nur noch im Gedächtnis des Erfinders selbst überdauern. Zum Glück hat er sich auf entscheidende Verbesserungen an einer bestehenden Maschine besonnen.

Aber so langsam geht ihm das Geld aus. Da ist Glück im Unglück gefragt in Form des Ingenieurs Eugen Langen, Sohn eines sehr erfolgreichen Zuckerfabrikanten. Langen hat auch schon mit eigenen Ideen Geld verdient und ist zumindest so begeistert von Ottos Neuschöpfung, dem atmosphärischen Gasmotor, dass in der linksrheinischen Servasgasse 1864 eine kleine Fabrik zu deren Herstellung entsteht.

Der Motor wird auch verkauft, aber es zeigt sich, dass je weiter weg und damit aus dem Handlungsbereich der neuen Firma, desto größer die Gefahr seines Versagens. Er braucht also die besondere Zuwendung seiner Hersteller oder der neuen Besitzer, keine gute Basis für durchschlagenden Erfolg. Es vergeht Zeit, in der man sich eifrig bemüht, den Motor zu verbessern.

Ob die Weltausstellung 1867 von vornherein das Ziel war, die neue Version des Motors vorzustellen? Beinahe wäre man jedoch komplett übersehen worden, weil man sich dort mit dem seit 1860 vielfach produzierten Lenoir-Motor wohl ausreichend versorgt fühlt. Zum Glück ist unter den Preisrichtern ein preußischer Sachverständiger (Deutschland gibt es noch nicht!). Der sorgt für eine Prüfung auf Herz und Nieren einschließlich Dauerlauf und Verbrauchsmessung.

Und siehe da, der Verbrauch beträgt ein Drittel Stadtgas gegenüber dem von Lenior. In Frankreich regiert wieder ein Kaiser in Form von Napoleon dem Dritten. In dessen Gegenwart wird der von Otto konzipierte Motor mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Natürlich hat das eine solche Steigerung der Auftragsflut zur Folge, dass man schon 1869 eine neue und viel größere Fabrik rechts des Rheins bauen muss.

Für den Fortgang der Geschichte sind zwei wichtige Änderungen mit der neuen Fabrik verbunden. Zum einen die zusätzlich nötigen Geldgeber, um diese zu finanzieren und zum anderen einen Leiter für die wesentlich erweiterte Herstellung in Persona von Gottlieb Daimler. Der kümmert sich auch noch um zusätzliche Erweiterungen, während Wilhelm Maybach für die Umsetzung von Verbesserungen am Motor selbst eingestellt wird, u.a. eine Leistungserhöhung von 2 auf 3 PS.

Genau hier liegt der Grundgedanke, dass wenn Atmosphärendruck für den Schwung einer Maschine sorgt, eine unbedingt nötige, deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit praktisch ausgeschlossen ist. Es ist das Verdienst von Nicolaus Otto, einen Weg aus dem Dilemma gefunden zu haben. Er hat dabei nicht unbedingt die Zustimmung Daimlers, der noch zum Zeitpunkt der Vorstellung des neuen Viertaktmotors Pläne zur Verbesserung des alten darbietet.

Angeblich hat Otto durch kräuselnden Rauch die Probleme der wohl beinahe immerzu in seinem Kopf vorhandenen Konstruktion gelöst. Man ist schon versucht zu behaupten, er sei der Erfinder der Schichtladung gewesen, aber er wird die harten Verbrennungsstöße wohl eher durch gezieltes Abmagern des Gemischs erzielt haben. Und so kommt der Motor 13 Jahre nach seiner Fehlgeburt 1875 auf die Welt und ist schon ein knappes Jahr später zur Präsentation bereit.

1876 läuft der atmosphärische Gasmotor nach 2.649 produzierten Exemplaren aus, 5.000 zusammen mit in Lizenz hergestellten.

Obwohl der Neue anfangs gar nicht unbedingt mehr Leistung hatte als der alte, war doch schon die zukünftig mögliche, enorme Steigerung von Sparsamkeit und Leistung absehbar. So berücksichtigen die Konstruktionszeichnungen schon Leistungen bis 8 PS. Wer hätte damals gedacht, dass der Bestand z.B. 2020 auf über eine Milliarde Motoren geschätzt wird, die nach dem Viertaktprinzip arbeiten.



Bisher ist einer der Beteiligten zu kurz gekommen, Eugen Langen (Bild oben). Er scheint so etwas wie der kühle Kopf (Aufsichtsratsvorsitzender) des sich sehr rasch entwickelnden Unternehmens zu sein. Des Öfteren muss er zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren von Daimler und Otto schlichten. Letzerer schwächelt auch, weil er sich in der Firma zu wenig anerkannt fühlt.

Zusätzliche Investoren waren für die enormen Erweiterungen nötig. Das Erbe des Vaters nach dessen Tod 1869 ermöglicht Langen und seinen beiden Brüdern erhebliche Investitionen. U.a. sichert sich auch Gottlieb Daimler als Betriebsleiter bleibende Tantiemen, die später die Arbeiten an einer erheblich verkleinerten Form des Viertaktmotors zusammen mit Wilhelm Maybach erleichtern werden.

