
| Geboren 1834 in Schorndorf, Vater Bäcker |
Den Beruf des Kfz-Mechatronikers kann man in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht erlernen, auch, weil es das Kraftfahrzeug noch nicht gibt. Individuell reist man so wie vor 2000 Jahren beschwerlich, aber immerhin mit Federung versehen, in einer Kutsche mit ziemlich mäßiger Reisegeschwindigkeit. Gottlieb Daimler, 1834 als Sohn eines Bäckers geboren, will alles motorisieren, muss fast 50 Jahre alt werden, bevor er sich gezielt mit dieser Idee beschäftigen kann.
| Sprachliche und berufliche Weiterbildung im Ausland |
Die Grundlage für diese Arbeit ist der Beruf des Büchsenmachers mit einer doppelläufigen Flinte als Gesellenstück. Es folgen die Landesgewerbeschule Stuttgart und ein Stipendium für die Weiterbildung in einer Lokomotivfabrik im Französisch sprechenden Elsaß. Schon im nachfolgenden Studium zum Ingenieur (heute Bachelor vergleichbar) auf der Polytechnischen Schule beschäftigt er sich u.a. intensiver mit der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen. Spätestens hier muss ihm die Idee für einen möglichen Antrieb, nicht nur für Landfahrzeuge, sondern beinahe alle Arten der Fortbewegung.
Die besonderen Fähigkeiten Gottlieb Daimlers werden wohl vervollkommnet durch eine Art Wanderschaft, die er nach erfolgreich absolviertem Studium mit 25 Jahren beginnt. Dabei sind auch die Grenzen des damals noch nicht als Einheitsstaat existierenden Deutschlands für ihn kein Hindernis. Durch ein weiteres Stipendium für Frankreich vervollkommnet u.a. er seine französischen Sprachkenntnisse. Hinzu kommen zweijährige Erfahrungen in Leeds, dem Zentrum des Maschinenbaus in Großbritannien. Zurück in Deutschland zahlen sich seine gewonnenen Erfahrungen in immer höheren Qualifikationen bei der jeweiligen Anstellung aus.
| Zusammen mit Maybach in Ottos Gasmotorenfabrik erfolgreich |
Eine dieser leitenden Funktionen in der Maschinenfabrik "Zum Bruderhaus" bringt ihn 1863 in Kontakt mit dem Lehrling Karl Maybach, eine folgenreiche Begegnung. Denn dieser wird ihn von nun an für sein ganzes Leben beruflich begleiten. Er ist wohl in hohem Maße für den Erfolg Daimlerscher Konstruktionen verantwortlich. So kommen beide in unterschiedlichen Funktionen 1872 zur Gasmotorenfabrik Köln-Deutz. Einer der beiden Chefs ist Nikolaus August Otto.
Obwohl Kaufmann, ist Otto ebenfalls ein Suchender. Er hat eine bestimmte Motorkonstruktion im Kopf, die auf dem Lenoir-Leuchtgasmotor von 1860 basiert. Otto hat seine Idee vom Viertaktmotor 1862 zum ersten Mal ausprobiert, leider mit buchstäblich "durchschlagendem" Erfolg. Man kann heute davon ausgehen, dass Daimler und vor allem auch Maybach wohl entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung des Viertaktmotors 1876 hatten.
| Der Erfolg treibt sie auseinander. |
Während seiner ersten Zeit hat Daimler als technischer Direktor den Bau von Atmosphärischen Gasmotoren rationalisiert und die Produktionszahlen gewaltig gesteigert. Dann hat er den Durchbruch des Viertakters erlebt. Nachträglich betrachtet muss man sowohl Otto als auch Daimler zu jener Gattung zählen, die nicht so einfach von außen beeinflussbar sind, sondern beharrlich ihre Ziele verfolgen. Die Gegensätze zwischen beiden erweisen sich als unüberbrückbar. Auch eine Trennung durch Daimlers angepeilte Tätigkeit für die Firma in Russland kann daran nichts ändern. Ein Direktor muss weichen. Daimler stellt noch Forderungen an Patenten der Firma, wird aber letztlich mit Optionen (einlösbaren Aktien) reichlich entlohnt und die beiden verlassen die Firma 1882 in Richtung Canstadt (Stuttgart).
| Die eigene, sehr erfolgreiche Entwicklung |
Eigentlich hat Daimler vertraglich zugesichert, nicht am Viertaktmotor zu arbeiten. In der Folgezeit wird er jedoch zunächst das Leuchtgas durch das flüssige, in Apotheken erhältliche Ligroin ersetzen. Auch die im Ottomotor verwendete Zündung wird verändert. Unklar ist, ob sie durch ein Glührohr oder durch andere Wärmeüberträger gewährleistet wird. Jedenfalls gibt es eine durch Flamme von außen dauerhaft erwärmte Stelle im Brennraum, an dem sich das Ligroin/Luft-Gemisch entzünden soll. Diese ungesteuerte Zündung müssen die beide Konstrukteure einige Versuche und Nerven gekostet haben, sollen doch Brennraumform, Verdichtung, Gemisch und evtl. auch die Drehzahl gut aufeinander abgestimmt sein, damit die Zündung auch immer nach OT erfolgt.
Das alles findet statt im Gartenhaus der Daimlerschen Villa und führt zum Patent für einen mit ca. 650 1/min fast viermal so hoch drehenden Motor wie dem von Otto. Das Gewicht beträgt mit 45 kg nur ein Zehntel. Jedenfalls kann Daimler nach dem ersten, auf dem Viertaktprinzip beruhenden Motor zusammen mit Maybach einen zweiten bauen, den sie in den Reitwagen, das erste Motorrad der Welt einbauen. 01/10
| Lesen Sie hier den zweiten Teil! |