Wenn Leute sehr viel Geld ausgeben, dann verlangen sie meist Leidenschaft bis ins kleinste Detail und genau das scheint die Faszination eines Pagani auszumachen. Dabei gehört schon alleine viel Mut dazu, Autos zum Preis von weit über einer halben Million Euro anzubieten. Besonders bei den Rennversionen ist noch einmal der gleiche Betrag möglich. Seit der Präsentation des Zonda C12 1999 sind immerhin etwa 100 Stück entstanden. Horacio Pagani (*1955) ist Argentinier und studiert dort nach demDiplom an der technischen Schule Design und Maschinenbau. Er erwirbt besondere Auszeichnungen (Awards) und ist in seiner bisherigen Lebensarbeitszeit meist selbstständig und seit 1983 in Italien tätig. Wichtig zu erwähnen ist seine Freundschaft zu Juan Manuel Fangio, der ihm Mut macht, beim Zonda-Projekt anfangs wohl beteiligt ist und eineVerbindung zu Daimler-Benz knüpft. 1995 stirbt Fangio und der anfangs geplante Doppelnamen Pagani-Fangio für das erste Auto mutiert zu 'Zonda', dem Wind in den Anden. In einer späteren Version kommt dann doch noch ein 'F' zur Erinnerung an den genialen Rennfahrer hinzu. Horacio Pagani ist modern und altmodisch zugleich. Er bezieht Anregungen aus der Renaissance, benutzt angeblich keinen Computer, arbeitet aber gleichzeitig seit mehr als 10 Jahren mit dem angesagtesten Karosserie-Werkstoff, nämlich der Kohlefaser. In seinem 35-Leute-Betrieb entsteht sodas Ergebnis feinster Präzision, z.T. nur von einer dünnen Klarlackschicht überzogen. Einziger Vorgänger in dieser Technik des Karosseriebaus war McLaren. Die Kohlefasern sind neuerdings z.T. verstärkt durch Titandraht, was auch optisch besondere Effekte ergibt. Überhaupt kommen im Wagen immer geradedie Werkstoffe vor, die dem Meister am effektivsten erscheinen: Verzierungsknöpfe aus Holz, innere Verstärkungen aus Stahl, Bedienelemente ausLeichtmetall. Auf jeden Fall findet man vom Design her nichts, was aus irgendeiner Großserie zugekauft wäre, dazu ist man viel zu detailversessen. Zur Beachtung: Ein Lamborghini mit zwölf Zylindern wiegt ca. eine halbe Tonne mehr. Und was vielleicht noch wichtiger ist, der Wagen ist zwarauch für Durchschnittsfahrer (bei einiger Vernunft) handhabbar, aber seine filigrane Beeinflussbarkeit entfernt ihn von der doch etwas stierhaftenGrobheit älterer Lambos ein Stück weit. Wenig Gewicht ist eben durch nichts zu ersetzen, außer durch noch weniger Gewicht. Trotz Eignung für Durchschnittsfahrer ist die Technik vom feinsten, man könnte sie auch des Formel-1-Ursprungs bezichtigen. Nicht nur Bremsen undKarosserie, auch die Radaufhängung kommt daher. Statt Pushrods sind hier allerdings Pullrods eingebaut, was nur auf eine andere Wirkrichtungdeutet. Dadurch ist die Federung nicht gnadenlos hart, sondern kann mit fast unendlicher Präzision kleinere Stößen vorsichtig und gröberen zumindestnach kurzem Federweg stärker entgegenwirken. 03/11
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