Otto ist zwar kaufmännischer Direktor, hält aber nur noch 10 Prozent der Aktien an dem Unternehmen, das nur durch seine Ideen überhaupt existiert. Auch Langen hielt eine Aufwertung seiner Position für geboten. Er und seine Brüder gaben so viele Anteile zugunsten von Otto ab, dass der auf 21 Prozent kam. Später wird Otto ihn nicht nur als Geschäftspartner, sondern auch als seinen besten Freund bezeichnen.


Hier eine Werbung aus späterer Zeit. Langen hatte Otto versprochen, dessen Namen mit dem Viertaktmotor öffentlich genügend in Verbindung zu bringen. Der Slogan 'Otto's neuer Motor' stammt offensichtlich auch von ihm. Unterstützung hat Otto allerdings auch deshalb dringend nötig, weil eine Welle von Patentanfechtungen über ihn hereinbricht.

Das ist wohl immer der Fall und lässt erkennen, wie hoch man den Wert der Erfindung einschätzt. Da haben z.T. Anwälte vorhergehende Erfindungen oder auch nur Veröffentlichungen vorgebracht, obwohl deren Autor gar keine Ansprüche anmelden wollte. Zusätzlich mussten Firmen abgemahnt werden, die den Viertaktmotor mit leichten Änderungen bauten, obwohl die Gasmotorenfabrik Deutz in Deutschland keine Patente vergab.

Seit Anfang 1884 sind die Patente auf den Viertaktmotor aufgehoben. Interessant, dass Daimlers Patent auf dessen Gasmotor Ende 1883 erteilt wurde. Immerhin gab es da Deutschland schon. Und das Patent für das Benz'sche Dreirad mit Viertaktmotor datiert von Anfang 1886. So wie Nicolaus Otto hat später auch Rudolf Diesel unter den Patentstreitigkeiten schwer gelitten.

Allerdings sind Otto auch unglaubliche Ehrungen widerfahren. Da ist die Weltausstellung in Paris 1878, wo sein Motor alle weltweit existierenden Verbrennungsmotoren überragt. Und die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg 1882, die er zunächst dankend ablehnt, weil er meint, es gäbe Würdigere als ihn, da er nur die Realschule besucht habe. Schließlich wird die Bezeichnung 'Ottomotor' vom Verein Deutscher Ingenieure 1946 in die Deutsche Industrienorm übernommen.

Und dann ist ihm noch so ein Clou gelungen. Weil er immer schon seinen Motor ortsunabhängiger machen und auf flüssigen Treibstoff umstellen wollte, brauchte er eine elektrische Zündung. Man schreibt ihm die Erfindung der Abreißzündung zu, obwohl andere die deutschen Patente hielten. Auch Vorarbeiten zur Hochspannungs-Magnetzündung sollen in der Gasmotorenfabrik Deutz stattgefunden haben.

Bei der Gelegenheit wurde Kontakt zu Siemens aufgenommen und auch mit Bosch war man offenbar verbunden. Ein später sehr Berühmter hat von 1907 an für gut zwei Jahre ein Gastspiel gegeben, Ettore Bugatti. Der war engagiert worden, um mit dem Viertaktmotor eine Automobilproduktion aufzubauen. Allein, seine Ansätze waren den Oberen in Deutz zu teuer.

Ja, man hat gut verdient mit der Produktion von Viertaktmotoren, bis zu sagenhaften 95 Prozent Dividenden gezahlt. Schon nach fünf Jahren hatte sich die Leistung z.B. als Zweizylinder mehr als verzehnfacht. Jetzt wurde der Motor langsam auch für größere Anwendungen interessant, z.B. die Erzeugung von Strom. Noch heute hängt das Bild vom 1880 bei der Einweihung von einem Vietaktmotor erleuchteten Kölner Dom im Deutzer Museum.

Bleibt nur noch über Trennungen zu berichten. Mit Daimler ging es irgendwann nicht mehr weiter: Vertragsauflösung Mitte 1882, gute Abfindung, aber auch ein zeitlich begrenztes Tätigkeitsverbot in dem bisher bearbeiteten Bereich. Von Maybach heißt es, er wäre vielleicht geblieben, hätte man ihn gefragt. Wir wissen heute, dass Daimler sich nicht unbedingt an die Bedingungen gehalten hat.

Nicolaus August Otto stirbt 1891 und überlebt damit sogar noch knapp Gottlieb Daimler, Eugen Langen vier Jahre später. Offenbar für beide steht in Deutz ein Denkmal mit dem Viertaktmotor auf einem Sockel vor dem Bahnhof. Auch trägt das örtliche Berufskolleg nur für Kfz'ler seinen Namen. Der Motor aber verdient mit seinen diversen Entwicklungen ein eigenes Kapitel. Und Ottos Sohn Gustav kommt im Kapitel über BMW vor.

Nicolaus August Otto . . .









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