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  Ferrari - Scuderia 1




Wir schreiben das äußerst problematische Jahr 1929, Sie wissen schon, das mit dem schwarzen Freitag. Und folgerichtig mögen Sie sich fragen, wie man ausgerechnet kurz nach diesem einen Rennstall gründen kann. Vielleicht liegt es auch an der Entwicklung, die Italien bis zu diesem Zeitpunkt genommen hat.

Schon immer ist die Rennbegeisterung in dem Land im Ausland kaum kommunizierbar. Schon früh hat jede größere Ansiedlung eigene Veranstaltungen im Motorsportbereich. Und wenn es nur bergauf geht, Vergleiche zwischen Autos gehen immer. Unglaublich die Berichte von wirklich sehr schnellen Fahrzeugen, die in Dörfern durch menschenbestandene Häuserschluchten hindurch müssen.

Wo andere Länder diesen Sport eher outsourcen, findet er in Italien mittendrin statt. Und wo dann echte Rennstrecken entstehen, sind die wirklich schnell, sehr schnell sogar, wie z.B. Monza. Autorennen haben eine ähnliche Bedeutung wie Fußball und Radfahren. Und genau dafür hat Alfa kein Geld mehr, weil das die Faschisten auf Fiat konzentrieren und man nur noch Sportwagen bauen soll.

Im Zuge der beginnenden Aufrüstung kommen dann noch Lkw und ähnliches hinzu, nicht aber Mittel für den Rennsport. Dabei ist Italien nahezu führend im Autobahnbau, hat, entgegen der von uns so gefeierten Kraftwagenstraße zwischen Köln und Bonn die erste Autobahn mit zwei voneinander getrennten Spuren 1924 zwischen Mailand und Varese eröffnet.

Dann gibt es da noch die fünf Brüder Maserati mit ihrem 16-zylindrigen Rekordwagen, von dem im entsprechenden Kapitel berichtet wird. Der hat gerade knapp 250 km/h geschafft, zwar nicht als erster, aber das interessiert kaum. Und wenn die Liebe zum Rennsport oder gar die Beteiligung auch für Männer aus der High Society zum guten Ton gehört, ist die Gründung der Scuderia Ferrari geradezu folgerichtig.

Ferrari selbst scheint der Richtige zur Leitung dieser Firma zu sein. Gerade seine guten Beziehungen zu Alfa sind, wenn überhaupt, ein Garant für genügend schnelle Fahrzeuge. Auch kennt er selbst noch gut die in Frage kommenden Rennfahrer, kann ihren jeweiligen Wert einschätzen. Neben den 10.000 Lire von Alfa kommen noch ähnlich hohe Tantiemen von Shell, Bosch und Pirelli zusammen.

Ferrari scheint es gut zu gehen, denn er selbst kann 50.000 Lire beisteuern, nicht wenig trotz der 130.000 Lire von den Textilfabrikanten Augusto und Alfredo Caniato und dem Rennfahrer Tadini. Es ist trotzdem ein Aufstieg in der Krise, die viele kleine Hersteller und Zulieferer die Existenz kostet. Die Dominanz Ferraris in der Scuderia hat Ähnlichkeit mit der viel später von Ford für den Rennsport geforderten, an deren Nichtgewährung die Übernahme scheitert.

Typisch italienisch scheint, dass trotzdem einer der beiden Brüder zum Präsidenten ernannt wird, freilich ohne jede Befugnisse. Natürlich sind alle Zulieferer in dieser schwierigen Situation kompromissbereiter, manche werden sogar zu weiteren Sponsoren. Und dann macht man ja nicht nur die eigenen Wagen rennbereit, sondern auch die von zahlungskräftigen Kunden.

Nein, die Racing-Abteilung ist nicht komplett an die Scuderia ausgelagert. Sie besteht weiter bei Alfa, auch erarbeitet dort immer noch Vittorio Jano immer weiter entwickelte Rennwagen. Allerdings gibt es insofern begrenzte Konkurrenz, als man sich die Autos und evtl. auch die Fahrer teilt. Dabei ist das bessere Material natürlich dem Werk vorbehalten.

