Risiken der Software 2

Das Gebiet ist nicht ganz einfach zu erklären. Man könnte es sich einfach machen, indem man sagt, ein Fahrzeug habe einfach sicher gegen äußere Angriffe zu sein. Aber das geht erst recht nicht, wo
Informationen durch die Öffentlichkeit hindurchgeschleust werden müssen.
Aber beginnen wir einmal besonders früh und nehmen bewusst einen sicherheitsrelevanten Bereich, nämlich den der Bremse. Seit ewigen Zeiten sind wir gewohnt, auf ein Pedal treten zu können, das über
einen Kolben Druck von Hydraulikflüssigkeit zur Radbremse schickt.
Dort wird wiederum aus dem Druck Bewegung, die Elemente mit einem genügend großen Reibungsfaktor an drehende Teile drückt. Solange niemand von außen die Leitung beschädigt, ist das System
einigermaßen sicher.
Außerdem würde man eine solche Beschädigung beim ersten Bremsvorgang bemerken und nicht mehr weiterfahren. Ein Defekt wäre sogar verkraftbar, weil inzwischen alle Autos über zwei Kreise von
Hydraulikflüssigkeit verfügen.
Und die Minderung der Funktion ist sogar hier bemerkbar, weil zumindest der erste Pedalweg länger geworden ist. Das sei besonders betont, weil wir im Verlauf dieses und der folgenden Kapitel auch noch den
Ausfall von Funktionen kennenlernen werden, die nicht sofort bemerkt werden.
Seit man festgestellt hat, dass blockierende Räder beim Bremsen unbedingt zu vermeiden sind, ist die Elektronik ins Spiel gekommen und deren Sicherheit erstmals ein wichtiger Punkt, denn die nimmt in
entscheidenden Situationen die Bremsung gewaltsam zurück.
Man könnte ab dem Zeitpunkt schon von einer softwarebasierten Bremse sprechen, denn sie könnte bei Fehlfunktion diese komplett außer Gefecht setzen. Hier kommt erstmals die sogenannte
Redundanz ins Spiel, also die Verdoppelung von Systemen als Schutz vor Ausfall.
Daraus muss übrigens eine Verdreifachung werden, wenn es sich z.B. um ein System wie 'Steer-by-Wire' handelt, denn bei Ausfall eines Steuergeräts in einer Kurve braucht man zwei weitere Systeme, die
den Ausfall registrieren und das Auto sicher durch die Kurve bringen.
Jetzt haben wir schon zwei sicherheitsrelevante Systeme, Bremse und Lenkung. Moderne Assistenzsysteme nutzen beide, um z.B. aktiv die Spur zu halten, auch in Kurven. Oder vielleicht den Wagen zu
selbstständigem Einparken zu bewegen.
Das ist dann schon ein großer Schritt, denn heutzutage kann das Auto das in aller Regel nicht von alleine. Während auch bis hierher schon eine Menge Bugs möglich wären, kommt jetzt der oben erwähnte
Schritt durch den öffentlichen Raum ins Spiel.
Wer hat eigentlich den Begriff 'Cloud' in die Welt gesetzt? Was jetzt passiert, hat mit Überirdischem oder den Wolken nichts zu tun. Es gehen einfach Daten zu einem weiteren, wesentlich leistungsfähigeren
Computer, der sich z,B. im Zugriff des Herstellers befindet.
Das Fahrzeug nutzt, von dem/der Fahrer/in unbemerkt, um vielleicht schneller zu einem Ergebnis zu kommen, zusätzliche Daten z.B. über Topographien oder aktuelles Verkehrsgeschehen. Somit
ist aus dem vergleichsweise simplen Problem des Bremsens und Lenkens eine breitgestreute Technologie geworden.
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