Rost rosten lassen?

Ist das Entfernen von Rost nur der Schönheit des Fahrzeugs geschuldet? Haben die recht, die nur das Nötigste tun und sich auch noch die Waschanlage sparen? Oder die Verrückten, die rostige Autos auch
noch versiegeln?
Tatsache ist, dass der Rost die weitere Korrosion ein wenig aufhalten kann, während blanke Stellen sie unterstützen. Aber was hat es mit diesem 'Schutz' auf sich? Wie ist das bei anderen Metallen? Bilden
die auch eine Schutzschicht?
Eindeutiges Ja z.B. bei Aluminium und Zink, wobei für die Schutzschicht ein 'oxid' angehängt wird. Die beiden und viele andere machen das mit der größten Selbstverständlichkeit, quasi von selbst. Die extrem
dünne und fest haftende Schicht macht Aluminium eigentlich erst 'rostfrei'.
Was passiert im Innern? Eisen gibt Elektronen ab und Sauerstoff nimmt sie auf, Wasser sorgt für den Transport. So fest wie das ursprüngliche Material wird das entstehende Eisenoxid bzw. Eisenhydroxid
natürlich nicht. Das macht ja gerade die Gefahr von Rost aus.
| Das Entscheidende am Rost ist nicht seine Farbe, sondern seine Struktur. |
Bis in die 80er Jahre war Rost eine der wichtigsten Hürden beim Besuch des TÜVs und beim Kauf älterer Fahrzeuge. Ein Porsche 911 in einem Skigebiet mit viel Salz konnte schon nach zwei Jahren
durchgerostet sein.
Die Fa. Audi hat wohl als erste mit dem Feuerverzinken begonnen. Im Prinzip wollen aber alle Verfahren den Eisenkern vor Kontakt mit (feuchter) Luft schützen, angefangen von Legierungen (Beifügungen) zum
Eisenwerkstoff selbst.
Besonders für nach dem Zusammenbau unerreichbare Stellen ist die kathodische Tauchlackierung bzw. die Konversion durch Phosphatierung zur Pflicht geworden. Beim Lack hat man das Gefühl, er kann fast
beliebig dünn aufgetragen sein, Hauptsache die Schichten haften.
Es wäre ja alles gut auch für ein bejahrtes Auto, gäbe es nicht die Belastung von Metall und dessen Reaktionen darauf, Hohlräume, die sich zumindest im Sommer vom Luftdruck her leeren und im Winter
wieder füllen, sowie die Möglichkeit kleinerer und größerer Beschädigungen.
Man kann es fast nicht mehr hören, dass ein Fahrzeug nach der Restaurierung vielleicht sogar besser als neu sein kann. Natürlich nicht. Bei noch so genauer Besichtigung z.B. mit Kameras kann man
Hohlräume noch gar nicht beurteilen, wie beim Neufahrzeug erst entstehen lassen auf keinen Fall.
| Ein alter Wagen kann äußerlich hervorragend aussehen und innen bereits verloren sein.
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Und selbst, wenn man alle Hohlräume öffnet, den Boden des Fahrzeugs quasi komplett zerlegt, man muss ihn irgendwann wieder zusammenschweißen und holt sich damit die Nachteile wieder herein. Eine
unbehandelte Schweißnaht macht fast nichts lieber als rosten.
Schweißen verändert das Material. Ich habe einmal an einem VW-Bulli die für uns überflüssige linke Schiebetür dummerweise von oben nach unten zugeschweißt. Danach schloss die Fahrertür nicht mehr
richtig, Erst dann lernte ich, mit kurzen Nähten Lücken zu lassen.
Daran mag man erkennen, wie Schweißen das Material verändert. Es entstehen Wärmeeinflusszonen, Oxidschichten, Anlauffarben, eventuell Poren und vor allem neue Geometrien, in denen sich Feuchtigkeit
sammeln kann.
| Warum landet man bei der Erklärung chemischer Prozesse so oft in physikalischen
Zusammenhängen? |
Kommen wir zu den Lieblingen des Rostfraßes, den Blechen übereinander. Eigentlich Bereiche der Verstärkung, in der grausamen Realität oft als erste infiziert. Besonders nachhaltig schädigen sie die
Struktur z.B. an den Domen von McPherson-Federbeinen.
Würde man sich in die Zwischenräume der Bleche hineinbeamen, man könnte Geschichten erzählen. Da versuchen Leute ernsthaft, durch Auftragen irgendwelcher Schichten vor dem Punktschweißen zu
schützen. Sieht gut aus, hilft vermutlich wenig.
Zum Schluss noch die These: 'Zink als Opfermetall'. Weil es unedler ist als Stahl wird es eher angegriffen. Zusammen mit einer intakten Versiegelung wird es ausreichend lange halten, wären da nicht
wieder die möglichen Beschädigungen, gegen die man bei Sichtbarkeit am besten direkt etwas tut.
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