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  Diesel-Skandal



Hin und her haben wir überlegt, den Diesel-Skandal noch einmal aufzuwärmen, denn eigentlich ist er ja Schnee von gestern. Nicht ganz, denn wir sind auch Betroffene und warten immer noch auf eine Einigung mit VW bzw. ein Gerichtsverfahren. Aber dieser Teil der Thematik hat gewiss in einem Buch über den Dieselmotor nichts zu suchen. Auch ist es nicht unsere Absicht, hier wieder einmal VW allein an den Pranger zu stellen.

Der Grund für die Aufnahme dieses Kapitels ist die immer noch recht einseitige bzw. nur mühsam zu Erkenntnissen kommende journalistische Arbeit in diesem Fall. Das fing schon damit an, sich nicht von Anfang an auf fast alle Hersteller bzw. Anbieter von Dieselmotoren zu beziehen. Jetzt könnte man die Fa. Bosch als den Haupt-Drahtzieher benennen, aber auch das wäre zu kurz gegriffen. Am Ende dieses Kapitels können Sie ja dann selbst beurteilen, ob wir Ihnen einen Zugewinn an Wissen erbracht haben.

Sie merken schon, wir haben es, dem Titel dieses Buches entsprechend, hauptsächlich auf die technische Seite des Problems abgesehen. Dazu müssten wir erst einmal klären, warum denn ein Auto, nicht nur um harmlose Abgaswerte vorzutäuschen, sondern ganz generell wissen muss, dass es sich gerade auf einem Prüfstand befindet. Bestimmte programmierte Abweichungen vom Verhalten im realen Verkehr sind zwingend notwendig. Das folgende Beispiel soll zeigen, dass diese sogar absolut gesetzeskonform sein können.

Stellen Sie sich vor, es liegt eine Fehlermeldung im Bereich ESP vor. In der Werkstatt will man im Rahmen der Fehlersuche wissen, ob denn dieses System überhaupt in der Lage ist, einzelne Räder gezielt abzubremsen. Sehr leicht kann man sich vorstellen, dass so eine Funktion nur auf einem Bremsenprüfstand bei einer simulierten Geschwindigkeit von etwa 5 km/h überhaupt gestartet werden darf. In jedem anderen Fahrbetrieb kann so ein Versuch tödlich enden. Die Erlaubnis für eine solche Funktion kann man auch nicht der Werkstatt überlassen. Was wäre, wenn es versäumt würde, diese wieder zurückzustellen?

Aber von wem stammt denn eigentlich die Software für das Motormanagement, das auch das eventuelle Verhalten auf dem Prüfstand und die Abgasentgiftung beinhaltet? Das ist, neben anderen Zulieferern für die Elektronik des Motors, z.B. die Firma Bosch. Daher müssten also die möglichen und nicht immer illegalen Abzweigungen kommen, die offensichtlich von den Original Equipment Manufacturers genutzt worden sind.

Das ist also immer Teamwork. Sind solche Ausstiege aus dem normalen Prüfablauf nicht vorhanden oder wird der OEM nicht darauf hingewiesen, so kann er sie nicht nutzen. Es lässt sich vermutlich gar nicht klären, wer den Hauptanteil an den Tricksereien hat, zumal auch hier per Gesetz Abweichungen vom normalen gesetzeskonformen Verhalten bei sehr tiefen Temperaturen möglich sind, um z.B. den Motor zu schonen.

Jedoch ist auch dieses Schlupfloch durch erhebliches Anheben dieser Temperatur und Absenkung von für den Motor angeblich schädlichen, zu hohen Temperaturen so sehr ausgenutzt worden, dass der Motor in den meisten in Deutschland übers Jahr üblichen Temperaturen im schadstoffreicheren Betrieb fuhr.

