Alles ist Software 2

Das steht der Mitarbeiter des TÜV-Rheinland hinten unter unserem Auto und fragt, 'Was soll ich denn jetzt hier prüfen?'. Wir wissen es auch nicht, denn vorher hat er schon gemeint, dass drei oder fünf Jahre
alte Autos eigentlich gar nicht geprüft werden müssten.
Wenn das seine Oberen hören, wird er wohl nicht mehr lange bleiben können. Denn die haben, zusammen mit anderen Lobbyisten in Brüssel versucht, Autos ab 10 Jahren sogar jedes Jahr prüfen zu dürfen,
zum Glück erfolglos. Denn solche Autos bleiben eher öfter stehen, als durch mangelnde Technik Unfälle zu verursachen.
Beim Verkaufsgespräch hieß es, der neue Wagen müsse zwar jedes Jahr zur Inspektion, aber das wären nur 100 € im ersten, 200 € im zweiten und 300 € im dritten Jahr. Tatsächlich waren es aber über 130 €
im ersten und über 250 € im zweiten und vermutlich wären es über 360 € jetzt im dritten Jahr geworden.
Ja, man hat im zweiten Jahr die Bremsflüssigkeit gewechselt und hätte sich jetzt die Klimaanlage vorgenommen. Aber die funktioniert noch prima. Früher bei unserem Golf haben wir sie erst nach sieben
Jahren inspizieren lassen und es fehlte noch nicht einmal ein Drittel Kältemittel und vermutlich noch weniger Öl.
Es war übrigens nicht teurer, weil etwas mehr Kältemittel hinzugegeben werden musste. Und so wird es vermutlich auch bei unserem E-Kona sein. Und geprüft wird so eine Anlage so ähnlich, man
schaltet sie ein und überzeugt sich von ihrer Wirkung, nur eben mit konkreten Messwerten.
Man konnte merken, dass die Kühlwirkung beim Golf so langsam etwas nachließ. Wie gesagt, auch wegen dem Ölanteil, der für die Lebensdauer des Kompressors wichtig ist, sollte man dann schon einmal
zur Tat schreiten. Gute Anleitungen gibt es z.B. bei YouTube, wie man diverse Filter wechselt.
Erstaunlicherweise ist da eine Firma, die gar keine Intervalle für die Inspektion vorschreibt, nämlich Tesla. Und trotzdem bleibt die achtjährige Garantie erhalten. Nun hätten wir trotzdem keinen Tesla kaufen
mögen, aber das Beispiel zeigt doch, Werkstattbesuche müssen nicht unbedingt von Garantie abhängig gemacht werden.
Nun ist Tesla in Bezug auf Haltbarkeit gewiss keine Vorzeigemarke, sondern schwächelt eher des Öfteren beim TÜV. Für diese Autos gelten vermutlich die oben gemachten Äußerungen des Prüfers nicht. Der
Wagen schreckt auch vor Schäden z.B. am Fahrwerk nicht zurück.
In unserem Fall beschränkt sich die Prüfung nach Bremsen-, Lichttest und Auslesen des Fehlerspeichers auf kleinere Sichtprüfungen. Und am Ende hält man noch eine Überraschung bereit, denn erstmalig ist
so eine Prüfung günstiger als die vorige: nur gut 60 €, während die für einen Verbrenner ca. 166 € gekostet hätte.
Und was hat das mit unserem Titel 'Alles ist Software' zu tun? Vielleicht hätten wir etwas vorsichtiger 'Fast alles ist Software' formulieren sollen. Aber es ist doch wohl deutlich geworden, dass sich auch bei
Inspektion und TÜV-Prüfung vieles in Richtung Software verschoben hat.
Das wird vermutlich noch viel weiter gehen. Denn inzwischen rebellieren die prüfenden Instanzen, dass ihnen nur der Fehlerspeicher zur Prüfung zur Verfügung steht. Und wir wissen alle, was für ein unsicherer
Kantonist das ist, eine unbedingt verlässliche Quelle für möglichst alle sicherheitsrelevanten Mängel jedenfalls nicht.
Die Hersteller bzw. Zulieferer werden auf Dauer mehr herausrücken müssen, um auch durch die Prüfung in der Praxis sicherstellen zu können, dass es nicht z.B. zu Vollbremsungen sogar auf der Autobahn
kommt bzw. diese entsprechend abgelegt werden müssen.
| Sie merken schon, da haben Diagnose und Therapie ausschließlich mit Software zu
tun. |
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