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Da gibt es Leute, die sehen uns in der Zukunft von Transportangeboten umringt, schwören Stein und Bein, dass es den privaten Automobilbesitz nicht mehr lange geben wird. Nun gut, wenn man es mit früher vergleicht, dann hat das Auto als Familienmitglied stark an Bedeutung verloren. Liebevolle Pflege wurde durch Waschstraßenatmosphäre ersetzt.

Aber kann der Autohandel wirklich einpacken? Gibt es nur noch eine Art Direktversand, wenn überhaupt noch Autos an privat verkauft werden? Keine Verkaufsgespräche mehr, bei denen der/die Kunde/in auch mal ein paar Geschichten mehr aus seinem/ihrem Autoleben erzählt. Auch weder Flasche Sekt noch Foto bei der Übergabe?

Transportaufgaben werden anonym gebucht und entsprechend erledigt. Natürlich erlebt man so etwas schon bei den Billigfliegern, mitsamt der Angst, auch wieder pünktlich zurück zu sein. Die Menschen können sich dann, verglichen mit den heutigen Autokosten, theoretisch noch mehr Transport leisten. Wer geschickt bucht, erlebt die Bahn heute schon zum doppelten Dieselpreis. Das ist deutlich weniger als die echten Fahrtkosten.

Und dann die ungeheure Schnelligkeit der Entwicklung. Seit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs 2013 hat Flixbus in Deutschland schon Ende 2016 mehr als 90 Prozent des Marktanteils erobert. Dabei besitzt die Firma keinen einzigen Bus. Gewiss, Autohersteller fertigen auch nur noch knapp 30 Prozent eines Fahrzeugs selbst. Sind Sie nicht eigentlich schon längst zum Mobilitätsanbieter mit allem Drum und Dran geworden?

Dagegen könnte man eine andere böse Ahnung ins Feld führen, nämlich die, dass der Mensch mit seiner Freizeit nur bedingt etwas anzufangen weiß. Wer in Rente geht, genießt zunächst einmal seinen Ruhestand, vielleicht hält er ein Jahr durch. Dann treibt ihn eine gewisse Unruhe teilzeitig vielleicht sogar in seinen alten Beruf oder in eine artverwandte Tätigkeit zurück. Gewiss, manche Leute haben eine so schmale Rente, die müssen hinzuverdienen.

Man argumentiert, dass die Gesellschaft genügend Aufgaben bereit halte für Menschen, die sich engagieren wollen. Aber eigenartigerweise sind es noch viel zu selten z.B. Arbeitslose mit viel, sondern vielleicht sogar noch Berufstätige mit weniger Zeit. Wer sein Leben fest im Griff zu haben glaubt, traut sich eher an Zusatzaufgaben heran. Natürlich darf man diese Sätze nicht generalisieren.

Aber es gibt auch viele, die im Leben zu wenig gelernt haben, etwas Sinnvolles mit sich anzufangen. Früher, und teilweise heute noch, war es das Vereinsleben. Toll, wer von jung an z.B. bei der freiwilligen Feuerwehr mitgemacht hat. Aber das sind eher typische Möglichkeiten, wenn man auf dem Lande wohnt. Ist jedoch nicht gerade dieser Anteil von Menschen heutzutage rückläufig?

Vielleicht tut man ja dem typischen jungen Autofahrer Unrecht, wenn man behauptet, er rast nach Hause, sofern das bei heutigen Verkehrsverhältnissen noch geht, und sitzt dann auf der Couch und weiß nichts mit sich anzufangen. Wie wird sich die Kommunikation per Smartphone entwickeln? Wirkt die im Moment immer noch wie ein Hype, schwillt aber irgendwann genauso rasch auf ein vernünftiges Maß ab?

Nein, man wird den Menschen nicht die letzten nichtvirtuellen Dinge entreißen können. Schon der ÖPNV hat trotz seiner Akzeptanz doch arge Macken. Wer fährt schon mit dem Stadtbus rein zu seinem Vergnügen? Wer würde nicht lieber allein in einem Transportgehäuse sitzen oder sich seine/ihre Mitfahrer aussuchen? Nichts von dem, was für viele zu wechselndem Gebrauch angeboten wird, hat sich bis jetzt wirklich durchgesetzt.

Nur das unbedingt Nötigste wird ausgeliehen. Wer hat nicht schon einmal mit dem Verleihen schlechte Erfahrungen gemacht? Vieles, was professionell verliehen wird, ist auch merkwürdig neu. Man fragt sich, wo bleibt das, wenn es Gebrauchsspuren hat. Mancher Verleih entpuppt sich als ein getarnter Outlet.

Wenn es den Menschen möglich ist, bleibt das Eigenheim mit Garten Wunsch Nummer 1, obwohl es im Landschafts- und Resourcenverbrauch eigentlich untragbar ist. Gewiss, die Verstädterung spricht ein wenig dagegen, aber nur, weil sich hier die Wenigsten eine Wohnung, geschweige denn eine Eigentumswohnung leisten können. So ein Wunsch nach Eigentum hat noch nicht einmal unbedingt etwas mit Altersvorsorge zu tun, sondern eher mit der Tatsache, dass Menschen mit wachsendem Wohlstand mehr Eigensinn im Guten wie im Schlechten entwickeln.

Wir haben in diesem Buch schon die Vermutung geäußert, dass es einen ausschließlich autonomen Verkehr nur innerhalb bestimmter Stadtgrenzen geben wird. Die Dieselfahrer/innen werden die Aussperrung aus den Städten in dem Moment ertragen, wenn auch die anderen Fahrerautos ausgesperrt werden, wenn es nicht mehr anders geht in einer noch weiter verdichtet bebauten Stadt.

Aber draußen, da werden die meisten Autofahrer ihr Vergnügen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Notfalls werden sie zu Protestwählern. So schnell wird es nicht dazu kommen, dass Opa Enkeln ohne Führerschein erzählt, er sei in seiner Jugend über die Landstraßen geflitzt und hätte dabei fast völlig frei sein Tempo wählen können und sogar bei freier Sicht auf die weitere Strecke manche Kurve elegant geschnitten, obwohl es verboten war.

Mit dem Luftschiff über der Stadt schweben, Pakete vollautomatisch per Luftdrohne exakt bis in die Wohnung zustellen. Das erinnert an den Kühlschrank, der nachbestellt, auf den wir nun auch schon eine Zeitlang warten und den vielleicht die wenigsten wollen. Wir werden unseren Mix an Transportmitteln mit gewissen Verschiebungen behalten, nicht weil die Industrie nicht in dem Tempo umgestellt werden kann, sondern weil die Verbraucher es so wollen.







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