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  Geschichte - Henry Ford 2



Was für ein Auto. Es wurde im Jahr 2000 zum 'Auto des Jahrhunderts' gewählt. In Spitzenzeiten waren 60 Prozent des Welt-Autobestands T-Modelle von Ford, 15,5 Mio. Mal produziert von 1908 bis 1927. Sein Preis beginnt mit $ 825 und erreicht durch Rationalisierung zwischendurch sogar die Marke von $ 300. Die Grundidee war, dass auch Arbeiter sich dieses Auto leisten konnten.


Ein vergleichsweise großer Vierzylinder-Reihenmotor mit 2,9 Liter Hubraum leistet ca. 15 kW (20 PS) bei 1800/min und ist damit etwa 60 km/h schnell. Der Wagen hat nur zwei Gänge, die über das linke seiner drei Pedale gesteuert werden. In der Mitte das vorstehende Pedal für die Rückwärtsfahrt, rechts die Getriebe-Bremse auf die Hinterachse wirkend.


Es gibt ansonsten nur noch kleine Trommelbremsen an der Hinterachse, die über einen Handbremshebel angesteuert werden. Erst 1919 erhält er eine Batterie und einen Anlasser. Vorher wird so lange gekurbelt, bis die Teile der Magnetzündung am Schwungrad genügend Zündstrom liefern.


Das macht das Model T stromunabhängig. Ebenso gibt es weder Wasser-, noch Öl-, noch Benzinpumpe. Die Kühlung funktioniert nach dem Prinzip des Wärmeumlaufs, die Schmierung durch Schleuderöl und die Benzinpumpe nach dem Gefälle-Prinzip.


Sehr ungewöhnlich ist die Lage des Tanks direkt unter dem Beifahrersitz. Tankuhr, Fehlanzeige. Dafür benutzt man einen Stab, mit dem man von oben den Flüssigkeitsstand ermitteln kann. Das geschieht am besten durch die einzig vorhandene Beifahrertür. Immer wird über ein kleines Getriebe am rechten Vorderrad die zurückgelegte Entfernung gezählt.


Nein, einen Tacho sucht man vergebens, ebenso wie Scheibenwischer. Dafür gibt es bei der unglaublichen Verbreitung schier endloses Zubehör. Aber der Wagen war gut gefedert, denn das Wegenetz war durchgehend miserabel. Am beliebtesten ist das Model-T bei Farmern als Antrieb für Maschinen und deren Frauen, weil man in der Umgebung beweglich wird.


Und dann gelingt Henry Ford als nunmehr größter Produzent die Lösung eines Problems, das amerikanische Hersteller schon lange verfolgt. Sie alle müssen für ein ominös zustande gekommenes Patent eines George Baldwin Seldon für jedes produzierte Auto bezahlen. Und obwohl sich William, Chef von GM, nach sechs Jahren Prozess beugt, schafft es Ford fast zwei Jahe später, das Patent vor Gericht zu Fall zu bringen.


1910 ist die immer weiter wachsende Produktion nach Highland Park, nördlich von Detroit verlegt worden. Die Fabrik ist jetzt groß genug, um hier drei Jahre später mit der Einführung einer Serienproduktion zu beginnen. Nach Frederic Taylor ist die Methode benannt, die Zeit- und Bewegungsabläufe in der Produktion zu studieren und rationeller zu gestalten. Die zu montierenden Teile kommen zum Menschen. Der soll seine Energie für die eigentliche Arbeit einsetzen.


Frühere Komplettmontagen werden in kürzest mögliche Tätigkeiten von bis zu weniger als 10 Sekunden aufgeteilt. Bei Henry Ford hört sich das sehr einfach und extrem an. Danach soll ein Arbeiter das Bauteil platzieren, der zweite die Schraube anbringen, der dritte die Mutter draufdrehen und der vierte diese festziehen. Ganz so extrem wird es nicht gehandhabt, vor allem, weil alles eine Ersparnis bringen muss, die in Vorversuchen mit der Stoppuhr peinlich genau ermittelt wird.


Allerdings sind die Auswirkungen des neuen Systems enorm. Da man nicht gut nur teilweise auf Fließfertigung umstellen kann, wird das ganze Werk in relativ kurzer Zeit auf den Kopf gestellt, was schon im Jahr 1914 eine Verdoppelung der Produktion bei geringerer Beschäftigtenzahl ergibt. Aber auch die Folgen für den/die einzelne(n) Arbeiter/in sind gravierend. Nicht nur, dass dieser Arbeitsplatz nach kürzest möglicher Anlernzeit neu besetzt werden kann.