So hat es die Scuderia im ersten Jahr schwer. Mit der Verpflichtung des auch als schwergewichtiger Opernstar bekannt gewordenen Giuseppe Campari schafft es Ferrari nur knapp in die erste Liga. Ein weiterer Fahrer ist der Mitgründer Tadini. Es scheint ein von Alfa beäugtes Bewährungsjahr zu sein. Die Dependance hat Ferrari inzwischen in seine Heimatstadt Modena verlegt, zusammen mit kleinem Team und ebensolcher Werkstatt.

Ferrari fährt wieder mit, holt bei einem Rennen in Alessandria auf dem schwächeren 1750er sogar den dritten Platz. Erst im zweiten Jahr kommt die Scuderia offensichtlich an besseres Material und auch öfter an den Vergleich nicht nur mit dem Werksteam, sondern bisweilen auch an die anderen großen Playern Maserati, Bugatti und Mercedes heran. Insgesamt gewinnt man 8 Mal bei 22 Teilnahmen, eben nicht nur kleine, unbedeutendere Rennen.

Dem entsprechend freundlich beginnt das Jahr 1931. Enzo hat im Ort eine geräumigere Werkstatt gefunden, zusammen mit seiner Frau Laura eine größere Wohnung. Es ist gelungen, einen der beiden besten Rennfahrer des Landes, Tazio Nuvolari zu verpflichten. Auch einen neuen Rennwagen gibt es, die Daten finden Sie am Beginn des Kapitels.

Unglaublich die weitere Entwicklung der Scuderia, die inzwischen weit mehr vollbringt, als nur Fahrzeuge rennfertig zu machen. Die Verändrungen an den Wagen gehen so weit, dass man sie sogar als eigene Versionen kennzeichnet. Dazu gehört natürlich ein ansehnlicher Maschinenpark. Auch transportieren kann man die Wagen und solche reicher Kunden durch Anschaffung zweier Lkw selbst.

Man hat sich bei Alfa eine gewisse Reputation erworben, wird belohnt mit gerade erst entwickeltem Fahrmaterial, z.T. noch nicht einmal komplett durchgetestet. Bei ganz wichtigen Rennen, wie dem von Monza, hält man die Scuderia allerdings außen vor. So geht der tödliche Unfall von Arcangeli nicht auf deren Konto. Es ist trotzdem einer der ersten wirklich bedeutenden Siege des 8C, der daraufhin den Beinamen 'Monza' erhält.

Ferrari startet wohl endgültig zum letzten Mal selbst, nachdem er von Nuvolari schwer gedemütigt worden ist. Der hat den deutlich schwächeren 1750er, baut einen Unfall, nach dem der Beifahrer nur noch Gas geben kann und trotzdem fängt er den Chef noch ganz knapp vor dem Ziel ein, obwohl der Minuten vorher gestartet war.

1932 ist das Jahr, in dem Alfredo (Dino) geboren wird, der trotz seines relativ kurzen und von Krankheit durchzogenen Lebens eine Rolle in der Geschichte der Firma Ferrari spielen wird. Es gibt Umorganisationen bei den Teilhabern, den hinzugestoßenen Rennfahrer Taruffi, aber auch eine neue Verbindung, die man im Hinblick auf die Zukunft für noch wichtiger erachten muss, die zu einem gewissen Edoardo Weber.

Sollte es Ihnen nicht direkt auffallen, es sind diese wunderhübschen Gebilde, die nachher bis zu sechst das Oberteil der Zwölfzylinder zieren und als Flachstrom-Doppelvergaser unzählige Fans getunter Fahrzeuge begeistern. Hier beginnt eine der vielen für beide Teile erfolgreichen Verbindungen, die von Ferrari aus geknüpft werden, bis dass die Benzineinspritzung dazwischenfunkt.

Die Mille Miglia ist in diesem Jahr besonders spannend, gilt es doch die Schmach des Rennsieges von Rudolf Caracciola auf einem Siebenliter-Kompressor-Mercedes vom Vorjahr auszumerzen. Hier sind Werksteam und Scuderia gefordert. Und es gelingt sogar mit unglaublich viel schwächeren 8C nicht nur zu gewinnen, sondern den aufgestellten Rekord zu unterbieten.







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