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 Niki Lauda 2



kfz-tech.de/YFe26

Lauda beginnt sein Buch 'Protokoll' mit dem Gespräch am Ende seines Engagements bei Ferrari. Die Menge von drei weiteren beteiligten Personen lässt ihn nichts Gutes ahnen. Es ist, wie bei Ferrari üblich, wieder einmal 'Zuckerbrot und Peitsche' zu erwarten.

Jedoch ist Lauda auch kein Kind von Traurigkeit, hat den Alten nie als einen Gott anerkannt, noch ähnlich angeredet. Aber er sitzt auch in der Klemme, weil er Enzo versprochen hat, für ihn zu fahren, solange er lebe. Das war wohl unbedingt nötig, weil der zweite Titel als Weltmeister 1977 ernsthaft in Gefahr war.

Auch der neue Teammanager behagt ihm überhaupt nicht. Der alte wegen 'seines Chaotisierens, etlicher Blackouts und seiner Neigung zu großer Regie' zwar auch nicht, aber neu besetzt wird der Posten zur Hälfte mit Roberto Nosetto, der schon seit 20 Jahren bei Ferrari ist und die Firma wohl als 'Komplex seines Lebens' angesehen werden muss.

Außer dessen Vorliebe für ausschließlich grüne Klamotten, recht unpassend zur Ferrari-Pflichtkleidung, erwähnt Lauda noch den wohl allumfassenden Aberglauben, der wohl mit dieser Farbwahl zusammenhängt. Erstaunlich, mit Carlos Reutemann als Konkurrent kommt Lauda irgendwie zurecht, aber mit der sich verschlechternden Atmosphäre im Team nicht.

Lauda fühlte sich trotzdem oder gerade deswegen von seiner Seite aus verpflichtet, 'die volle Arbeitsfähigkeit des Teams' zu erhalten. Aber er hat auch gleichzeitig die Nase voll von Ferrari. Da ist dieser Forghieri, die Freundlichkeit in Person, wenn alles glatt geht, aber wehe, wenn nicht. Da macht der zu leicht die Fahrer für schlechte Rundenzeiten verantwortlich.

Dann hat man kurz vor Watkins Glen, dem drittletzten Rennen der Saison 1977, Laudas Mechaniker Ermanno Cuoghi entlassen. Dessen Verfehlung: Er hat sich, in der Nacht von Ferrari angerufen, auch nach einem Gespräch mit seiner Frau nicht dazu durchringen können, verbindlich zu erklären, ob er nun bleibe oder nicht.

Niki Lauda ist wohl der Einzige, der mit Ferrari normal spricht, wenn nicht gerade gebrüllt wird. Die anderen schmeicheln dem Chef, telefonieren geschönte Rundenzeiten durch. Als Lauda Ferraris Sohn Piero bittet zu übersetzen, dass Ferrari ohne ihn nie Weltmeister geworden wäre, weigert sich dieser.

Es ist aber auch für die Position Laudas erstaunlich, dass sich dieser als 'gleichwertiger Partner' sieht. Man kann also Ferraris Unmut darüber verstehen. Für den ist Lauda zu hektisch, zu unbestimmbar. Vielleicht hat er ja recht, wenn er diesen kritisiert, weil der sich nach dem schweren Unfall auf dem Nürburgring nicht auskuriert hat.

Dann hätte das Nichterreichen des Weltmeistertitels 1976 eine sehr vernünftige Erklärung gehabt. Stattdessen tritt Lauda nach sechs Wochen in Monza wieder an, verpasst aber den Titel durch Weigerung des Fahrens bei starkem Regen in Japan. Trotzdem zeigt Enzo trotz allem Hinterherreden in der Presse Respekt vor den Leistungen Laudas.

Immerhin schafft der es nach seinem ersten Titel als Weltmeister, dem Alten bis auf fünf Prozent seine Gehaltsforderung aus dem Kreuz zu leiern. Wo man doch seit Jahren relativ bescheiden bezahlt. Vor Laudas Zeit gibt es offensichtlich nur 450 Dollar und das halbe Preisgeld.

Ein riesiger Konfliktpunkt ist für Lauda die Presse. Man erfährt viel von dämlichen und geradezu beleidigenden Fragen nach seinem Unfall. Die italienische Presse kommt bei ihm besonders schlecht weg. Sehr häufig etwas hinzufügend, was nicht der Sache entspricht. Ferrari wird nach Fussball und Radrennen als Sport-Vertretung des Landes angesehen.

Fast noch schlimmer ist, wie sehr man sich bei Ferrari nach der Presse richtet, Artikel sorgfältig archiviert und Betroffenen bisweilen vor die Nase hält. Hinzu kommt wohl die ganze Art der gelegentlichen Missachtung, plötzlicher Sinneswandlungen des Chefs ohne jegliche vorherigen Ankündigung bzw. Begründung. Auch hat er den Eindruck, dass der jeweilige Fahrer nur im Falle des Erfolgs zählt.








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