So, das war jetzt einigermaßen gesichertes Wissen, Was jetzt kommt, enthält schon ein paar Vermutungen, aber Sie werden sehen, sehr weit hergeholt sind die nicht. Dieser Skandal muss irgendwann aus einer Not heraus seinen Anfang genommen haben. Ob das nun bei VW zur Ankurbelung seines darniederliegenden Geschäfts in USA oder einen anderen Grund hatte, ist eigentlich unwichtig. Es muss wohl so gewesen sein, dass von den zuständigen Technikern/innen eine Ingenieurleistung verlangt wurde, die eigentlich höhere Kosten in der Serie verursacht hätte.

Und genau die konnte man sich aus Gründen der Konkurrenzfähigkeit nicht leisten. Wenn es USA war, dann wären in dem sehr preissensitiven Automarkt dort Diesel mit einem besonderen Abgassystem nicht absetzbar gewesen. Allerdings hatte man durch den Partikelfilter dem Diesel endlich das Rußen abgewöhnt. Daraufhin wurden dann besondere Fähigkeiten in Bezug auf das Abgas herausgestellt, denn von zu viel NOX konnte man ja an den Abgasen nichts erkennen. Und das hat wohl zur besonderen Wut in USA und vielleicht auch den schärferen Bestrafungen geführt.

In Europa konnte man beim Diesel immer den geringeren Verbrauch hervorheben, ein Argument, das in USA weniger zählt. Da gibt es die ältere Dame, die zwei andere mit Hilfe eines Tuchs am Auspuff überzeugt, wie sauber so ein Diesel daherkommt. Also wurde in dem Land mit den in Bezug auf NOX schärferen Vorschriften ausgerechnet hauptsächlich mit dem Abgasargument zu punkten versucht, und auch der entsprechende Erfolg verbucht. Man erwartete schon, dass Amerika den Diesel bald ebenso lieben würde wie Europa.

Und warum hat man nicht mit einer eventuellen Aufdeckung der massiven Täuschungen gerechnet? Ganz einfach: Zu der Zeit der ersten Manipulationen gab es noch keine mobilen Testgeräte. Und aus jedem nur denkbaren stationären Test wären die Autos immer als Saubermänner hervorgegangen. Die Anfänge müssen schon mindestens 10 Jahre vor der Konstruktion der ersten mobilen Tester gelegen haben. Und selbst wenn man von der Existenz der Planung solcher gewusst hätte, wer würde diese teuren Geräte denn kaufen wollen?

Es ist ja eigentlich auch nur durch Zufall entdeckt worden. Ausgerechnet die massive Werbung für den Diesel in USA hat dafür gesorgt, dass eine relativ kleine Organisation beweisen wollte, dass ein Diesel wirklich umweltfreundlich sei und dieser damit noch mehr zu empfehlen sei. Aber das Leben schreibt Geschichten, die kann man nicht erfinden. Ausgerechnet diese Tests führen zur Aufdeckung des Skandals.


kfz-tech.de/YDM22

Warum wir uns von Anfang an relativ sicher waren, dass wesentlich mehr als nur ein Hersteller betroffen sei? Weil auch der nicht standardisierte Test unseres Golf TDI auf der Rolle (oben ab 5:00) einen eher hemmungslosen Ausstoß von NO zeigt. Insgesamt zeigen sich hier die Spuren des Rennens um den geringsten Verbrauch, der durch hohe Verbrennungstemperaturen und damit viel NOX erkauft wird. Und wenn die Fahrzeuge anderer Marken mit unserem Auto durchaus mithalten konnten, darf man bei denen auch eine mangelnde Zurückhaltung vermuten.

Und wir als Käufer/innen haben natürlich verglichen und uns bei jedem neuen Modell über mehr Ersparnis gefreut. Noch heute schlägt unser Auto bei den Spritkosten alle E-Autos, egal wo sie (natürlich nicht kostenlos) geladen werden, wenn es um etwas höhere Geschwindigkeiten geht, im Winter ohnehin, aber auch im Sommer. Erstaunlicherweise hat daran auch das Software-Update nichts geändert. Übrigens, dass man der Sache frei nach Goethes Zauberlehrling nachher nicht mehr Herr wurde, kann man vielleicht verstehen, nicht aber viele Reaktionen darauf, als der Schwindel bereits entdeckt war.


kfz-tech.de/YDM23







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