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  Früher versus Heute



Das hat eigentlich recht kompliziert begonnen, ohne Lesen oder Anleitung durch entsprechende Personen war es unmöglich, ein Auto in Gang zu bringen. Denken Sie alleine an die Vorbereitungen, die nötig waren, bevor man überhaupt dran denken konnte, die Kurbelwelle in Drehbewegung zu versetzen. Beim allerersten Auto musste man sogar anhalten, um in den höheren Gang zu schalten.

Lange waren Tätigkeiten während der Fahrt unumgänglich. Auch wenn man weder schneller noch langsamer fahren wollte, was durch Handhebel am Lenkrad begleitet wurde, waren z.B. der Kraftstofftank z.T. von Hand aufzupumpen und die Schmierstellen am Auto in regelmäßigen Abständen zu versorgen, wenn vorhanden durch den/die Beifahrer/in.

Unglaublich die Vorsorgen nach Beendigung der Fahrt. Da ein Generator fehlte, musste die Batterie ausgebaut und extern geladen werden. Im Winter über Nacht war seit Erfindung des Autos noch ca. ein halbes Jahrhundert lang das Kühlwasser abzulassen und morgens wieder aufzufüllen. Unmöglich, die Unterbrechungen während der Fahrt zu zählen, weil z.B. ein Hufnagel die Funktion eines Reifen beeinträchtigt hatte.

Noch bis nach der vorigen Jahrhundertmitte gab es teilweise oder ganz unsynchronisierte Getriebe, zweimal Kuppeln und beim Herunterschalten Zwischengas, bei besonders störrischen Exemplaren mehrmals. Man kann sich die Begeisterung der Amerikaner/innen vorstellen, als in den 40ern des vorigen Jahrhunderts die ersten Automatikgetriebe entstanden. Schon ab 1914 wurde hier der elektrische Anlasser erstmalig eingebaut, optional im Model T ab 1919.

Der Scheibenwischer musste zu der Zeit immer noch von Hand bedient werden, wenn es überhaupt einen gab bzw. eine Windschutzscheibe. Eine Heizung konnte man gar nicht einstellen, weil sie bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus nur optional war. Die Anzahl der Bedienelemente war echt bis auf wenige zusammengeschmolzen, wie man am VW-Käfer gut erkennen konnte. Hier brauchte man dann noch nicht einmal den Blinkerhebel zurückzustellen.

Selbst die Halbautomatik des Käfers war so konzipiert, dass man nur bei der Fahrt aus und in die Stadt ein Mal zum Wählhebel greifen musste. Später wurde sogar das Vorglühen beim Diesel automatisiert. Im Grunde war das Auto da von der Bedienung her fertig, denn einfacher geht's kaum. Von der E-Mobilität könnte man bei Automatikwagen höchstens noch die Ein-Pedal-Regelung übernehmen. Sogar die Scheibenwischer und das Licht muss man nicht mehr einschalten.

Und was passiert? Aus reinem Überdruss ist wieder alles komplizierter geworden. Die Elektrik/Elektronik schafft Möglichkeiten und die müssen offensichtlich ausgenutzt werden. Das hat ganz harmlos mit dem Autoradio angefangen, die neue Suche, wenn man das Gebiet des Senders verlassen hatte. Dann kam das Gefummel mit den Kassetten hinzu, etwas erleichtert durch CD und dann durch mp3. Gut, meinetwegen auch noch der USB-Stick, dann ist es aber genug.

Von wegen, dann geht es erst richtig los, denn wer will denn schon zuhause eine längere Fahrt vorbereiten? SIM-Karte, Internet-Anschluss her und einen Hotspot für alle daraus gemacht. Jede(r) streamt was er/sie will und alle hören alles durcheinander. Damit niemand den Wahnsinn bemerkt, zwischendurch eher sinnvolle Anwendungen z.B. zur Navigation. Da offensichtlich niemand mehr große Städte in Deutschland bestimmten Regionen zuordnen kann, fahren sie streng nach Display, Anweisung oder neuerdings auch Head-Up.

Gibt es für das Beifahrer-Display des neusten Mercedes EQS überhaupt sinnvolle Anwendungen?

Allerdings kann man sich auch mit seinen geografischen Kenntnissen überschätzen. Können Sie ahnen, wie spät wir gemerkt haben, dass wir nach Böblingen und nicht nach Bobingen unterwegs waren. Das Eintippen in ein Navigationssystem hätte uns hier gewiss früher auf die richtige Spur geführt. Leider waren Ausweitungen über das Sinnvolle hinaus nicht aufzuhalten. Zwischendurch hatte ein ansonsten noch als normal zu bezeichnendes Auto so viele Tasten und Regler, dass man sogar das Lenkrad damit überfrachtete.