Es ist die unglaubliche Eintönigkeit der Arbeit. Dazu kommen Hitze, Gestank und andere Beeinträchtigungen. Und immer wieder taucht jemand auf, der noch mehr Zeit einsparen will. Nicht selten sind handfeste Auseinandersetzungen, wenn jemand gesetzte Zeiten unterbietet. Und was erzählt man, wenn man draußen nach dem Inhalt seiner Arbeit gefragt wird?

Henry Ford zahlt seinen Arbeitern mit knapp 4 Dollar den doppelten Tageslohn. Zusätzlich reduziert er die Schicht von 10 auf 8 Stunden. Das ist für ihn zunächst einmal sehr werbewirksam. Sein Hintergedanke ist jedoch, durch drei durchlaufende Schichten die Tagesproduktion nochmals zu erhöhen. Heutige Autowerke benutzen die Nachtschicht eher für Reparaturen.

Es geht aber noch weiter. Statt 4 stellt Ford seinen Arbeitern sogar 5 Dollar in Aussicht, was über die Zeitungen verbreitet zu einem fast USA-weiten Run auf die jetzt zusätzlich zu besetzenden Arbeitsplätze führt. Diesen Tagessatz erhält aber nur, wer sich entsprechend qualifiziert. Da im Werk die allermeisten nur schlecht Englisch sprechen oder gar lesen können, heißt das, nach einer vor allem auch psychisch anstrengenden Schicht noch die Schulbank zu drücken. Später gibt es sogar von Ford ein Schiff als Schule.

Auch zuhause können Ford-Arbeiter kontrolliert werden. Da gibt es einen Sozialdienst, der sich nicht scheut, die Leute und deren Familien aufzusuchen und darüber Berichte zu verfassen, was sie in der Wohnung und bei der Befragung alles entdecken. Der Roman 'Middlesex' von Jeffrey Eugenides beschreibt nicht nur, wie jemand in siebzehn Minuten angelernt wird und dann nach Kontrolle mit der Stoppuhr montieren darf. Es spricht von 'Säurenebel' und Metallstaubwolken', von 'riesigen Spindeln mit dampfgetriebenen Fäusten'. In dieser Atmosphäre wird dann in fünfundzwanzig Sekunden (!) der Motor mit dem Getriebe verbunden.

Doch zurück zu den beiden Herren der soziologischen Abteilung bei Ford. Hier ist vom 'Pfad von Rechtschaffenheit' und vom 'rechten Lebenswandel' die Rede. Da wird nach Trinkgewohnheiten gefragt und der Mülleimer ausgespäht. Es gibt gute Ratschläge fürs Zähneputzen und ein wenig zu stark schlägt die gefühlte amerikanische Überlegenheit gegenüber Einwanderern durch. Da wird zu Hauskauf und Geldanlage geraten und vor schlechtem Umgang gewarnt. Wohlgemerkt, das alles geschieht mit einem erwachsenen Familienvater. Nicht so leicht, auf einen Tageslohn von 5 Dollar zu kommen.

Auch Henry Fords Sohn Edsel hat mit der Autorität seines Vaters Probleme. So engagiert er sich zusammen mit seiner Frau abseits seiner Tätigkeit als Ford-Direktor für die Kunst. Nicht nur durch Ankauf von Werken, er ist auch an dem Aufbau einer Kunstsammlung und eines bedeutenden Museums in Amerikas viergrößter Stadt Detroit beteiligt. So trifft er 1932 über seinen Freund, den dortigen Direktor, den Mexikaner Riviera. Der ist Kommunist und soll seine Sicht der Industrialisierung auf noch nackten Wänden im Kunstmuseum präsentieren, bezahlt vom Sohn eines Industriellen.

Riviera wählt als Grundlage für seine Arbeit das inzwischen zweite und wesentlich größere Ford-Werk 'River Rouge'. Er ist fasziniert von der Energie, die von diesem Werk ausgeht. Er aber bindet in seine Arbeit nicht nur die Fertigungslinie ein, sondern beginnt mit seiner Erzählung beim Schürfen von Kohle und Eisenerz und stellt auch die Hochöfen im Werk dar. Aus der Erde kommend entstehen sozusagen Automobile. Erstaunlich, das sowohl Vater als auch Sohn Ford bei ihm nicht als Erz-Kapitalisten vorkommen, sondern als Förderer der Kräfte eines Landes.

Leider bleibt das Verhältnis der Firma Ford zu ihren Arbeitern nicht so konfliktlos. Mit dem flächendeckenden Aufkommen der Gewerkschaften im Amerika der 30er Jahre kommt es zu Gewalt mit Toten und Verletzten. Ford bleibt lange Zeit die letzte Auto-Bastion, die ihren Arbeitern die Rechte auf Verhandlungen mit dem Arbeitgeber und Streiks verweigert, um dann kurz vor dem Zweiten Weltkrieg doch auf ganzer Linie nachzugeben.

Deutsche Untertitel möglich . . .








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