Sicken

'Die Zeit der Sicken ist vorbei' verkündet Daimler. Man hatte es schon geahnt bzw. konnte es am E-Coupé im Gegensatz zu den früher erschienen Coupés der C- und der S-Klasse bis auf eine weit unten gut
verfolgen. Wenn also die Linien künftig nicht so zerfließen wie oben auf dem Bild, kann man diesen Entschluss eigentlich nur begrüßen.
Allerdings geht so etwas nicht ohne Designer-Speech:
'In einem Spannungsfeld von Tradition und Moderne entwerfen die Designer von Mercedes-Benz die Autos für die Zukunft. Im Mittelpunkt ihres Schaffens steht Sinnliche Klarheit als
Ausdruck modernen Luxus.'
Trotz dieser sprachlichen Verknotung, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Was treiben nicht alles für Mini-Skulpturen ihr Unwesen auf den Flanken unserer Autos. Höchst unbegründbare Linien werden dann
hervorgehoben. Als wenn jemand zu viel mit den Formen bei der Blechbearbeitung gespielt hätte.
Immerhin hat das Wachstum besonders der Heckleuchten in die seitliche Fläche hinein etwas nachgelassen. Man konnte ja schon die Uhr danach stellen, wie das nächste Modell in dieser Hinsicht aussehen
würde. So viel Unruhe hat meist ein kurzes Leben. Das ist allenfalls beim Neuwagen interessant und aufregend, später nur noch letzteres.
Die Mercedes-Designer haben es wie gesagt schon beim Coupé der E-Klasse abgeschafft, weisen aber jetzt auf die kommende A-Klasse hin. Die hat ohnehin einen Sonderstatus, denn, obwohl diese leichte
anleihen beim SLS macht, hat mit dem W 176 von 2012 der besondere Erfolg des Mercedes-Designs vor allem auch bei der (etwas) jüngeren Käuferschicht begonnen.
Natürlich beraubt sich der/die Designer/in gewisser Möglichkeiten, weshalb es natürlich besser ist, mit der (kleineren) A-Klasse zu beginnen und nicht mit der S-Klasee. Natürlich muss auch wieder eine neue
Bezeichnung her, nämlich 'Aesthetics A'. Es soll also diese Limousine der Kompaktklasse wieder 'auf den Grundkörper' reduziert werden. Man will auch die Sicken nicht ganz abschaffen, sondern 'extrem reduzieren'.
Und wenn dann die Designer-Sprache endlich mal auf den Punkt kommt, erkennt man, was jetzt beabsichtigt wird. Statt einer Sicke, die z.B. eine einigermaßen scharfkanntige Erhebung in einer Fläche darstellt, will
man jetzt zwei Flächen im Winkel gegeneinander setzen, was natürlich auch eine Kante ergibt, aber eben keine Sicke.
Was das allerdings mit 3-Box-Design zu tun hat, wird wohl das Geheimnis der Mercedes-Designer bleiben. Vielleicht ist ja hier auch schon der durchgreifende Erfolg der Marke in China zu spüren, die auch uns
demnächst unsere praktische Heckklappe streitig machen will. Der Wille einer Marke, sein Publikum in eine vernünftige Richtung zu drängen, ist begrenzt. Eher Ungekehrtes ist der Fall.
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