Erst wurden es zu viele reale, ertastbare Bedienelemente, neuerdings sind es zu wenige.

Ständig muss etwas verstellt werden, Temperatur rauf oder runter, natürlich getrennt vorn und sogar noch nach hinten, Umluft an und aus. Allein die Funktionen im Zusammenhang mit den Sitzen füllen so viele Seiten, wie früher fast die des halben Autos. Der Ausbau eines Sitzes ist mit Stromversorgung, Sicherheit, Sitzerkennung, Audio- und Luftversorgung aufwendiger als früher der Motorausbau beim Käfer. Übrigens musste man einst beim Standard-Käfer kurz aussteigen, wenn man den Sitz verstellen wollte. Heute dauert die Verstellung fast noch länger, wenn Sie dem System nicht bekannt sind.

Hier noch einmal unsere stille Abneigung gegen langsam öffnende, elektrische Heckklappen.

Unsere These: Es ist erst viel einfacher geworden und dann wieder gewaltig komplizierter. Schauen Sie nur die Werkstätten an. Hatten Sie früher ein Problem mit Ihrem Auto, hat das der Meister Ihrer Werkstatt diagnostiziert und mit Ihnen die Reparatur besprochen. Heute brauchen Sie allein dafür schon einen Termin. Sie können auch gar nicht mehr so sicher sein, dass die Werkstatt den Fehler findet, wohl aber, dass Sie eine Rechnung erhalten.

Bei amerikanischen E-Autos, auch wenn diese demnächst in Deutschland hergestellt werden, müssen Sie zu so einer Werkstatt bis zu 200 km fahren, besonders, wenn der Fehler noch gesucht werden muss. Kontakt dann eigentlich nur über E-Mail, Antwort ungewiss. Kaufen Sie ein bestimmtes Modell mit Anhängerkupplung, können Sie zwar die in den Papieren angegebenen Anhänger anhängen, nicht aber einen Fahrradträger nach den Angaben dort belasten (Stützlast). Dazu müssen Sie in die Bedienungsanleitung schauen. Tun Sie das nicht, kann die langjährige Garantie erlöschen.

Die Firma kann schon Ihre Software Over-The-Air verändern, aber leider auch Ihre Reichweite verkürzen, wenn Sie zu oft schnellgeladen haben. Die andere Firma arbeitet noch an Over-The-Air. Da braucht die Werkstatt dann für den gleichen Vorgang wie oben zwei Arbeitstage und dann oft noch zwei mehr. Schon länger gibt es die Praxis, dass die Werkstatt Ihre Sommer- bzw. Winterreifen aufbewahrt. Warten Sie aber ja nicht bis zum ersten Schneefall, weil dann natürlich die Werkstatt vollkommen ausgebucht ist.

Rückrufe gibt es relativ viele, aber auch solche, bei denen der Hersteller gar nicht weiß, ob Ihr Fahrzeug überhaupt betroffen ist, weil er sich nicht gemerkt hat, welche Teile der Serie in Ihrem Auto eingebaut wurden. Also erhalten Sie ein Schreiben, dann einen Termin. Und jetzt dürfen Sie warten oder großzügigerweise in einem zur Verfügung gestellten Wagen nach Hause fahren und dann direkt wiederkommen, um zu erfahren, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist. Wäre es betroffen, könnte es trotzdem nicht direkt repariert werden, weil der Hersteller erst ermitteln muss, wie viele Ersatzteile er bereitstellen muss.

Ist das noch zu toppen? Bei der Abholung eines Ersatzteils, das immerhin innerhalb von 24 Stunden verfügbar war, hatte ich gerade noch etwas Zeit. So kam ich auf die verrückte Idee, ganz unverbindlich zu fragen, was mein Auto noch wert sei. Nein, das Auto hatte ich nicht dabei, wegen dem Ersatzteil. Aber meinen Sie, es wäre mir in weniger als einer halben Stunde gelungen, auch nur einen ungefähren Preis für mein Auto herauszubekommen, einen mittleren Pflegezustand vorausgesetzt?

Diesen Tanz hätten Sie einmal erleben sollen. Welches Modell mir denn vorschwebe? In meiner Not habe ich dann ein E-Auto des Konzerns genannt. Fehler, denn jetzt ging es nur noch um dessen Ausstattung. Zum Schluss musste ich noch auf das geschätzte zehnseitige Pamphlet warten, weil der Drucker zu langsam war. Erst dann kam ein Preis für mein Auto heraus, den ich bitteschön in Relation zu dem vergleichsweise großen Rabatt auf den Neuwagen setzen solle. Ob die wirklich glauben, das wäre eine gescheite Methode, um mehr Autos zu verkaufen?

Was gibt das erst, wenn der Hersteller dauernd Kontakt zu uns hat?







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