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1940 Auto Avio Costruzioni 815



Nein, der Rauswurf bei Alfa war gewiss für Enzo Ferrari eine schwere Demütigung, aber ein großer finanzieller Schaden war es nicht, im Gegenteil. Man hat wohl dafür bezahlen müssen, dass man ihm für vier Jahre verbot, den Firmennamen Scuderia Ferrari zu führen, noch sich direkt an Autorennen zu beteiligen. So entsteht die Auto Avio Costruzione, obwohl Ferrari sich viel mehr mit der Herstellung von Maschinenteilen befasst.

So füllt sich die Werkstatt unter seiner kleinen Wohnung mit Dreh-, Fräs- und anderen Maschinen. Seine Familie besteht aus Laura und dem noch kleinen Sohn Dino. Allerdings wird die Ehe alles andere als glücklich beschrieben. Besonders hart scheint es ihn getroffen zu haben, dass sich Maserati nach der Übernahme durch die Familie Orsi ausgerechnet nur wenig entfernt von seiner Werkstatt ansiedelt.

Beinahe hätte Ferrari schon zu diesem Zeitpunkt seinen Konstrukteur Alberto Massimino an Maserati verloren, die zu der Zeit wohl einzige Hoffnung, je wieder zu einem Rennstall mit eigenen Fahrzeugen zu kommen. Und bald hat er auch wieder Beschäftigung für ihn, als nämlich der Sohn des berühmten Alberto Ascari und dessen Freund an ihn herantreten und zwei Sportwagen für die Mille Miglia 1940 bauen. Man wählt als Basis einen Fiat Ballila und ersetzt den 1L-Vierzylinder durch einen 1,5L-Reihen-Achtzylinder. Da passen dann wieder zwei originale, allerdings modifizierte Zylinderköpfe drauf. Die Karosserie stammt schließlich von Touring mit deren unverkennbarer Superleggera-Technik.

Natürlich haben diese beiden in Rekordzeit entstandenen Wagen nicht gewonnen. Es war aber auch eine andere Mille Miglia als gewohnt. Wir hatten uns schon gewundert, dass die Gewinner Hutschke von Hanstein und Bäumer im BMW 328 so eine nie mehr erreichte Fabelzeit hingelegt haben. Die Erklärung ist, dass es sich um einen 102 Meilen langen Kurs handelt, der zehn Mal durchfahren werden muss.

Kurz darauf tritt auch Italien in den Krieg ein. Nein, Kriegserfolge hat man bis zum Aufmarsch der Alliierten nach deren Landung in Sizilien nicht erzielt, im Gegenteil. Letztlich besetzen und verteidigen die Deutschen das Land. Ferrari ficht das alles nicht an, er produziert Werkzeugmaschinen, teilweise auch besonders ausgeklügelte Übernahmen deutscher Hersteller, die in Italien keinen Patentschutz haben. Er expandiert sogar kräftig, kauft ein Grundstück in Maranello und setzt eine große Halle darauf.

Es sind halt seine immer noch funktionierenden Kontakte bis in höchste Stellen der Wirtschaft, die ihm Aufträge verschaffen. Er hat das zwar immer bestritten, aber die Maschinen, die er baut, werden natürlich auch für die Herstellung von Kriegsgerät benutzt. Offensichtlich hat sich die Zahl der Beschäftigten mehr als verdreifacht. Aber, man bescheinigt der Firma auch einen hohen Standard, so dass Enzo hier wohl getrost nach dem Krieg hätte weiter expandieren können.

Er war schon immer, obwohl sehr sesshaft, eine Art Lebemann. Mit 46 Jahren knüpft er eine Beziehung zu einer seiner Fabrikarbeiterinnen. Lina Lardi muss wohl vom Wesen her das Gegenteil seiner Frau Laura gewesen sein, zusätzlich hübsch und blond. Er wird schon bald mit ihr ein Kind haben, während er bitter konstatieren muss, dass sein Erstgeborener unheilbar erkrankt. Allerdings wird er seinen Zweitgeborenen erst sehr spät als seinen rechtmäßigen Sohn anerkennen. Sein Name zunächst: Piero Lardi.

Nein, die Idee des hubraumkleinen Zwölfzylinders stammt keinesfalls von Enzo allein. Noch während des Krieges gibt es Verhandlungen mit Isotta Fraschini zum Bau eines solchen. Es wird nichts draus, weil deren Fabrik ziemlich zerstört wird. Auch kommen solche Motoren bei fast jedem renommierten Hersteller vor. Ferrari geht seinen Weg, obwohl er Alberto Massimino wegen dessen Abwerbung von Maserati durch Gioacchino Colombo ersetzen muss. Er hat es nicht leicht, weil natürlich auch seine Fabrik durch Bombenangriffe Schaden genommen hat.








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