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 Paul G. Hahnemann



Die 'Neue Klasse' kennzeichnet auch den Einstieg von Paul G. Hahnemann (1912 - 1997) bei BMW und umgekehrt ist er einer der größten Hauptmotoren für deren Erfolg. Das sind begnadete Menschen, die im Prinzip nie eine Bewerbung schreiben müssen. Ihm eilt ein Ruf von seiner letzten Arbeitsstelle als Vertriebschef bei der Auto-Union voraus, der ihn für BMW als äußerst erfolgreichen Verkäufer interessant macht.

Gleichzeitig scheint aber auch Borgward um ihn zu ringen. Warum? Man wird 15.000 Fahrzeuge vom Typ Arabella nicht los, BMW eine kleinere, aber immer noch für diese gerade vom Totenbett wieder auferstandene Firma erdrückende Menge 700er. Während die Arabella aber an deutlichen Qualitätsmängeln leidet, werden die kleinen BMWs nicht mehr gekauft, weil man in Frankfurt auf der IAA 1961 den 1500er vorgestellt hat.

Borgward steigt ab, BMW steigt auf.

Wir lassen das Gerangel zwischen den Vorständen einmal weg und schauen uns direkt die erste Großtat von Hahnemann an, die gleichzeitig recht gut einen Teil seines Wesens beleuchtet. Er lässt sich europaweit den Händler mit den schwächsten Absatzzahlen geben, bedrängt diesen, recht viele von den 700ern anzunehmen und als der ablehnt, kündigt er fristlos den Händlervertrag.

Wer weiß, was das für eine Umorientierung für jedweden Marken-Verkäufer bedeutet und eventuell sogar den Ruin des kompletten Geschäfts nach sich zieht, kann verstehen, dass Hahnemann den anderen gar nicht erst drohen muss, weil sich diese Kündigung schon herumgesprochen hat. Bis zum Jahresende soll der Hof leergefegt gewesen sein. Man übertreibt wohl nicht, wenn man sagt, dass Hahnemann gefürchtet war.


Achten Sie einmal darauf: Wer duzt in dem Gespräch mit Hahnemann eigentlich wen?

Dieter Quester bezeichnet Hahnemann in dem Video oben als den obersten Chef von BMW. Dabei ist der Zeit seines Wirkens bei BMW Vertriebschef und am Ende stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Es ist unschwer, zu erkennen, mit welcher Ehrfurcht Quester Hahnemann begegnet. Immerhin ist Quester da schon Tourenwagen-Europameister 1968 und 1969.

Man kann wohl getrost sagen, es ist Hahnemann beinahe egal, wer unter ihm Vorstandsvorsitzender ist. Nach dem Studium ist der Beginn seiner beruflichen Tätigkeit eine gewiss nicht leichte Grundausbildung bei GM bzw. Opel gewesen, Professor Nordhoff von VW lässt grüßen. Aber die Aufgaben von Hahnemann sind dann doch von besonderer Härte.

Als erste muss man unbedingt das Loch erwähnen zwischen der Vorstellung des BMW 1500 und den ersten Auslieferungen 1963. Direkt darauf folgend die schlechte Qualität, die dieses trotzdem noch viel zu früh ausgelieferte Fahrzeug hat. Hahnemann tut, was ihm einzig übrig bleibt. Wenn man den Quellen trauen darf, gewährt er angeblich großzügig Garantie.

Aber auf der Produktionsseite greift er trotz eines guten Verhältnisses zum Chef dort hart durch, stellt Leute vom Vertrieb erstmalig hinten ans Band und lässt diese endkontrollieren. Es soll ein unglaubliches Chaos durch die vielen bei der Prüfung durchgefallenen Autos gegeben haben, aber das Prinzip wirkt.

Ob ihm die Vorstellung des (großen) BMW 1500 den Namen 'Nischen Paule' eingebracht hat? Dabei hört sich das ja wirklich ein wenig unfreundlich an. So kommt ja wohl kaum jemand auf die Idee, dass Hahnemann erstmalig die BMW AG und besonders ihren Vertrieb wissenschaftlich untersuchen ließ.

So erfahren wir, wie die durchschnittlichen Menschen, also bewusst keine BMW-Fahrer/innen, über die Marke denken. Neben Irrtümern, wer mehr Subventionen von Staat kassiert, BMW oder Mercedes, erfährt man zum ersten Mal, dass alle kleinen Modelle von BMW und sogar die Barockengel komplett ausgeblendet werden. Nur die letzten besonders komfortablen bzw. sportlichen Vorkriegsmodelle sind den Leuten noch präsent.

Und dann geht es um die Definition der Nische. Heute wird das oft auf solche im eigenen Modellprogramm reduziert. Hahnemann meint aber damit auch den Tiefflug unterhalb von Daimler-Benz. Man will nicht in Konkurrenz treten, platziert selbst den großen BMW in eine angebliche Marktlücke unterhalb entsprechender Daimler-Modelle.

Dadurch werden deren Fahrzeuge in den Bereich der Saturiertheit gerückt. Ein BMW ist eben sportlicher, vielleicht nicht ganz so wie in den kleineren Klassen. Man vermeidet es, Mercedes-Fahrzeuge zu nennen, gegen die man antritt. Ganz typisch ist das Gleichnis, dass man einen Mercedes kauft, um die Nachbarn zu beeindrucken. Beim Kauf eines BMW ist einem das egal.

Trotz der nicht gerade niedrigen Preise zieht der Verkauf kräftig an. Milbertshofen wird bald zu klein. Durch einen Kontakt über Schorch Meier zur Firma Glas soll Hahnemann spontan geholfen haben, deren Löhne auszuzahlen. Als wäre es ein Naturgesetz, setzt er anschließend den Kauf der bei BMW als Landmaschinenfabrik verrufenen Firma durch.

Wir könnten Hahnemanns Erfolge z.B. bei der Ordnung der Auslandsmärke und deren Verhältnis zum Binnenmarkt, endlos fortsetzen. Vielleicht noch seine Rolle beim Vierzylinder. Das ist der Neubau der Verwaltung, zumindest von außen fertig zu den Olypischen Spielen 1972. Hahnemann scheut keine Mühen, initiiert sogar das Modell einer Etage, um den Vorstand von dem äußerst modernen Schwanzer-Entwurf zu überzeugen.

Der Umsatz soll sich in der Zeit von Hahnemann versiebenfacht haben.

Zum Schluss ist es Eberhard von Kuenheim, von Hauptaktionär Quandt eingesetzt, der den bis dahin mit wenigen Ausnahmen ungebremsten Erfolg des Unternehmens sichern soll. Dazu gehört ein Vorstand, der sich abstimmt und nicht mehr der bisweilen doch sehr eigenmächtig handelnde Hahnemann. Der kann sich mit den neuen Geflogenheiten und einem offensichtlich stärker agierenden Chef nicht abstimmen und kündigt 1971.









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