Zusammenfassung 1

Viel haben wir bisher über das software-basierte bzw. definierte Auto gehört, dass es vielleicht Zeit für ein vorläufiges Fazit ist. Das Grund-Statement ist, dass immer noch Fahrzeuge verkauft
werden, bei denen nach der grundsätzlichen Entscheidung für Verbrenner-, Plug-In- oder reinen Elektroantrieb das Aussehen und Anfühlen die wesentliche Rolle spielt. Vielleicht mögen die
Chinesen mehr das Wohnzimmer im Auto sehen, weil Sie zuhause nicht ganz so viel Platz gewohnt sind wie wir, aber bei uns bleibt es ein Auto mit der Grundeigenschaft, das Fahrerlebnis zu
fördern. Mit Sicherheit haben wir auch weniger Megastädte und dort etwas weniger Staus.
Die Entwicklung unserer Autos hat sich allerdings geändert. Gab es auch schon vorher Software in bescheidenem Maße in unseren Autos, so hat sich deren Stellenwert deutlich erhöht, was die
Teilnahme einer anderen Kategorie von Entwicklern/innen mit sich gebracht hat. Es soll sogar das Neuankömmlingen oft genug entgegenschlagende Misstrauen geändert haben, das gipfelte in
dem Satz: 'Das haben wir immer schon so gemacht'.
Allerdings hat man wohl anfänglich geglaubt, die hinzugekommene Software sei nicht ganz so wichtig für die Betriebssicherheit und deshalb von Kunden/innen nicht so kritisch beäugt. Das hat
sich als Fehler herausgestellt. Denn mit der hinzugefügten Software hat der/die Kunde/in jeden Tag zu tun, so dass der Ärger vielleicht noch mehr Nahrung erhielt als durch einen nicht ganz so oft
auftretenden Defekt. VW hat diesen Ärger bei der Diskussion um fehlende Tasten schmerzlich erfahren müssen.
Auch ist eventuelle Kritik heutzutage viel leichter zu veröffentlichen als früher. Vielleicht sollten wir die sozialen Medien beim software-basierten Auto hinzunehmen. Sie werden in einer
vollkommen gewandelten Umgebung verkauft. Hinzu kommt der Boom, ein Auto nur eine gewisse Zeit besitzen bzw. fahren zu wollen. Das hat enorm zugenommen und ist nicht nur damit zu
erklären, dass Menschen vielleicht weniger 'flüssig' sind, einen Neuwagen bar bezahlen zu können.
Nein, es ist die massive Ausweitung der Testsituation. Früher war man an den Missgriff beim Autokauf gebunden, weil dieses auch eine so hohe Wertminderung hatte, dass man sich ohne hohe
Verluste nicht von ihm trennen wollte. Es fuhr ja, also fügte man sich in sein/ihr Schicksal. Das hat sich massiv geändert, seit z.B. auch bei Hausverkäufen angeblich gilt: Zustand egal, wird ohnehin
von der/dem neuen Besitzer/in alles geändert.
Nein, beim Auto trennt man sich einfach, zumal ja der Rückgabewert von vornherein feststeht, von einer Überprüfung bei Rückgabe einmal abgesehen. Das ist ein geändertes Verhältnis zum
Auto. Man nimmt sich zwar sehr in Acht, weil jedes Vorkommnis nicht mehr nur vom TÜV, sondern auch nach Ende der Zeit sogar in Euro und Cent ablesbar ist, aber so eine richtige Zuneigung
kommt nicht mehr auf. Es ist eher so, als hätte man sich das Fahrzeug ausgeliehen.
Zurück zum Thema. Hat der raschere Wechsel etwas mit der Softeware-Basierung zu tun? Dazu muss man zwei Phänomene hinzunehmen. Die Verbesserung der Software durch Updates over the
Air hat wohl doch nicht in allen Fällen so geklappt, wie man sich das anfangs vorgestellt hat. Selbst der Begründer dieser Möglichkeit, Tesla, hat mit über die Jahre rasch zunehmenden
Anforderungen an die Hardware zu kämpfen.
Denn die kann man nicht so einfach austauschen. Manche Verbesserungen in der Software bleiben somit nur eher jüngeren Fahrzeugen vorbehalten. Und es gibt immer noch bei manchen
Herstellern den zum Updaten nötigen Werkstattaufenthalt. Nein, die Konzentration der gesamten Software auf wenige Steuergeräte, mit eine Bedingung für erfolgreiche Updates over the Air, ist
noch lange nicht bei allen Herstellern und in allen ihren Produkten verwirklicht.
Das hat alles viel länger gedauert, als man sich das vorher gedacht hat. Es ist vermutlich auch immer noch nicht ganz klar, wie man bei der notwendigen Veränderung am besten vorgeht. Bildet
man ein Riesen-Team in einer vollkommen neuen Company oder sind zu viele Programmierer auf einen Haufen eher hinderlich und auch schwer koordinierbar? Oder arbeitet man am besten
gleich mit einer Firma zusammen, die den Erfolg schon bewiesen hat? Man hat das Gefühl, VW beschreitet zumindest zwei der drei Wege gleichzeitig.
Was hatte man in der Automobilindustrie nicht alles für Pläne. Man wollte die Kunden/innen irgendwie langzeitig an die Marke binden. Geblieben ist dabei der Inspektionsmarathon, der dann
bald zumindest auf zwei Jahre bzw. 30.000 km ausgedehnt werden musste, wobei er jetzt endgültig nicht zu den Zyklen beim TÜV passt. Nur der halbjährliche Reifenwechsel scheint zu klappen,
wobei die Druckfühler in den Rädern den eigenmächtigen Radwechsel endgültig zunichte gemacht haben.
Nein, die langfristige Bindung an die Mobilitätsgarantie hat sich erst mit dem Einbau von Hochvoltbatterien für den Handel und die Hersteller erfüllt. Das hat mit dem software-basierten Auto
wenig zu tun. Wobei sich mittlerweile herausstellt, dass weniger die Batterie als vielmehr die Elektronik um die Batterie herum eines solchen Schutzes bedarf. Es gibt schon Hersteller, die das
erkannt haben und den Schutz zwar kostenlos anbieten, aber jetzt die Kunden noch länger an die Werkstatt binden.
Dabei hatte man eigentlich gedacht, den Kunden/innen ein noch viel häufigeres Kauferlebnis bieten zu wollen. Man wollte, und hat es z.T. auch schon getan, bestimmte Zusatzfunktionen
teilweise gegen eine Art 'Miete' anbieten. Ein harmloses Beispiel wäre die Nutzung der Funktionen eines Navigationssystem nur zur Urlaubszeit, vielleicht für E-Autos noch sinnvoller als für
Verbrenner. Leider stehen vor der weiteren Ausbreitung noch je ein altes und ein neues Problem.
Schon erwähnt wurde, dass eben bestimmte Software-Versionen nur zu bestimmter Hardware passen. Dann kann man den Kunden wohl oder übel nicht immer die neuste anbieten. Noch
schlimmer als jetzt bei diesem Thema ist wohl die Tatsache, dass alle ausgelieferten Fahrzeuge diese zu mietenden Fähigkeiten, besonders deren Hardware, an Bord haben müssen, ob jemals
davon Gebrauch gemacht wird oder nicht. Beinahe unübersehbar wird das Chaos, wenn die Fahrzeuge den/die Besitzer/in wechseln.
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